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Italienischer Fußball : Dieses Jahr ist alles anders in der Serie A

Der Titel ist durchaus in Reichweite in dieser Spielzeit für José Mourinho und AS Rom. Bild: EPA

Mailand, Turin oder Rom? Der Kreis der Titelfavoriten in Italiens höchster Fußballliga ist in dieser Saison so unübersichtlich wie lange nicht. Und noch etwas ist nicht wie sonst.

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          Das hat es noch nie gegeben: Die Serie A startet vor „Ferragosto“. Die Tage um das Hochfest des Sommers am 15. August verbringt man in Italien habituell am Meer, vielleicht noch in den Bergen. Aber nicht im Stadion. Dieses Jahr ist es anders. Der Terminkalender musste der „Winter-WM“ in Qatar angepasst, der erste Spieltag schon mitten im August absolviert werden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Von September bis Mitte November, wenn der Spielbetrieb wegen der WM für einen guten Monat unterbrochen wird, müssen die zwanzig Teams der höchsten italienischen Profiliga zweimal wöchentlich antreten. Aber auch mit Blick auf den möglichen Ausgang des Rennens um den Scudetto ist fast alles anders als gewohnt. Der Kreis der Favoriten ist so unübersichtlich wie lange nicht.

          Gosens noch nicht in Bestform

          Trotz ihrer wenig überzeugenden Auftaktspiele zählen die beiden Mailänder Klubs auch in dieser Saison wieder zu den Meisterfavoriten. Titelverteidiger AC Mailand tat sich beim 4:2 gegen Udinese Calcio – mit zwei Toren des ehemaligen Frankfurters Ante Rebić – am Samstag daheim fast so schwer wie Pokalsieger Inter Mailand gegen Aufsteiger US Lecce. Erst in der allerletzten Minute der Nachspielzeit bugsierte der niederländische Abwehrspieler Denzel Dumfries den Ball nach einer Ecke mit dem Knie ins Tor zum 2:1. Schon in der 2. Minute hatte Romelu Lukaku Inter in Führung gebracht, die tapferen Neulinge vom Stiefelabsatz in Apulien konnten kurz nach der Pause ausgleichen.

          Dass „König Lukaku“ nur 82 Sekunden brauchte, um mit einem Kopfball wieder bei Inter „anzukommen“, ist das Sahnehäubchen auf einem überaus gelungenen Deal für die Nerazzurri. Im Sommer 2021 war der Belgier für 115 Millionen Euro nach London verkauft worden, wo er unter Trainer Thomas Tuchel bei Chelsea nie glücklich war. Für gerade einmal acht Millionen Euro Leihgebühr ist Lukaku nun wieder in Mailand, wo er mit dem argentinischen Energiebündel Lautaro Martínez zum alt-neuen Traumduo im Sturm werden soll.

          Der deutsche Nationalspieler Robin Gosens, der Anfang 2022 von Atalanta Bergamo zu Inter gekommen und zuletzt von Verletzungen geplagt war, zeigte sich im Eröffnungsspiel der neuen Saison noch weit von seiner Bestform entfernt und wurde nach einer knappen Stunde ausgewechselt.

          Zeigt noch nicht sein ganzes Können: Robin Gosens bei Inter Mailand (links)
          Zeigt noch nicht sein ganzes Können: Robin Gosens bei Inter Mailand (links) : Bild: EPA

          Juventus Turin sehnt sich nach zwei schwachen Spielzeiten nach jener Epoche, da man zuletzt neunmal in Folge die Meisterschaft gewonnen hatte. Serienmeistertrainer Massimiliano Allegri, zwei Jahre nach seinem Weggang von 2019 nach Turin zurückgeholt, konnte in der vergangenen Spielzeit seine Aufgabe als Retter in der Not noch nicht erfüllen. Mit einiger Mühe gelang die Qualifikation für die Champions League, im Pokalfinale gab es eine schmerzhafte Niederlage gegen Inter Mailand.

          Den an Bayern München verkauften Niederländer Matthijs de Ligt soll in der zentralen Abwehr der Brasilianer Gleison Bremer ersetzen, der vom Stadtrivalen FC Turin gekommen ist. Der Argentinier Ángel Di María wurde aus Paris geholt, aus Frankfurt kam der Serbe Filip Kostić. Mit Di María soll er im Sturmzentrum Dušan Vlahović bedienen. Der war Anfang des Jahres von Florenz gekommen und konnte die in ihn gesetzten Hoffnungen als Torjäger recht gut erfüllen. Juve empfängt zum Abschluss des ersten Spieltags an diesem Montag (20.45 Uhr bei DAZN) Sassuolo.

          In Florenz und Neapel hat der Sparzwang der von zwei Jahren Pandemie schwer gebeutelten Klubs das Kaderprofil geprägt. Die Spitzenteams zählen in dieser Spielzeit deshalb nicht zum engeren Kreis der Titelanwärter. Nach Lorenzo Insigne (nach Toronto) verließen auch der Belgier Dries Mertens (nach Istanbul) und Kalidou Koulibaly (nach London zu Chelsea) ihre Wahlheimat Neapel, wo man der neuen Saison ohne die drei wichtigen Profis eher bange entgegenblickt.

          Gleich begehrtes Fotomotiv: Filip Kostic in Turin
          Gleich begehrtes Fotomotiv: Filip Kostic in Turin : Bild: EPA

          Dafür hat José Mourinho, im zweiten Jahr bei der AS Roma, in der Hauptstadt eine Begeisterung sondergleichen ausgelöst. Dank seines Charismas, das er selbst am schönsten zu preisen pflegt, konnte Mourinho den Argentinier Paulo Dybala (von Juve), den Serben Nemanja Matić (von Manchester United) sowie den Niederländer Georginio Wijnaldum (von PSG) ablösefrei nach Rom lotsen.

          Nachwuchsstar Nicolò Zaniolo wird zwar heftig von den Tottenham Hotspur umworben, aber Mourinho will den italienischen Nationalspieler, nach langer Verletzungspause in erstaunlicher Frühform, unbedingt halten. Nach dem 5:0 im Vorbereitungsspiel gegen Schachtar Donezk verwahrte sich Mourinho gegen überzogene Erwartungen. Einen Scudetto habe man immerhin schon gewonnen, sagte er: denen der Fans. Das mit 65.000 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion stand beim Testspiel Kopf. Nicht nur die überhitzten Tifosi der AS Roma sind der Überzeugung, dass ihre Mannschaft in dieser Saison ganz oben mitmischen kann. Mit den Großen aus Mailand und Turin.

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