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Frauenfußball : Kim Kulig zieht Schlussstrich

Der Beginn der Leidensgeschichte: Kim Kulig reißt sich 2011 bei der WM das Kreuzband. Bild: dpa

Kim Kuligs Karriere begann einst verheißungsvoll. Nun hat eines der größten Talente des deutschen Frauenfußballs einen Invaliditätsantrag gestellt. Dem Fußball bleibt die 25 Jahre alte Kulig erhalten.

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          Siegfried Dietrich wäre nicht Siegfried Dietrich, wenn der Manager, Investor und Sprecher des FFC Frankfurt eine an sich traurige Pressemitteilung nicht mit einem optimistischen Dreh überschrieben hätte. „Kim Kulig bleibt dem Fußball erhalten“, lauten also die ersten Worte über der Mitteilung zum verletzungsbedingten Ende der aktiven Laufbahn einer Spielerin, die einst als Shooting-Star des deutschen Frauenfußballs eine höchst verheißungsvolle Karriere als Mittelfeldmotor des Nationalteams vor sich hatte, ehe eine bei der Niederlage gegen Japan im Viertelfinale der Heim-WM 2011 erlittener Kreuzbandriss ein allzu frühes Ende eingeleitet hätte.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seither kam Kim Kulig, die auf dem besten Weg zu einem Popstar ihres Sports war, nie wieder richtig auf die Beine. Für den FFC, dem sie sich kurz vor ihrer Verletzung nach einem Wechsel vom HSV an den Main angeschlossen hatte, stand sie lediglich 19 Mal in der Bundesliga auf dem Platz. Immer wieder kehrte sie für kurze Zeit in den Trainingsbetrieb zurück, sie bestritt sogar auch noch ihre Länderspiele 28 bis 33 und stand zuletzt im Januar im Trainingslager in der Türkei bei einem Testspiel gegen den FC Zürich noch einmal für ihr Vereinsteam auf dem Platz - doch immer wieder meldete sich das durch mehrere Nachoperationen beeinträchtigte Knie und verhinderte eine endgültige Rückkehr zu alter Stärke, die sie besonders beim EM-Sieg 2009 unter Beweis gestellt hatte.

          Ende der Karriere

          Nun hat die 25 Jahre alte Kulig endgültig einen Schlussstrich gezogen mit dem Antrag auf Sportinvalidität, wie ihr Klub am Donnerstag mitteilte. „Ich habe alles darangesetzt, wieder auf den Platz zurückzukehren, allerdings hält mein Knie den Belastungen des Leistungssports einfach nicht mehr stand“, lässt sich die im schwäbischen Herrenberg aufgewachsene Kulig in der Pressemitteilung zitieren. „Ich freue mich nun auf interessante und anspruchsvolle Projekte, die vor mir liegen.“

          Auf in ein neues Leben: Kim Kulig bleibt dem Fußball erhalten

          Beruflich ist sie unabhängig von der Höhe einer möglichen Invaliditätsrente abgesichert. Vom 1. Oktober an arbeitet die angehende Sportfachwirtin für den DFB. In der Abteilung „Nationalmannschaften und Talentförderung“ soll sie organistorische Aufgaben wahrnehmen, aber auch ihre eigenen Erfahrungen weitergeben. Wie sich das Anstellungsverhältnis beim DFB mit ihrer bei der WM im Sommer erstmals ausgeübten Nebentätigkeit als ZDF-Expertin verträgt, die sie auch beim EM-Qualifikationsspiel des deutschen Teams gegen Ungarn in Halle am Freitag (16 Uhr) ausüben wird, muss sich weisen. „Wir waren mit Kim Kulig sehr zufrieden bei der WM. Sie hat das Team trotz persönlicher Nähe kritisch beurteilt“, sagt Andreas Lauterbach vom ZDF. „In die Überlegungen zur weiteren Planungen fließt die neue Situation ein, ein ,Augen zu und durch‘ wird es nicht geben. Wir können deshalb derzeit weder zu hundert Prozent ja sagen, noch zu hundert Prozent nein.“

          Kulig war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dietrich, der auch persönlicher Berater der Spielerin ist, will von einem Interessenskonflikt derweil nichts wissen. „Kim ist eine so starke Persönlichkeit, dass sie zwischen den beiden Tätigkeiten differenzieren kann. Sie hat schon während der WM ihre Fähigkeit zum eigenständigen Urteil bewiesen.“

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