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Zweite Bundesliga : Hannovers kuriose Schicksalsgemeinschaft

  • -Aktualisiert am

Mirko Slomka (vorne) bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Hannover 96 zusammen mit Geschäftsführer Martin Kind Bild: dpa

Vor dem Saisonauftakt wirkt Hannover 96 noch unsortiert. Präsident Martin Kind will den Klub wieder wettbewerbsfähig machen – und das ausgerechnet mit einem Duo, das eine unschöne Vorgeschichte verbindet.

          Sein Mobiltelefon ist im Dauerbetrieb. Das Arbeitspensum ist enorm. Jan Schlaudraff merkt in seiner neuen Rolle bei Hannover 96, wie komplex der Job des Sportdirektors ist. Er muss einen Spielerkader grundlegend sanieren und unter Zeitdruck gute Arbeit leisten. An diesem Freitag starten die Niedersachsen mit der Partie bei Mitabsteiger VfB Stuttgart in die neue Saison der Zweiten Fußball-Bundesliga, „Es ist eine Mischung aus Neustart und Konsolidierung“, erklärt der 36 Jahre alte Schlaudraff. Von seinem Geschick bei Transferentscheidungen hängt maßgeblich ab, ob das finanziell angeschlagene Hannover 96 nach dem Abstieg wieder wettbewerbsfähig wird.

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          Wer einen Beleg dafür sucht, wie verrückt die Branche Profifußball sein kann, wird bei der Personalie Schlaudraff fündig. Der frühere Dribbelkünstler und Nationalspieler war nach seiner Zeit bei Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach sowie einem kurzen Intermezzo bei Bayern München für sieben Jahre (2008 bis 2015) bei Hannover 96 unter Vertrag. Was mehrheitlich gut geklappt hat, erreichte zwischenzeitlich eine unschöne Form der Eskalation. Vereinschef Martin Kind hatte Schlaudraff mit brachialer Wucht aussortiert und öffentlich verkündet, dass er nie mehr für Hannover spielen dürfe. Auch Cheftrainer Mirko Slomka mochte ihn am Ende der Karriere kaum noch einsetzen. Dass nun ausgerechnet diese drei Herren in neuer Sortierung wieder eine Schicksalsgemeinschaft bilden, ist mehr als kurios.

          Noch leicht durcheinander vor Saisonstart

          Schlaudraff war eigentlich als Assistent des längst gescheiterten Sportdirektors Horst Heldt vorgesehen. Jetzt hat er das Amt ganz übernommen, ist Slomkas Vorgesetzter und muss etwas reparieren, das in der vergangenen Saison nicht funktioniert hat. Kurz vor dem Saisonstart wirkt das Konstrukt Hannover 96 noch leicht durcheinander. Vom direkten Wiederaufstieg zu sprechen wäre naiv. Schlaudraff darf sich ganz auf das Sportliche konzentrieren, während hinter den Kulissen ein in sich zerstrittener Verein an neuen Strukturen arbeitet. Kind ist von der Spitze des Stammvereins verdrängt worden, leitet aber weiterhin die Geschäfte der für den Profifußball maßgebliche Gesellschaft.

          Welche Buchungsposten genehmigt sind und welche nicht, muss mit ihm besprochen werden. „Wir versuchen als Team, alles so transparent wie möglich zu machen, Herrn Kind umfassend zu informieren und ihn bei allen Themen mitzunehmen“, erklärt Schlaudraff. Es muss die Quadratur des Kreises sein, mit möglichst hohem Tempo und Geschick für Spielerkäufe und -verkäufe zu sorgen, ohne dabei allein entscheiden zu dürfen. Denn das letzte Wort spricht weiterhin Kind.

          Spezieller Auftakt gegen den VfB Stuttgart

          Slomka ist als Trainer nach Hannover zurückgekehrt und weiß, dass dieser Versuch der Wiederbeschäftigung klappen muss. Schlaudraff ist neu in einem Job, der zum Start in einer neuen Position kaum schwieriger sein könnte. Neben Torhüter Ron-Robert Zieler (vom VfB Stuttgart) konnten Marvin Ducksch (Fortuna Düsseldorf), Cedric Teuchert (Schalke 04) und Sebastian Jung (VfL Wolfsburg) nach Hannover gelockt werden. Über die weitere Qualität des Kaders entscheidet das Geschick von Schlaudraff bei angedachten Verkäufen des Brasilianers Wallace oder des Japaners Genki Haraguchi.

          Beide sind Kronzeugen für eine Zeit, in der bei Hannover 96 wenig bis gar nichts zusammengepasst hat. Um solche Personalien kann sich Schlaudraff auch als Novize im Job des Sportdirektors gut kümmern, weil er über ein großes Netzwerk verfügt und Spielertypen gut beurteilen kann. „Für die Hintergründe des Fußballs habe ich mich schon immer interessiert. Als ehemaliger Spieler bringe ich ein besonderes Gefühl für die Mannschaft mit. Als ehemaliger Mitarbeiter der Beratungsagentur SportsTotal kenne ich die andere Seite des Schreibtisches“, meint Schlaudraff.

          Wie gut der Kader von Hannover 96 wirklich zusammenpasst, wird sich schnell zeigen. Für Torhüter Zieler, der den VfB Stuttgart nach dessen Abstieg verlassen hat und jetzt mit Hannover 96 zurückkehrt, ist die Auftaktpartie knifflig. „Das Spiel ist ein spezielles. Alles andere wäre gelogen“, sagt der ehemalige Nationalspieler. Es war Schlaudraff, der Zieler per Du und mit guten Argumenten zum Wechsel überredet hat. Beide sind von der Hoffnung beseelt, dass in Hannover wieder eine Mannschaft entsteht, deren guter Teamgeist fehlende Qualität im Spielerkader ausgleicht.

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