https://www.faz.net/-gtl-87ghg

Oranje in Not : Robben fällt vier Wochen aus

  • Aktualisiert am

Gegen die Türkei muss Robben von außen zuschauen Bild: AFP

Erst Hohn und Spott nach der zweiten Niederlage gegen Island, nun auch noch der langfristige Ausfall von Arjen Robben. Gegen die Türkei geht es für Oranje um Alles oder Nichts.

          3 Min.

          Es ist eine Mischung aus ungläubigem Staunen und höhnischer Wut. Nach der 0:1-Heimniederlage der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Island droht der WM-Dritte die Europameisterschaft 2016 in Frankreich zu verpassen. Schon im Hinspiel hatten die Männer aus dem 330.000 Einwohner zählenden Island das Oranje-Team mit 2:0 gnadenlos abgewatscht. Das trug wesentlich dazu bei, dass Nationaltrainer Guus Hiddink nach nicht einmal einem Jahr den Platz für Danny Blind räumen musste. Dessen Debüt als Bondscoach gegen die Isländer geriet am Donnerstagabend zum Debakel.

          „Verbiesterter, hektischer, gedankenloser Fußball“, konstatierte die Zeitung „Volkskrant“ am Freitag und fügte hinzu: „Hirnlos, einfältig, unprofessionell. Oranje fällt ins totale Chaos.“ Ein „Debüt zum Heulen“, befand der „Telegraaf“: „Blind erlebt, wie alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann.“

          Für die Niederländer war das Spiel gegen Island in Amsterdam das erste seit 52 Jahren, das sie bei einer EM-Qualifikation daheim verloren. Sie können nun nur noch darauf hoffen, sich über die Playoffs doch noch zu qualifizieren. Dazu müssten sie aber nach den Isländern und Tschechen den dritten Platz in der Gruppe A verteidigen.

          Derzeit haben sie 9 Punkte, nur einen mehr als die Türkei, die gegen Lettland in der 90. Minute den Ausgleich hinnehmen musste. Noch am Freitag machte sich das Oranje-Team auf nach Konya: In Anatolien wird am Sonntag gegen die Türkei eine Vorentscheidung darüber fallen, ob die Niederlande erstmals seit 1984 bei einer EM fehlen.

          Da nahm das Unglück seinen Lauf: Arjen Robben (links) verletzt sich. Bilderstrecke

          Dass sich Kapitän Arjen Robben in der 25. Minute an die Leiste griff und mit einer Adduktorenverletzung vier Wochen fehlen wird, verschlechtert Stimmung und Chancen weiter. „Eine Kombination von Pech, verschlimmert durch Dummheit und unprofessionelles Verhalten“, diagnostizierte das „NRC Handelsblad“.

          „Nach unserem Vereinsfußball, der durch Europa stolpert, ist auch die Nationalmannschaft in eine tiefe Krise geraten“, meinte die „Volkskrant“. Die alten Stars wie Robben, Robin Van Persie oder Wesley Sneijder nähmen langsam Abschied: „Und ein neuer Star wie Memphis Depay trägt zwar neckische Hütchen und hat schöne Autos in Manchester, zeigt aber seine Klasse noch nicht in jedem Spiel.“

          „Ich weiß nicht, was ihn geritten hat“

          „Es war schwierig, durch die isländischen Linien zu stoßen und als es besser ging, haben wir uns selbst ins Knie geschossen“, sagte Blind nach der Niederlage. Schon in der ersten Hälfte wurde Bruno Martins Indi mit einer Roten Karte in die Kabine geschickt, nachdem seine Hand ins Gesicht von Kolbeinn Sigthorsson traf. „Das ist so dumm, dass man gar keine Worte findet“, wetterte die Zeitung „Volkskrant“.

          „Ärgerlich“ nannte der 54 Jahre alte Danny Blind das Foul: „Ich weiß nicht, was ihn geritten hat.“ Und zum Tiefflug von Greg van der Weil, der Birkir Bjarnason von den Beinen holte und damit für einen Elfmeter und das Siegtor der Isländer sorgte, sagte der Bondscoach: „So etwas darf Greg nicht passieren. In so einer Situation muss man auf den Beinen bleiben.“

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Islands Torschütze Sigurdsson dagegen bezeichnete den 1:0-Sieg als einen „gewaltigen Schritt“ bezeichnet. Der Profi von Swansea City aus der englischen Premier League mahnte aber trotz der beeindruckenden Bilanz von Island in der Gruppe A mit sechs Siegen aus sieben Partien: „Wir müssen ruhigbleiben und den Job zu Ende bringen.“ Allerdings kann Island schon an diesem Sonntag die erstmalige Teilnahme an einer Endrunde – ob EM oder WM – schaffen.

          Gegner im Stadion Laugardalsvöllur von Reykjavik wird Kasachstan sein. Die Kasachen haben bislang nur einen Punkt. Nach einem 0:0 zum Auftakt der Qualifikation ging das Team in den weiteren sechs Spielen jeweils als Verlierer vom Platz. Kasachstan ist Letzter in der Gruppe A, Island Erster. „Mit neun Zehen“ stehe Island in der EM-Endrunde, meinte bereits das Online-Portal Vísir.is. und bejubelte einen „unvergesslichen Abend“ in Amsterdam für das Team von Lars Lagerbäck und Heimir Hallgrímsson.

          Fragezeichen hinter DFB-Testspiel

          Der Deutsche Fußball-Bund muss derweil für das letzte Länderspiel des Jahres über einen Ersatzgegner nachdenken. Die Auswahl der Niederlande, mit der für den 17. November in Hannover ein Freundschaftsspiel vereinbart worden ist, könnte an diesem Termin das Playoff-Rückspiel um die EM-Teilnahme 2016 antreten. Als Gruppen-Dritter müsste Holland in die Relegation und würde damit als Testgegner für Weltmeister Deutschland ausfallen.

          Die Niederländer würden am Sonntag mit einer Niederlage in der Türkei sogar auf Platz vier abrutschen. Bliebe es letztlich dabei, wäre die Partie wieder gesichert, weil Holland die EM damit verpassen würde. Nur der Gruppen-Erste und -Zweite sowie der beste Dritte qualifizieren sich direkt für die EM-Endrunde vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich. Die deutsche Nationalmannschaft muss in ihren letzten vier Gruppenspielen auch noch die Direkt-Qualifikation sichern, um im November die geplanten Freundschaftsspiele in Frankreich und gegen die Niederlande absolvieren zu können.

          Weitere Themen

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          Topmeldungen

          Robert Habeck und Annalena Baerbock sprechen die Sprache der grünen Neumitglieder.

          Eintrittswelle : Die neuen Grünen

          Anderen Parteien laufen die Mitglieder weg. Aber die Grünen, die gerade in Bielefeld auf ihrem Bundesparteitag zusammenkommen, können sich vor Aufnahmeanträgen kaum retten. Das schafft Probleme.
          Flugzeug von Korean Air in Frankfurt (Archivbild)

          Korean Air : Flugzeug-Kollision auf dem Frankfurter Flughafen

          Eine Boeing 777 der Korean Air ist in Frankfurt mit einem Flugzeug aus Namibia zusammengestoßen. Beide Maschinen wurden beschädigt. Den Unfall untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.