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Krisenklub der Bundesliga : Schalke und die spezielle Strategie mit Retro-Stars

  • -Aktualisiert am

Möglicherweise auch ein Kandidat für den FC Schalke: Julian Draxler, hier 2015 Bild: dpa

Die Liebe der Rückkehrer zum Traditionsverein ist echt – doch funktioniert der letzte Rettungsversuch der Schalker mit den früheren Stars? Klaas-Jan Huntelaar könnte nicht der letzte gewesen sein.

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          Es ist wahrscheinlich eine gute Idee, den Ernst der finsteren Realität beim FC Schalke 04 vor dem Spiel gegen den FC Bayern an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) ein wenig auszublenden und in die Welt der Fiktion einzutauchen. Also sprach Trainer Christian Gross vor dem Start der Rückrunde von „einer neuen Dramaturgie“ und einem „neuen Regieplan“, den er sich für dieses Duell und wohl genauso für die kommenden Monate erhoffe. Im Kino passieren schließlich auch die unwahrscheinlichsten Dinge, Wunder und Sensationen aller Art.

          Bundesliga

          Für eine Portion sentimentalen Kitsch haben sie bereit gesorgt, weil die Sturmlegende Klaas-Jan Huntelaar nach seiner Rückkehr wohl erstmals wieder für Schalke spielen wird. Beim 1:2 des Tabellenletzten gegen den 1. FC Köln am Mittwoch pausierte der 37 Jahre alte Niederländer noch aufgrund von Wadenproblemen. Nun jedoch „sieht es so aus, dass er Fortschritte macht“, sagte Gross am Freitag. „Ich denke, dass er eine gute Option ist für die Bank.“ Und dann sicher auch für eine Einwechslung.

          Anhänger des FC Schalke, die das Comeback an den Bildschirmen miterleben wollen, brauchen allerdings viel Mut. Im Hinspiel war der Revierklub beim 0:8 untergegangen. Seit 2014 haben die Schalker überdies alle Duelle im eigenen Stadion mit dem Bayern verloren, gewonnen haben sie gegen den Rekordmeister zuletzt im Jahr 2010. Da spielte Huntelaar gerade seine erste Saison für die Gelsenkirchener an der Seite des legendären Raúl. Im Tor stand Manuel Neuer, die Fäden im Zentrum zog der spätere Weltstar Ivan Rakitic. Das Kramen in Erinnerungen ist derzeit eine weitverbreitete Beschäftigung unter Schalkern. Zum einen sind die Gedanken an die guten alten Zeiten tröstlich, und zum anderen lässt sich so vielleicht noch die eine oder andere Verstärkung für die Gegenwart aufspüren.

          Spekulationen über weitere Kandidaten

          Neben Huntelaar haben sie ja mit Sead Kolasinac bereits einen weiteren Kultspieler aus besseren Tagen für das Projekt Klassenverbleib zurückgeholt. Über weitere Kandidaten wird spekuliert: Julian Draxler, der bei Paris St-Germain auch unter dem neuen Trainer Mauricio Pochettino nur eine Nebenrolle spielt, wäre sicher eine Verstärkung. Der vereinslose Jefferson Farfán, 36, der zuletzt bei Lokomotive Moskau unter Vertrag stand und dort 2018 viel zu einem überraschenden Meistertitel beitrug, ist wohl nicht mehr tauglich für die Bundesliga. Aber Rafinha soll tatsächlich Gegenstand ernsterer Überlegungen sein, das will jedenfalls die „Sport-Bild“ erfahren haben.

          Die Schalker mussten zuletzt einige Häme für ihre Strategie mit den Retro-Stars ertragen, die Sportvorstand Jochen Schneider nun zum letzten Rettungsversuch für den Traditionsverein gemacht hat. Samir Arabi, der Sportgeschäftsführer vom Konkurrenten Arminia Bielefeld, spottete Anfang der Woche: „Natürlich beobachten wir, was die Konkurrenz macht. Wir haben uns aber noch nicht damit beschäftigt, Ex-Arminen wie Bruno Labbadia oder Stefan Kuntz noch mal vorne reinzustellen. Wir können aktuell noch nichts verkünden, da müssen sie sich etwas gedulden.“

          Die Rückholaktionen mögen ein Akt der Verzweiflung sein. Spieler von einem Wechsel zu überzeugen, die nicht vertraut sind mit dem Schalke-Zauber besserer Tage, sind allerdings nur schwer zu einem Wechsel an diesen nicht mehr attraktiven Bundesligastandort zu bewegen. Nach ersten Eindrücken funktioniert der Plan jedoch ganz gut. Kolasinac war gleich im ersten Spiel Kapitän und führte das Team zu einem 4:0 gegen Hoffenheim.

          Huntelaar musste beim 1:2 gegen Köln noch pausieren, nach seiner kurzen Halbzeitansprache spielte das Team aber mit einer Hingabe, die im Herbst noch undenkbar war. „Schalke ist mein Verein, das geht unter die Haut. Das geht nie mehr weg“, hatte Huntelaar bei seinem Abschied 2017 gesagt. Kolasinac bezeichnete seine Rückkehr als „absolute Herzensangelegenheit“. Und Rafinha, der derzeit bei Olympiakos Piräus spielt, sagte vor wenigen Tagen: „Der Klub ist in meinem Herzen.“

          Die Liebe der Rückkehrer zu Schalke ist echt. Offen ist nun die Frage, ob die positiven Impulse, die Kolasinac, Huntelaar und der neue Trainer Christian Gross geben, eine Chance haben gegen die Schwere, die sich im Jahr 2020 über den ganzen Verein gelegt hat. Ob Erlebnisse wie die Niederlage in der Nachspielzeit gegen Köln vom Mittwoch die fragile Zuversicht schnell wieder zerstören. Gegen den FC Bayern geht es daher nicht nur um Punkte, sondern auch darum, das zarte Pflänzchen der Aufbruchstimmung irgendwie in die nächste Woche hineinzuretten.

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