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0:2 gegen Neapel : Leipzig enttäuscht und jubelt doch

Der SSC Neapel leistete RB Leipzig im Rückspiel einigen Widerstand. Bild: AFP

Der Bundesligaverein zehrt vom Vorsprung aus dem Hinspiel und zieht in der Europa League in die nächste Runde ein. Gegen Neapel zeigt Leipzig aber einige Schwächen und entgeht einer großen Enttäuschung nur ganz knapp.

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          RB Leipzig hat das Achtelfinale in der Europa League erreicht – und ist einer großen Enttäuschung dennoch nur knapp entgangen. Nach einem souveränen 3:1-Sieg in der Vorwoche beim SSC Neapel stand der Tabellenfünfte der Fußball-Bundesliga gegen den italienischen Tabellenführer am Rande des Ausscheidens. Leipzig verlor vor gut 36.000 Zuschauern mit 0:2 nach Toren von Piotr Zielinski (32. Minute) und Lorenzo Insigne (86.) – und erreichte nur dank der mehr erzielten Auswärtstore die nächste Runde, die an diesem Freitag (13.00 Uhr) in Nyon ausgelost wird. Gespielt wird das Achtelfinale am 8. und 15. März. „Ich glaube, Neapel hat heute sehr viel richtig gemacht. Sie haben einfach sehr viel Qualität“, sagte RB-Mittelfeldspieler Diego Demme. „Im Großen und Ganzen sind wir einfach froh, dass wir weitergekommen sind.“ Ähnlich sah es Torhüter Péter Gulácsi: „Wir hatten ein Ziel: eine Runde weiterkommen, egal wie! Das haben wir geschafft.“

          Europa League
          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Leipzig enttäuschte in einer Partie, in der die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl nie zu einem geordneten Spiel fand. Der Mannschaft fehlte es an einem geeigneten Plan nach dem Erfolg des Hinspiels – und immer wieder an Präzision im Aufbau. Leipzig hatte es allein seiner Kampfkraft und seinem Willen zu verdanken, am Ende zwar mit einer verdienten Niederlage, aber eben nicht mit leeren Händen dazustehen. Aber die spielerische Schwäche des Teams blieb unübersehbar.

          Die Signale, die vorab aus Neapel kamen, waren alles andere als eindeutig. Stürmer Insigne hatte klar machen wollen, dass die Meisterschaft für ihn und sein Team das „einzige Ziel“ sei. Die Europa League und der Ausflug nach Leipzig nach dem 1:3 im Hinspiel hätten keine große Bedeutung. Er wolle für seine Familie, seine Freunde, Neapel und das ganze Land endlich wieder den italienischen Meistertitel holen. Trainer Maurizio Sarri hingegen, der im Hinspiel auf einige Spieler aus der zweiten Reihe gesetzt hatte, gab sich kämpferisch. „Wir müssen mit der Lust aufs Gewinnen rausgehen und es uns und unseren Fans beweisen. Hoffentlich nehmen die Dinge dann ihren Lauf und wir bekommen noch einmal die Chance, uns für die nächste Runde zu qualifizieren.“

          Schon in den ersten zehn Minuten richtete sich das Team nach den Worten des Trainers. Neapel begann zielstrebig, spielte engagiert und konzentriert. Aber es dauerte nicht lange, bis sich Leipzig vom ersten italienischen Druck befreien konnte, und nach einer Viertelstunde fehlte nicht viel zur Leipziger Führung. Kevin Kampl hatte von der linken Seite auf Marcel Sabitzer geflankt, dessen Volleyschuss Lorenzo Tonelli mit einem Kopfball abwehren wollte, aber den Ball beinahe ins eigene Tor befördert hätte. Der Ball landete an der Latte. Torwart Pepe Reina wäre chancenlos gewesen.

          Zielinski brachte die Italiener in der ersten Halbzeit in Führung.
          Zielinski brachte die Italiener in der ersten Halbzeit in Führung. : Bild: dpa

          Aber anders als im Hinspiel erlahmte der Ehrgeiz des italienischen Tabellenführers diesmal nicht. Neapel traf nach knapp einer halben Stunde nach einem schönen Angriff den Pfosten durch Insigne, allerdings aus Abseitsposition. Nach 32 Minuten kam es, wie es sich angedeutet hatte. Neapel erzielte die 1:0-Führung nach einem ansehnlichen Angriff über die linke Seite. Insigne, der angeblich nur an die italienische Meisterschaft dachte, drang nach einer Kombination über Marek Hamsik und Zielinski in den Strafraum ein. Seinen Schuss konnte Torwart Gulasci gerade noch abwehren, aber Zielinski nutzt den Abpraller aus kurzer Entfernung zur Führung von Neapel. Noch immer fehlten Neapel zwei Tore für den Einzug in die nächste Runde, aber eine erste Leipziger Verunsicherung war zu spüren.

          RB war in der ersten Halbzeit anzumerken, dass die Mannschaft nicht recht wusste, wie sie das Spiel mit der 3:1-Führung aus dem Hinspiel angehen sollte. Nach dem Wechsel ließ Neapel in seinen Bemühungen nicht nach, Leipzig aber hielt dagegen, ohne die Partie jedoch kontrollieren zu können. Im Gegenteil. Die Italiener drängten RB meist in die eigene Hälfte, was Leipzig zwar mehr Raum für Konter eröffnete, aber auch daraus machte die Mannschaft von Trainer Hasenhüttl zu wenig. Es fehlte an Ideen und Durchsetzungskraft – nicht aber am Einsatz. Und das schien auch genug, um Neapel in der zweiten Halbzeit zumindest halbwegs vom eigenen Tor fernzuhalten.

          In den letzten zehn Minuten verstärkte der italienische Tabellenführer dann aber noch einmal den Druck. Der Glaube und der Wille von Neapel, das Achtelfinale doch auf den letzten Drücker erreichen zu können, waren wieder da. In der 82. Minute hatte es die Leipziger noch der Aufmerksamkeit von Dayot Upamecano zu verdanken, dass sie nicht den zweiten Gegentreffer hinnehmen mussten. Der Leipziger Verteidiger rettete in höchster Not vor Dries Mertens. Vier Minuten später aber begann das große Leipziger Zittern. Nach einer Flanke von José Callejon erzielte Insigne gegen eine schläfrige Leipziger Abwehr unbedrängt aus sechs, sieben Metern das 2:0 für Neapel. „Die beiden Gegentore waren fast nicht zu verteidigen und haben gezeigt, was Neapel drauf hat„, sagte Stürmer Poulsen. Aber die letzten Minuten der regulären Spielzeit und auch die knapp fünfminütige Nachspielzeit brachte Leipzig trotz der eigenen Verunsicherung doch noch ohne weiteren Schaden hinter sich. Der Schlusspfiff in einem Spiel, das eigentlich nur eine Pflichtübung für RB hatte sein sollen, erschien den Leipziger dann wie eine Erlösung.

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