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Eintracht Frankfurt : Bobic beginnt bescheiden

Im Regen stehen andere: Der neue Eintracht-Vorstandschef Fredi Bobic genießt einstweilen den Schutz von Aufsichtsratschef und Schirmherr Wolfgang Steubing Bild: Helmut Fricke

Dienstantritt des neuen Eintracht-Sportvorstands: Fredi Bobic vermeidet bei seiner Präsentation in Frankfurt Kampfansagen, lobt aber seinen Vorgänger Heribert Bruchhagen. Auch Bruno Hübner erhält Rückendeckung.

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          Die neue Ära startete im Raum „Gold“. Ob damit zugleich goldene Zeiten bei der Eintracht anbrechen, hängt auch von dem Geschick des neuen Sportvorstands Fredi Bobic ab, der am Mittwoch seinen ersten offiziellen Dienst-Tag beim Frankfurter Fußball-Bundesligaverein hatte und sich der Öffentlichkeit stellte.

          Nun also ist es amtlich: Heribert Bruchhagen ist Geschichte, Bobic steht für Gegenwart und Zukunft der Eintracht. Für einen Klub „mit Strahlkraft und Power“, wie das neue Vorstandsmitglied sagte. „Traditionsvereine wie die Eintracht haben unheimliches Potential“, sagte Bobic, der das Glück hat, „einen kerngesunden Verein“ zu übernehmen. Bruchhagen, der einen Monat vor seinem ursprünglichen Dienstzeitende im besten Einvernehmen seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender auflöste und seinem Sport-Nachfolger ein (zu großes) Jacket mit Eintracht-Adler überließ, wurde von Bobic als „Ikone“ bezeichnet. „Es ist ohne Worte, was Heribert Bruchhagen für den Fußball und für die Bundesliga geleistet hat. Es ist mir ein Vorbild“, sagte der 44 Jahre alte Schwabe über seinen Vorgänger, der demnächst in See sticht und auf Kreuzfahrtschiffen im Doppelpass mit Jörg Wontorra über Fußball und die Welt plaudern wird.

          Arbeit am Netzwerk

          In aller Welt – das ist auch Bobic in den vergangenen zwei Jahren nach seiner Zeit beim VfB Stuttgart gewesen. Sein Netzwerk, von dem ab sofort die Eintracht profitieren soll, wurde zwar verfeinert. „Ein Netzwerk kann man aber nie perfekt haben“, sagte Bobic, der erzählte, nach seiner schwäbischen Zeit kurz vor einem Engagement in den Vereinigten Staaten gestanden zu haben. Ein Plan, der sich zerschlug. Ein Job in der Bundesliga, das passt besser in die Vita des 44-Jährigen. Denn dass Bobic nun wieder zurück ist, klingt logisch, „denn die Bundesliga ist mein ganzes Leben, mein Zuhause. Da fühle ich mich wohl“.

          Der Wohlfühlfaktor in neuer hessischer Umgebung wird für Bobic auch maßgeblich vom zukünftigen sportlichen Abschneiden der Eintracht abhängen. Ebenso wie Bruchhagen benutzte Bobic die Formulierung „Mittelfeld ist nicht gleich Mittelmaß“, als er nach der Rolle gefragt wurde, die der Klub zu spielen gedenke. „Es ist ein Erfolg, fester Bestandteil der Bundesliga zu sein“, sagte Bobic – und rief noch einmal in Erinnerung, „dass wir in der Fernsehtabelle und in der ewigen Bundesligatabelle auf Platz zwölf stehen“. Mittelfeld also. Um sich dort zu etablieren, will der neue Sportvorstand eng, vertrauensvoll und in einmütiger Geschlossenheit mit Trainer Niko Kovac und Sportdirektor Bruno Hübner zusammenarbeiten. „Ideen und Strategien arbeiten wir gemeinsam aus“, sagte Bobic. „Es gibt keine Ein-Mann-Entscheidungen. Es müssen Team-Entscheidungen sein“, kündigte Bobic an. „Wir alle wollen für Eintracht Frankfurt das Beste. Deshalb sprechen wir mit einer Zunge.“

          Einarbeitung im Museum: Fredi Bobic erforscht die Geschichte von Eintracht Frankfurt.

          Bobic, der scheinbar ewige Stuttgarter, nun bei der Eintracht? Für die verantwortlichen Herren des Hauptausschusses um Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing, Vereinspräsident Peter Fischer und Aufsichtsrat Philip Holzer, der sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Suche nach einem neuen Sportvorstand beschäftigte und dabei auch eine „international renommierte Personalberatung“ konsultierte, wie Steubing bestätigte, ist dies kein Widerspruch.

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          Im Gegenteil. „Der Aufsichtsrat ist geschlossen der Überzeugung: Fredi Bobic ist der richtige Mann am richtigen Platz“, so Steubing. „Er hat uns ein schlüssiges und nachhaltiges Konzept vorgelegt.“ Eines, das zunächst vorsieht, mit allen unter Vertrag stehenden Lizenzspielern zu sprechen und ihre Perspektiven zu erörtern – bei der Eintracht, aber möglicherweise auch bei anderen Klubs. „Wir werden offen und klar mit ihnen umgehen, ob sie eine Zukunft haben.“

          Bobic will sich Zeit lassen

          „Voller Tatendrang, Euphorie und Spaß“, so Bobic, werde er am neuen Gesicht der Eintracht basteln. Nach seiner Überzeugung braucht er dafür „handlungsschnelle Spieler. Wir wollen Spieler, die wir haben, besser machen. Und wird wollen auch junge Spieler wie Mijat Gacinovic weiterentwickeln. Vielleicht wird die Eintracht für die Jungen zu einem Sprungbrett für den nächsten Entwicklungsschritt“. Mit Armin Kraaz, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, habe es schon erste Gespräche gegeben. Wie sich Bobic überhaupt von dem modernen Areal im Frankfurter Osten „begeistert“ zeigte. „Der Riederwald ist eine tolle Infrastruktur für Eintracht Frankfurt.“

          Namen und Zahlen nannte Bobic naturgemäß nicht. Doch unstrittig ist, dass die Neuausrichtung der Eintracht mit einem Kommen und Gehen verbunden sein wird. Bobic will dabei „nichts überstürzen und sich Zeit lassen“. Zeit, die er durch den geglückten Klassenverbleib über die Relegation gewonnen hat, denn die Bundesliga nimmt erst Ende August, also kurz vor dem Ende der sommerlichen Transferperiode, ihren Spielbetrieb wieder auf. Bis dahin, „das kann ich versprechen“, so Bobic, „werden wir eine konkurrenzfähige Mannschaft aufstellen“. Und weiterhin bestrebt sein, so schnell wie möglich das neue Umfeld und die neuen Mitarbeiter kennenzulernen. Wobei Bobic, der bislang nur bei Traditionsvereinen gespielt und gearbeitet hat, als Teamplayer seine Rolle bei der Eintracht geradezu demütig einordnet: „Du musst dem Verein dienen, denn der ist immer größer als du selbst.“

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