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Fußball in Corona-Zeiten : Jubeln, aber richtig!

Der Trendsetter: Pierre-Emerick Aubameyang wurde einst bestraft. Bild: dpa

Die ganze Welt schaut auf die Bundesliga, schwer lastet der Druck: Schon beim Torjubel fängt es an. Was ist erlaubt, was nicht? Und: Rächen sich nun die Fehler der Vergangenheit?

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          Mal angenommen, sie ziehen es jetzt wirklich durch. Es steckt sich keiner mehr an, jedenfalls grätscht kein Gesundheitsamt dazwischen und bei Vereinen und Fernsehsendern reicht das Geld wenigstens noch bis zum Wochenende. Nehmen wir also an, es ist tatsächlich wieder: Bundesliga. Sicher, es ist nicht die Bundesliga, wie wir sie kennen.

          Wegen der fehlenden Zuschauer. Und ohne Freitagsspiel. Düsseldorf gegen Paderborn zum Auftakt, so viel Normalität hätte noch nicht mal der gründlich desinfizierte chinesische Markt vertragen. Lieber noch einmal länger schlafen, dann schalten alle ein: China, L.A., New York, London, Tokio. Alle wollen Bundesliga, die einzige show on earth. Und damit ja wohl auch die großartigste.

          Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sie auf den Faröer-Inseln auch wieder angefangen haben. Man kann da nur ans Verantwortungsgefühl jedes einzelnen Profis appellieren: Nehmt die Sache ernst. Die Herren müssen sich schon ein wenig Mühe geben. Ansonsten läuft der Chinese plötzlich im Trikot von KÍ Klaksvík durch die Gegend, und hierzulande geht, wahlloses Beispiel ohne tatsächlichen Bezug zur Kapitalausstattung, Schalke 04 das Geld aus, bevor sie bei der DFL ausgerechnet haben, wie viel die Nachholpartien von Dynamo Dresden in Buenos Aires einspielen.

          Man muss nicht drumherum reden: Es wird schwierig. Das zeigt schon der Bericht der Kollegen der „Bild“-Zeitung, nach dem die Profis angehalten sind, beim Torjubel unnötige Umarmungen, ja sogar das Abklatschen mit den Kollegen zu unterlassen. Auweia. Nicht, dass sie in Tokio Mitte der ersten Halbzeit zum Online-Schach umschalten, weil zwar Augsburg gegen Wolfsburg 4:3 führt, dem Japaner aber fad ist, weil gejubelt wird, als sei da gerade die Europameisterschaft 1972 angelaufen.

          Wer nun nach dem erstklassigen Investigativ-Sting von Salomon Kalou in der Hertha-Kabine vergangene Woche auf rebellische Berliner setzt, muss bedenken, dass angesichts des Ärgers über die Gehaltskürzungen kaum sicher erscheint, dass Bruno Labbadia überhaupt elf arbeitswillige Kicker findet. Außerdem hat jede „Sportschau History“-Konserve der letzten Wochen bewiesen, dass Jubel ein Tor voraussetzt. Und im großen Corona-Lockdown-Rätselheft sollte aus der Wörterreihe Bundesliga – Hertha – Tor der unpassende Begriff gestrichen werden.

          Mehr Hoffnung macht da schon die Aussage des Nürnberger Kapitäns Hanno Behrens, der für seine Mannschaft versprach, gewiss wie eh und je jubeln zu wollen. Ob aber das globale Dorf wirklich die zweite Liga auf der Fernbedienung findet? Es bleibt spannend. Einstweilen scheinen sich nun, ausgerechnet vor dem großen Neustart, doch die Fehler der Vergangenheit zu rächen. Damals, vor ziemlich genau drei Jahren, der Fußball war noch reich und unschuldig, hatte Pierre-Emerick Aubameyang für den BVB im Revierderby gegen Schalke getroffen. Sein Klub bat ihn zur Kasse. Weil er sich beim Jubel eine Maske übergezogen hatte. Es waren eben andere Zeiten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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