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Darmstadt-Trainer Grammozis : „Das Menschliche steht an erster Stelle“

  • -Aktualisiert am

Darmstadt-Trainer Dimitrios Grammozis: „Ich definiere mich nicht darüber, dass ich Wert darauf lege, von den Spielern gesiezt zu werden.“ Bild: Florian Ulrich/Jan Huebner

Für Dimitrios Grammozis endet das Kapitel Darmstadt 98 am Sonntag mit dem letzten Saisonspiel. Im Interview spricht der Trainer über seine bewegte Zeit bei den „Lilien“, die Entwicklung des Teams – und seine Trennung vom Klub.

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          Haben Sie Ihre erste Profi-Trainerstation als wilden Ritt empfunden? Rettung vor dem Abstieg in der Vorsaison, in dieser Spielzeit runter auf Rang 17 und dann wieder hoch bis hin zum Aufstiegskampf inklusive gescheiterter Vertragsverhandlungen.

          Es waren auf jeden Fall nie langweilige 16 Monate. Ich habe ein noch besseres Bewusstsein dafür bekommen, wie sich die Dinge im Profibereich entwickeln können und vor allem wie schnelllebig er ist. Es war eine ungeheuer tolle Erfahrung, mich als Cheftrainer auf diesem Niveau beweisen zu können. Mich mit all den positiven und negativen Begebenheiten und Mechanismen auseinanderzusetzen.

          Woran machen Sie Ihre eigene Weiterentwicklung fest?

          Was ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, ist, immer offen zu bleiben. Nur wer sich öffnet, kann die Dinge aufsaugen, die einen weiterbringen. Ich habe auch von den Spielern viel gelernt. Zum Beispiel noch besser einzuschätzen, wer wann wie mit seinen Qualitäten die Mannschaft weiterbringt. An welche Spieler man wie lange glaubt und an ihnen festhält, auch wenn sie mal nicht gut im Spiel sind.

          Wie sehr muss man Alphatier sein in diesem Job?

          Mit dem Begriff kann ich wenig anfangen. Ich definiere mich nicht darüber, dass ich Wert darauf lege, von den Spielern gesiezt zu werden. Wichtig ist, sich als Persönlichkeit gut und authentisch zu präsentieren. Nicht so zu agieren, wenn es gut läuft, und anders in schlechten Phasen. Man arbeitet mit Menschen zusammen – das darf man nie vergessen. Das Menschliche steht bei mir immer an erster Stelle. Ich denke, diese Art des Umgangs durch uns im Trainerteam haben die Spieler zu schätzen gewusst.

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          Wie schwer war es, als Nachfolger des defensiv orientierten Dirk Schuster den Auftrag zu erfüllen, frischeren und offensiveren Fußball am Böllenfalltor zu verankern?

          Dass die Fans beim gewonnenen Heimspiel gegen Heidenheim mitunter jeden Pass in den eigenen Reihen mit Olé-Rufen gefeiert haben, war natürlich sehr schön. Das spiegelt unsere Entwicklung zu mehr Ballbesitzfußball wider. Aber ich tue mich mit Vergleichen immer schwer. Das wird keinem gerecht. Und die Zeit mit Dirk Schuster hier war eine herausragende Erfolgsgeschichte. Ihm nachzufolgen war eine große Herausforderung.

          Der Weg zu flüssigerem und torgefährlicherem Spiel war weit, wenn man sich an die vielen freudlosen Hinrundenpartien erinnert.

          Wir wollten der Mannschaft nach zuvor vielen Gegentoren zum einen wieder defensive Stabilität verleihen, damit sie eine verlässliche Basis hat, auf die sie sich immer berufen kann. Und zum anderen danach eine veränderte Struktur und Variabilität reinbringen. Wir wollten schneller in Ballbesitz kommen und dann mehr Aktivität zeigen, wenn wir ihn haben. Dies zu verwirklichen, das war uns immer klar, benötigt Zeit. Als Trainer Vorstellungen zu haben ist das eine, aber man muss den Weg ja mit der Mannschaft zusammen gehen. Die erfolgreiche Rückrunde hat den Spielern gezeigt, dass es richtig war, diesen Weg mit uns einzuschlagen.

          War der Schlüsselmoment der Saison im Dezember, als Sie die Grundformation in Gänze weiter nach vorne schoben und somit die Statik hin zu mehr Offensive veränderten?

          Es gilt als Trainer die Zeichen der Zeit zu erkennen, wann die Mannschaft reif für den nächsten Schritt ist. Hätten wir ihn zu früh vorgegeben, hätte es wieder Gegentore hageln können. Wäre er zu spät erfolgt, hätten wir vermutlich noch länger Schwierigkeiten gehabt, Torchancen zu kreieren. Entscheidend war, dass die Mannschaft mit der Zeit an unseren Weg geglaubt hat. Das war der Schlüssel zum Erfolg.

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