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FCK gewinnt Zweitliga-Auftakt : Ein echter „Betze-Moment“ in der Nachspielzeit

  • -Aktualisiert am

Siegtreffer in der Nachspielzeit: Der 1.FC Kaiserslautern bejubelt die erfolgreiche Rückkehr in die 2. Bundesliga. Bild: picture alliance/dpa

Dem 1. FC Kaiserslautern gelingt bei der Rückkehr in die zweite Bundesliga ein besonderer Sieg gegen Hannover. Unter anderem, weil die Spieler in der Nachspielzeit gegen den Willen ihres Trainers handeln.

          3 Min.

          Es war natürlich eine besondere Pointe, dass dieser Abend der Rückkehr des 1. FC Kaiserslautern mit einem Moment endete, der auf dem Betzenberg gewissermaßen zur Klub-DNA gehört. Der Treffer in der Nachspielzeit, der dem FCK den 2:1-Erfolg im Auftaktspiel der zweiten Bundesliga über Hannover 96 bescherte, war fast schon eine Prise Kitsch zu viel für ein Spiel, das auch so schon genügend Fußball-romantischen Stoff geboten hatte. Freitagabend, Flutlicht, 40.000 Fans. Atmosphärische Funken, die von der Tribüne auf den Rasen und von dort wieder zurück sprangen. Der „Betze“ bebt, der FCK lebt. Nun zumindest wieder im Fußball-Unterhaus.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          „Lautre is widder do“, hatte zu Spielbeginn in breiter Pfälzischer Mundart auf einem Plakat am Fuße der Westtribüne geprangt. Und es dauerte nicht lange, da machten Fans und Mannschaft klar, was dies für die erste Saison nach vier Jahren Drittliga-Tristesse bedeuten dürfte.

          2. Bundesliga

          Der erste Freistoß in gut 30 Meter Entfernung wurde nach vier Minuten beklatscht wie eine Großchance. Die erste gelungene Grätsche bejubelt wie ein Tor. Und als nach elf Minuten Hannovers Julian Börner ein kleines Zweitliga-Willkommensgeschenk verteilte und den FCK mit einem folgenschweren Rückpass zum 1:0 durch Mike Wunderlich einlud, fühlte sich der Lärm von den Rängen schon nach deutlich mehr an als nach einem vergleichsweise schnöden Führungstreffer im ersten Saisonspiel.

          Mit der „Betze-Mentalität“

          Kaiserslauterns Trainer Dirk Schuster hatte sich im Vorfeld viel Mühe gegeben, auf die seiner Meinung nach außerordentliche Qualität des Gegners hinzuweisen. Während der Pressekonferenz vor dem Spiel hatte er deshalb zwischendurch eine Art Kurz-Steckbrief zu jedem Spieler in Hannovers hypothetischer Startelf formuliert.

          Garniert zumeist mit dem Verweis auf dessen jeweilige Bundesliga-Erfahrung. Was die spielerischen Mittel anging, könne sein Team die Niedersachsen deshalb „nicht toppen“, sagte Schuster. Man hoffe aber, dieser Überlegenheit mit der berühmten „Betze-Mentalität“ begegnen zu können.

          Leidenschaft und Zweikampfhärte

          Als das Spiel dann lief, zeigte sich schnell, dass Schuster mit beiden Annahmen recht hatte. Tatsächlich war Hannover die versiertere Mannschaft und ließ das die Kaiserslauterer besonders in der zweiten Halbzeit auch spüren.

          Der FCK überzeugte dafür mit einem Konzept, das sich wohl von der Kreisliga bis in die Champions League für spielerisch unterlegene Mannschaften bewährt hat: Mit Leidenschaft, Zweikampfhärte und einem sehr schnörkellosen Offensivspiel. „Das, was uns letztes Jahr auch schon ausgemacht hat, haben wir heute auf den Platz gebracht“, fand deshalb auch Torschütze Wunderlich.

          Kraus trifft

          Dass dieser mit ungleichen Waffen ziemlich ausgeglichen geführte Kampf nach dem Treffer von Havard Nielsen (80.) auf ein Unentschieden hinauszulaufen schien, wäre deshalb wohl von den meisten Beteiligten klaglos akzeptiert worden. Doch dann bekam der in den Schlussminuten um Entlastung ringende FCK noch einen Eckball zugesprochen.

          Die Fans des 1. FC Kaiserslautern sorgten für eine besondere Atmosphäre.
          Die Fans des 1. FC Kaiserslautern sorgten für eine besondere Atmosphäre. : Bild: dpa

          Zwar wünschte sich Schuster, „dass wir den kurz ausführen und die Uhr runter ticken lassen“. Stattdessen: Flanke, Kopfball, Fallrückzieher und Innenverteidiger Kevin Kraus, der aus kurzer Distanz den Siegtreffer erzielte (90.+1). „Ich bin natürlich froh, dass sich die Mannschaft gegen die Meinung des Trainers entschieden hat“, sagte Schuster.

          „Glücklich und stolz“

          Das Wort, das er in seinen analytischen Ausführungen zum Spiel mit Abstand am häufigsten verwendete, war allerdings trotzdem: „glücklich“. „Glücklich und stolz“ sei er über einen „glücklichen Sieg“, dank einem „glücklichen Eckball“, der nun „glückliche Zuschauer“ in die Nacht entlasse, sagte Schuster.

          Sport-Geschäftsführer Thomas Hengen war ähnlich bemüht, das emotionale Hochgefühl in den richtigen Kontext zu setzen. „Wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir nicht können“, sagte er. „Wir sind ein Aufsteiger und das hat man heute auch gesehen.“

          Siegtorschütze staubtrocken

          Selbst die Protagonisten der aufwühlenden Schlussminuten klangen kurze Zeit später schon wieder erstaunlich nüchtern. Siegtorschütze Kraus beispielsweise, der wohl am meisten Grund für große Gefühle gehabt hätte, reihte staubtrocken einige Fußballer-Phrasen aneinander und sprach von „drei von 40 Punkten“ gegen den Abstieg, die man nun geholt hätte.

          Torwart Luthe, vor der Saison von Union Berlin zum FCK gewechselt, stellte immerhin fest: „Wenn wir den Blick in die Zukunft richten, muss es für jeden Gegner so unangenehm werden, auf dem Betzenberg zu bestehen. Da wird der Fußball wieder richtig interessant.“

          Und so war es am Ende den Fans vorbehalten, diesen rauschhaften Abend inklusive echtem „Betze-Moment“ in der Nachspielzeit mit einer angemessenen Portion Überschwang zu versehen. Als das Spiel beendet war, schallte es donnernd von den Rängen: „Der FCK ist wieder da.“ Diesmal allerdings ohne Pfälzer Mundart.

          2. Bundesliga

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