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Schmiergeldprozess in München : „Ecclestone wollte lieber in einer Benzinlache sterben“

Gerhard Gribkowsy Bild: AFP

Im Schmiergeldprozess gegen Formel-1-Boss Ecclestone legt Banker Gribkowsky nach. Am zweiten Tag seiner Zeugenvernehmung geht es um 80 Millionen Dollar, Ecclestones Nähe zum Polizeipräsidenten von Singapur und eine „Benzinlache“.

          Bei seinem ersten Wiedersehen mit dem Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat der Zeuge Gerhard Gribkowsky den Angeklagten am vergangenen Freitag schwer belastet. Nun, am zweiten Tag seiner Zeugenaussage, legte Gribkowsky in dem Schmiergeldprozess vor dem Münchner Landgericht nach.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Ausführlich berichtete der ehemalige Vorstand der Bayern LB von einem ersten angeblichen Bestechungsversuch durch Ecclestone in Singapur. Damals, im Jahr 2004, soll ihm Ecclestone 80 Millionen Dollar geboten haben. Ecclestone habe ihm damals zu verstehen gegeben, Singapur sei „der letzte sichere Hafen“, um Geld zu verstecken, der Brite kenne dort den Polizeipräsidenten.

          Gribkowsky schlug diese Offerte damals noch aus, sprach gegenüber dem Vorsitzenden Richter von einem „Verführungsversuch“. „Ich habe das nicht ernst genommen, es erschien mir dubios und ich wollte auch gar kein Geld verstecken.“

          Erst ein Jahr später, an der Rennstrecke in Bahrein, kam es Gibkowsky zufolge zu der Abmachung zwischen den beiden. „Das Angebot von Bahrein war viel realistischer“, sagte Gribkowsky. Laut Anklage flossen nach dem Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayern LB insgesamt 44 Millionen Dollar, für die sich Ecclestone wegen Bestechung in einem besonders schweren Fall verantworten muss.

          Gribkowsky, der das Geld über Umwege aus Steuerparadiesen erhalten hatte, wurde deshalb bereits zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 53 Jahre alte Banker sitzt seine Strafe im offenen Vollzug ab. Die Auseinandersetzung mit seiner Geschichte sei „mühsam und schmerzhaft“, sagte er, es falle ihm schwer, sich damit zu beschäftigen.

          Bernie Ecclestone

          Richter Peter Noll stellte im weiteren Handlungsverlauf eine einfache Frage mit Nachdruck: „Warum musste Herr Ecclestone Sie bestechen?“ Warum musste der Formel-1-Boss überhaupt noch mit Geld nachhelfen, wenn Gribkowsky als damaliger Verhandlungsführer der Bayern LB sowieso schon geneigt gewesen sei, die Anteile im Sinne Ecclestones zu verkaufen?

          Die Antwort von Gribkowsky ist ebenso einfach: Ecclestone habe befürchten müssen, dass er seiner Bank von einem Verkauf der Formel 1 abrate. Dass er im Gegenzug Ecclestone erpresst habe, bestritt Gribkowsky abermals. Man habe in den Verhandlungen Druck ausgeübt, mehr aber auch nicht. Das sei auch so im Vorstand und Verwaltungsrat der Bayern LB besprochen worden.

          Briten interessieren sich für Gribkowsky

          Gribkowsky ist derweil nicht nur für die Richter in München ein wichtiger Zeuge. Auch die britischen Finanzbehörden interessieren sich offenbar für den Briten. Wie Gribkowsky am Dienstag erzählte, haben ihn die britischen Behörden vor einigen Wochen zum Interview gebeten. Dabei sei es um seine Informationen über die Bambino-Familienstiftung von Ecclestone gegangen, in die der Milliärdär sein Vermögen eingebracht hatte.

          Gribkowsky soll Ecclestone im Jahr 2006 damit gedroht haben, die Behörden über die Konstruktion der Stiftung zu informieren, was für Ecclestone hohe Steuernachzahlungen hätte zur Folge haben können. Deshalb habe er dem Banker Millionen gezahlt. Gribkowsky sah die Zahlung hingegen als Bestechungsgeld. Bei seinem Gespräch in England sei er dem Bild des „bösen Erpressers“ auch gleich entgegengetreten.

          „Keine anderen Götter neben dir“

          Ecclestone wollte nach Ansicht Gribkowskys beim Besitzerwechsel der Rennserie im Jahr 2006 um jeden Preis seinen Chefposten behalten. Ecclestone habe damals gesagt, er wolle „lieber in einer Benzinlache sterben“ als seinen Job an der Spitze zu räumen, sagte Gribkowsky. Ihm und seinen Mitarbeitern in der Landesbank sei klar gewesen, dass für Ecclestone das Motto galt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir in der Formel 1.“

          Ecclestones Verteidiger protestierten umgehend gegen die Aussage. Den Satz von der Benzinlache könne Ecclestone gar nicht so gesagt haben, da er kein Deutsch spreche. Sie forderten Gribkowsky auf, das Zitat aus der Erinnerung auf Englisch zu wiederholen, was der Richter aber zunächst nicht zuließ, da keine Dolmetscherin für die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche im Saal war.

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