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Deutsches Tennis-Problem : Neue junge Frontfrau dringend gesucht

Vielversprechend: Jule Niemeier hinterlässt einen guten Eindruck. Bild: AFP

Von den vier ältesten Teilnehmerinnen in Roland Garros kommen gleich drei aus Deutschland. Und eine Nachfolgerin etwa von Angelique Kerber ist nicht in Sicht.

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          Manche Statistiken machen Mut, manche schrecken ab, und bei anderen kann man es so oder so sehen. Ein Beispiel für Zweischneidigkeit bietet sich, wenn man einen Blick auf die Auflistung der ältesten Spielerinnen beim wichtigsten Sandplatzturnier des Jahres in Paris wirft.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Einerseits erscheint es ermutigend, dass einige Damen auch im Herbst ihrer Profikarriere noch auf höchstem Niveau spielen können. Andererseits ist es aus deutscher Perspektive ernüchternd, dass von den vier ältesten Teilnehmerinnen in Roland Garros drei aus Deutschland kommen.

          Hinter der fast 37 Jahre alten Estin Kaia Kanepi reihen sich Tatjana Maria (wird im August 35), Andrea Petkovic (wird im September 35) und Angelique Kerber (feierte im Januar ihren 34. Geburtstag) ein. Sosehr es aller Ehren wert ist, dass die drei Mittdreißiger aus Bad Saulgau, Darmstadt und Kiel mühelos im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers mithalten können: Es könnte einem auch bange werden um die Zukunft des deutschen Damentennis. Zumal Sabine Lisicki (auch schon bald 33) und Laura Siegemund (kürzlich 34 geworden), die sich nach langen Verletzungspausen wieder zurückkämpfen, auch in die letzte Karrierekurve eingebogen sind.

          Dass die fettesten Jahre im deutschen Damentennis vorbei sind, lässt sich nicht bestreiten. Eine ganze Weile liegt es zurück, dass Kerber drei Grand-Slam-Titel sammelte, Lisicki im Endspiel von Wimbledon stand, Petkovic ins Halbfinale von Paris einzog, Siegemund die US Open im Doppel gewann und alle gemeinsam mit Julia Görges (33 Jahre, schon im Ruhestand) als Fed-Cup-Team für Begeisterung sorgten. Für Erfolge auf der WTA-Tour sind die besten Spielerinnen ihrer Generation allerdings immer noch gut, wie Petkovic im vergangenen Herbst in Cluj-Napoca und Maria und Kerber in den vergangenen Wochen in Bogotá und Straßburg bewiesen haben.

          Entsprechend durchwachsen sieht die Zwischenbilanz der ersten Tage von Paris aus: Siegemund scheiterte in der Qualifikation, Maria in der ersten Runde. Für den Lichtblick am trüben Montag sorgten Petkovic und Kerber, die nacheinander in die zweite Runde einzogen. Petovic gewann 6:4 und 6:2 gegen die Französin Oceane Dodin. „Ich bin froh, dass ich in meinem Alter die Mädels noch überraschen oder sie ärgern kann“, sagte die Darmstädterin. Zunehmend macht ihr allerdings der Körper einen Strich durch die Rechnung. Weil es immer wieder hier und da zwickt, „ist es mental schwierig, die Pläne anzupassen und nicht mehr so hart wie gewohnt zu arbeiten“, sagte die Weltranglisten-65. Angelique Kerber besiegte die Polin Magdalena Frech nach zweieinhalb Stunden Spielzeit und der Abwehr von zwei Matchbällen 2:6, 6:3, 7:5.

          Spielerinnen Ende zwanzig fehlen

          Die große Frage ist, wer es richten soll, wenn Petkovic irgendwann nur noch Bücher schreibt oder im Fernsehen moderiert, Kerber die Leitung des Bad Homburger Rasenturniers übernimmt und Maria sich noch mehr Zeit für ihre zwei Kinder nimmt. Was fehlt, sind Spielerinnen, die Mitte bis Ende zwanzig sind und für einen sanften Übergang zur folgenden Generation der Teenager und jungen Twens sorgen können. Annika Beck und Carina Witthöft, einst hoffnungsvolle Talente, haben inzwischen anderes im Sinn, als Tag für Tag einer gelben Filzkugel hinterherzujagen. Anna-Lena Friedsam wird immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.

          Also müssen die noch jüngeren Damen ran; jene, die der Deutsche Tennis Bund im Porsche Talent Team versammelt. Allen voran die 21 Jahre alte Jule Niemeier, die in Paris bei ihrem Grand-Slam-Debüt angedeutet hat, dass Größeres von ihr erwartet werden darf. Zwar unterlag sie zum Auftakt der Amerikanerin Sloane Stephens. Doch lag die Dreisatzniederlage gegen die US-Open-Siegerin von 2017 mehr an einer Oberschenkelblessur Niemeiers als am unterschiedlichen Leistungsvermögen. „Das Match hat mir gezeigt, dass ich das Level habe, solche Spielerinnen zu schlagen“, sagte die Dortmunderin, die kürzlich unter die besten hundert der Welt vorstieß.

          Neben Niemeier ruhen die Hoffnungen auf Eva Lys (20) sowie Nastasja Schunk (18), die an diesem Dienstag gegen die Wimbledon- und French-Open-Siegerin Simona Halep ihr Grand-Slam-Debüt gibt. „Da haben wir drei Mädels, die in Zukunft für Furore sorgen können“, sagt Petkovic. So ist Niemeier nicht nur mit einem ansehnlichen Schlagrepertoire gesegnet, sondern auch mit Selbstvertrauen. Schon nach ihrem ersten Grand-Slam-Match sprach sie davon, künftig die zweite Turnierwoche erreichen zu wollen. Als Nachfolgerin von Kerber & Co. und Frontfrau der jungen Wilden verspüre sie „keinen Bammel“, sagt Niemeier: Für mich ist es etwas Positives, damit in Verbindung gebracht zu werden.“ Vielleicht tauchen in den Tennis-Hitlisten ja künftig auch wieder junge deutsche Damen auf.

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