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Pietätlose Kampagne des DFB : Nationalspielerin übt Kritik

  • Aktualisiert am

Spielführerin Alexandra Popp entschuldigte sich umgehend für die Kampagne. Bild: dpa

Vor der WM provozierte die Frauen-Nationalmannschaft erfolgreich mit einem Werbeclip. Nun aber ging ein Post gründlich schief. Leider mit einem sehr tragischen Hintergrund.

          Vor der Fußball-WM der Frauen im Juni sorgten die deutschen Fußballerinnen dank eines selbstironischen Werbespots einer Bank noch für positives Aufsehen. Eine eigene Werbekampagne des Deutsche Fußball-Bundes (DFB) für den Auftakt der neuen Bundesliga-Saison im Stil einer Vermisstenanzeige stieß nun auf heftige Kritik. Nationalmannschafts-Spielführerin Alexandra Popp und der DFB baten am Freitag wenige Stunden nach der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken um Entschuldigung. Der Verband hatte in sozialen Medien Porträts von mehreren Spielerinnen, darunter Spielführerin Alexandra Popp und Marina Hegering im Stile einer Vermisstensuchmeldung veröffentlicht mit den Zeilen: „Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen. Bitte teilen.“

          Am 29. Juni war die DFB-Elf bei der WM in Frankreich im Viertelfinale gegen Schweden ausgeschieden. An dem Tag war auch die Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili bei einem Badeunfall im Comer See verunglückt und für vermisst erklärt worden. Drei Tage später war sie tot gefunden worden. Die Schweizer Nationalspielerin Lia Waelti äußerte sich bei Instagram „unfassbar schockiert über die Tatsache, dass dem DFB jedes Mittel recht ist, um an Aufmerksamkeit zu gelangen“. Später löschte die frühere Bundesligaspielerin ihren Eintrag.

          Kritik kam auch aus den eigenen Reihen: Nationalspielerin Melanie Leupolz, die sich wie andere Spielerinnen von Bayern München nicht an der offenbar vom DFB mit der Bitte um einen Tweet durch die Nationalspielerinnen gestarteten Kampagne beteiligt hatte, kommentierte die Aktion recht bissig auf ihrem Instagram-Account. „'Respekt', 'Nachdenken', 'Dinge hinterfragen' und ‚eine eigene Meinung‘ haben sind die Dinge, die bei der Kampagne vermisst werden – nicht die Nationalspielerinnen!“, schrieb sie.

          Der DFB teilte mit: „Unsere Awareness-Kampagne für die Frauen-Bundesliga bezieht sich selbstverständlich nur auf unser letztes WM-Spiel am 29.6. gegen Schweden. Wir wollten damit auf keinen Fall Gefühle verletzen, unsensibel oder respektlos erscheinen. Sollte dies so angekommen sein, tut es uns leid.“ Der Verband hat die beanstandeten Posts mittlerweile gelöscht.

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