https://www.faz.net/-gtl-962xy

Kroatiens Star Duvnjak : Voller Einsatz, volles Risiko

  • -Aktualisiert am

Von Kollegen gestützt: Domagoj Duvnjak (Mitte) fehlt den Kroaten Bild: dpa

Domagoj Duvnjak reiste nach einer langen Verletzungszeit zur Handball-EM. Nun fällt der Spielmacher von Kroatien abermals aus. Die Rechnung für die Überbelastung zahlen oft die Vereine.

          2 Min.

          Schon das, was Domagoj Duvnjak vor der Europameisterschaft sagte, klang für Kieler Ohren unheilvoll. Er müsse noch verlorene Muskulatur aufbauen, betonte Duvnjak Anfang Januar. Das sei normal nach sieben Monaten Pause. Trotz dieser Absenz in Folge einer Patellasehnen-Operation im linken Knie erwarte er von sich, eine starke EM zu spielen. Diese Haltung verdeutlicht den ganzen Druck, der auf Duvnjak und den kroatischen Handballern bei der Heim-EM lastet. Duvnjak als Kopf und Star des rot-weißen Teams soll die Kroaten zum ersten kontinentalen Titel überhaupt führen – die Endspiele 2008 und 2010 verloren sie gegen Dänemark und Frankreich.

          Doch für Duvnjaks Körper war die Last offenbar zu groß. Gleich im ersten Spiel verletzte er sich – unter unglücklichen Umständen. Obwohl die Kroaten am Freitag in der Auftaktpartie gegen Serbien hoch führten (und am Ende 32:22 siegten), ließ Trainer-Legende Lino Cervar seinen Anführer auf der Platte. Und prompt streikte die rechte Wade. Muskelfaserriss. In der 57. Minute.

          Es ist fraglich, ob der Schlüsselspieler noch einmal ins Turnier eingreifen kann. Vielleicht in der Hauptrunde, die am 26. Januar beginnt. Ginge es nach dem THW Kiel, seinem Arbeitgeber, spielte Duvnjak bei dieser EM gar nicht mehr. Um die ehrgeizigen Vereinsziele zu erreichen, muss eine makellose Rückrunde her. Die ist ohne Duvnjak kaum möglich.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          Es ist eine Verletzung mit langer Vorgeschichte. Über Jahre hat der 29 Jahre alte Spielmacher die Knochen hingehalten, pausenlos mit Schmerzen gespielt – und das in Abwehr und Angriff. Bei der WM vor einem Jahr quälte sich Duvnjak gegen ärztlichen Rat über das Parkett; die Kroaten kamen dank seiner klugen Regie bis ins Halbfinale. Eigentlich sollte Duvnjak damals dosiert eingesetzt werden, so war es zwischen THW und kroatischem Verband ausgehandelt. Es hielt sich nur niemand daran. Auch Duvnjak ignorierte die Abmachung.

          Nach dem Pokalsieg gegen Flensburg im April verkündete Duvnjak eine OP und längere Pause. Schon im August sprach er frohgemut davon, auf gutem Wege zu sein, und nannte die Heim-EM als Ziel. Da verdrehte sein Vereinstrainer Alfred Gislason die Augen. Ihm war klar, dass Duvnjak weder voll austrainiert sein noch auf die EM verzichten würde.

          Es gab schon viele Handballprofis unterschiedlicher Länder, die ihre Laufbahn in der Nationalmannschaft beendeten (oder pausierten), um halbwegs gesund durch die Saison zu kommen. Bei den Deutschen galt dies für Johannes Bitter oder Holger Glandorf, bei den Dänen etwa für den Flensburger Thomas Mogensen. Dass Spieler verletzt von Großereignissen zurückkommen oder kaum fit hinfahren, ist beklagter Dauerzustand geworden – der Norweger Magnus Röd ist in Kroatien dabei, obwohl die SG Flensburg ihn gerade wiederaufgebaut hat, und Jim Gottfridsson (ebenfalls Flensburg) hat im Trikot der Schweden schon eine ganze Krankenakte gesammelt. Die Vereine tragen das Risiko.

          „Am Ende sind wir wieder der große Verlierer“, stöhnt schon Gislason im altvertrauten Zweckpessimismus gegenüber den „Kieler Nachrichten“. Denn im Auftaktspiel der EM ging nicht nur sein wichtigster Spieler zu Boden, sondern auch sein bester Werfer verletzte sich – der Serbe Marko Vujin musste mit Schmerzen im hinteren rechten Oberschenkel raus. Duvnjak fühlte sich in der Klemme. „Wenn wir spielen, kocht die Halle über. Der Druck wird riesig sein. Und das ist auch richtig so. Ich liebe es, mich von diesen Emotionen tragen zu lassen“, sagte er vor dem Turnier zu „Sport Bild“. Der mündige Profi, der sich notwendige Pausen gönnt – eine ihm fremde Kategorie. Also versucht er beides, Verein und Nation. Bis es nicht mehr geht. Am Sonntag gewann seine Mannschaft 29:22 gegen Island und steht damit schon in der Hauptrunde. An diesem Dienstag um 20.30 Uhr (live im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM)  geht es nun gegen Schweden um wichtige Punkte für eine gute Ausgangsposition im Kampf um den Titel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Drogenkartell : Schlacht um „El Chapos“ Sohn

          Nach der Festnahme eines Kartellbosses spielen sich in der mexikanischen Stadt Culiacán Szenen wie im Krieg ab – und die Armee lässt den Verbrecher wieder frei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.