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Kommentar : Wann klagt der DFB?

Die Aufklärung muss weitergehen beim DFB und seinem designierten Präsidenten Reinhard Grindel. Bild: dpa

Es verwundert, wie nachsichtig der DFB in der WM-Affäre mit Beckenbauer und Niersbach umgeht. Dabei sollte der Verband jeden Cent des Schadens wieder eintreiben. Das wird dauern, ist aber unumgänglich.

          Bei seinem Ansinnen, Licht in die dunklen Machenschaften um die WM-Affäre zu bringen, ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seiner Privatuntersuchung einen Schritt nach vorne gekommen. Aber nur einen kleinen. Immer noch ist die Frage nicht geklärt, welchen Zweck die Zahlung über umgerechnet 6,7 Millionen Euro an den Qatarer Mohammed Bin Hammam hatte – und ob frühere Spitzenfunktionäre um die deutsche Fußballikone Franz Beckenbauer bestochen haben, damit in Deutschland 2006 das Sommermärchen stattfinden konnte.

          Es sieht so aus, als können jetzt nur noch die derzeit ermittelnden deutschen und die Schweizer Staatsanwälte für eine konkretere Aufklärung sorgen. Zumal der DFB am Freitag nicht sagen wollte, ob die bisher zuständige Anwaltskanzlei „Freshfields Bruckhaus Deringer“ einen Folgeauftrag erhalten wird.

          Das ist unbefriedigend. Wer Glaubwürdigkeit für sich reklamiert, muss die Vergangenheit vollends aufarbeiten. Es wäre falsch, wenn die neue Führung des DFB ihr Heil nur in der Flucht nach vorne sieht. Zwar liegt der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel richtig, wenn er ankündigt, dass sich der Verband einer tiefgreifenden Compliance-Reform unterwirft.

          Das ist dringend notwendig und wurde in den vergangenen Jahren versäumt. Doch ohne scharfen Blick nach hinten wird eine neue Führung kaum Vertrauen bilden können, zumal die meisten der zukünftig dienenden Funktionäre schon seit Jahren beim DFB in Amt und Würden sind.

          In dieser Hinsicht verwundert, wie nachsichtig am Freitag die DFB-Vertreter nicht nur mit Beckenbauer, sondern auch mit dem ehemaligen Verbandspräsidenten Wolfgang Niersbach umgegangen sind, der sie doch über Monate im vergangenen Jahr in der Affäre hinterging. Es gab auch gestern vom DFB keine Aufforderung, dass sich Niersbach aus allen Positionen im internationalen Fußball zurückziehen müsse. Ähnliches gilt für Beckenbauer. Erst die Ethikkommission des Weltverbandes Fifa wird wohl für Fakten sorgen.

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          Darum geht es auch bei der weiteren Aufklärung: Ein glaubwürdiger DFB ist seinen mehr als sechs Millionen Mitgliedern schuldig, jeden Cent des entstandenen Schadens wieder einzutreiben. Sollte sich herausstellen, dass die dubiose 6,7-Millionen-Zahlung vom WM-Organisationskomitee an Dreyfus 2005 nicht steuerlich abzugsfähig war, wird der Verband für dieses Jahr wohl seine Gemeinnützigkeit nachträglich aberkannt bekommen. Das könnte 20 oder sogar 25 Millionen Euro kosten.

          Auch die interne Untersuchung von Freshfields hat ihren Preis – angeblich niedrig siebenstellig. Und was ist mit einer Rückforderung der 6,7 Millionen Euro? Der DFB steht in der Pflicht, diese gesamten Aufwendungen, die noch auf ihn zukommen werden, von den Schadenverursachern zurückzufordern. Das wird zu langen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen führen. Aber dieser Prozess ist für ein sauberes Geschäftsgebaren unumgänglich.

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          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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