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Handball-Kommentar : Übergangs-Lösung gesucht

  • -Aktualisiert am

Der neue Iker Romero? Paul Drux im Champions-League-Spiel gegen Szeged Bild: dpa

Die deutschen U19-Handballspieler stehen im WM-Halbfinale. Der erfolgreiche deutsche Handball-Nachwuchs könnte endlich eine echte Chance bekommen angesichts der Krise des A-Teams.

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          Es ist jeden Sommer das Gleiche. Während der Blick der Handballfans sich auf die startende Bundesliga richtet, spielt der deutsche Handballnachwuchs fernab öffentlicher Wahrnehmung in irgendeiner besseren Schulturnhalle um die Europa- oder Weltmeisterschaft. Dieses Mal ist Ungarn Austragungsort der U-19-WM, und was man von dort via Livestream im Internet sehen kann, ist aus deutscher Sicht erfreulich: Am Dienstag erreichte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) nach einem spannenden Match gegen Slowenien das Halbfinale. Dort wartet an diesem Mittwochabend Kroatien.

          So weit, so bekannt. Denn seit einem guten Jahrzehnt gehören die deutschen Jugend- und Juniorenspieler zur Weltspitze und bringen verlässlich Titel von sommerlichen Großereignissen mit. Besonders der jetzige Bundestrainer Martin Heuberger steht für den erfolgreichen deutschen Nachwuchs, zuletzt hatte er immer fünf, sechs „seiner“ Akteure im Kader der Männer-Auswahl: Spieler also, die er von den Nachwuchstitelkämpfen kannte. So richtig dieser Weg sein mag, so wenig hat er zuletzt gebracht: Die besten deutschen Handballspieler werden bei der Männer-EM 2014 in Dänemark bekanntlich zuschauen. Keiner der ehemaligen Nachwuchskräfte konnte Heuberger helfen, als es im Juni in Montenegro drauf ankam.

          Den Hauptgrund dafür kennen alle in der Szene: Es ist die sogenannte Anschlussförderung. Wenn aus großen Talenten Bundesligaspieler werden sollen, hakt es meistens. Beim Übergang vom Junioren- zum Mannesalter fehlt es vielen Klubs an Geduld. Sie holen lieber einen fertigen Spieler, als die Schwankungen eines Talents zu ertragen. Deshalb verschwinden so viele Jungstars in der Unterklassigkeit oder beenden ihre Laufbahn.

          Trainer des Nachwuchses: Der ehemalige Weltmeister Christian Schwarzer arbeitet erfolgreich
          Trainer des Nachwuchses: Der ehemalige Weltmeister Christian Schwarzer arbeitet erfolgreich : Bild: picture-alliance / Defodi

          Wenn sich doch mal einer durchsetzte aus dem deutschen Nachwuchs, dann bei einem der Mittelklasseklubs wie Minden, Wetzlar, Balingen oder Magdeburg. Dort entwickeln sich die Jungen aber nicht zu Spielern, die in engen Matches gegen die Weltspitze Verantwortung übernehmen und die richtigen Entscheidungen treffen. So waren die deutschen Nachwuchserfolge für sich genommen immer schön - aber letztlich folgenlos für das Aushängeschild Nationalmannschaft.

          Füchse meinen es ernst

          Die männliche Jugend, die jetzt in Ungarn mit ihrem Trainer Christian Schwarzer um den Titel spielt, könnte für eine Zäsur stehen. Auch aus finanziellen Gründen hat bei manchen Bundesligaklubs ein Umdenken stattgefunden. Die Füchse Berlin meinen es in dieser Saison ernst und wollen ihrem überragenden Nachwuchs eine Chance geben. Der 18 Jahre alte Paul Drux soll dort bald den Weltstar Iker Romero ersetzen; Drux ist einer der Köpfe der deutschen Jugend.

          Der auffälligste Spieler der WM, Regisseur Tim Suton, ist erst 17 Jahre alt. Er tritt für Saarlouis an, dürfte dank Doppelspielrecht aber auch für die Rhein-Neckar Löwen in der Bundesliga auflaufen. Dass junge, deutsche Rückraumspieler auf mehr als nur Chancen bei den Topklubs hoffen können, ist neu. Und es ist eine ausgesprochen gute Nachricht für den deutschen Handball.

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