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Formel-1-Frust bei Vettel : Alles riskiert, viel verloren

Nicht sein Wochenende: Sebastian Vettel (links). Bild: Reuters

Sebastian Vettel erlebt ein verkorkstes Wochenende bei der Formel 1 in Japan. Nach einem selbst verschuldeten Unfall wird die kleine Chance auf den WM-Titel noch kleiner. Entsprechend groß ist der Frust.

          Schon wieder Max Verstappen. Alle paar Rennen kommen sich der Niederländer und Sebastian Vettel auf der Piste zu nahe. Dann fliegen die Fetzen. Am Sonntag erlebte der Ferrari-Pilot den wohl bittersten Moment in dieser destruktiven Beziehung. In der achten Runde des Großen Preises von Japan endete sein schwungvolles Überholmanöver mit einem Dreher, dem Rückfall von Rang vier auf den letzten Platz.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vettel wurde zwar noch Sechster, fuhr gar die schnellste Runde. Aber weil Lewis Hamilton an der Spitze so einsam wie ungefährdet zu seinem 71. Grand-Prix-Sieg rauschte, erscheint der Kampf um den Fahrertitel der Formel 1 nur noch als Formalie. Falls der Brite im Mercedes beim viertletzten Rennen der Saison in Austin acht Punkte mehr gewinnt als sein Rivale im Ferrari, wird er Weltmeister. Dann zum fünften Mal mit einem Alleinvertretungsrecht im Fahrerfeld: Hamilton wäre der Erste, seit dies Michael Schumacher 2002 gelang.

          Verstappen berührt die Aussicht auf das beschleunigte Ende des Titelkampfes 2018 nicht im Geringsten. Als nach dem unterhaltsamen Rennen auch die Wortfetzen flogen, versuchte er mit einem Grundsatzurteil Vettel aus dem Rennen um die Deutungshoheit der zentralen Szene zu nehmen: „An dieser Stelle kann man nicht überholen.“ Die sogenannte „Spoon-Kurve“ krümmt sich stark nach links. Die Anfahrt lädt nicht zu einer Attacke ein; schon gar nicht vorbei an Verstappen. Dessen vergleichsweise junge Karriere ist geprägt von spektakulären Angriffs- wie Verteidigungsmomenten. Alle ließen erkennen, was den Red-Bull-Piloten vorantreibt: Kompromisslosigkeit. Verstappen ergänzt sie hin und wieder mit eine relativen exklusiven Wahrnehmung von Gegner und Lage. Als er nach einem Bremsfehler zu Beginn des Rennens die Piste verlassen musste und bei der Rückkehr den dicht folgenden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen von der Piste drehte, versuchte er, dem Weltmeister von 2007 mit Verkehrserziehung zu distanzieren: „Er hätte warten können.“

          Formel 1

          Warten, abwarten, Geduld haben? Das Thema Zurückhaltung bestimmte am Sonntag die Diskussion über verpasste Chancen auf der Piste unter Spitzenpiloten, die zwar vieles können, aber nur selten bedachtsam zögern. Verstappen hat zur Freude des Publikums bislang wenig Neigung dazu erkennen lassen. Und Vettel ist auch keiner, der anderen bei Vollgas vornehm den Vortritt lässt. Ihre Vollkontaktbegegnungen seit 2016 lassen sich nicht an einer Hand abzählen. Da kommen zwei nicht ungeschoren aneinander vorbei, so dick sind die Köpfe. Immer sieht einer eine Lücke und der andere nicht einen Spalt. Rumms.

          Im Frühjahr räumte Verstappen beim Großen Preis von China Vettel samt Ferrari ab, als er, die Chance auf einen Sieg spürend, für einen Moment unkontrolliert durchs Feld pflügte. „So war das jetzt bei mir“, behauptete Verstappen. Das Fachmagazin „Auto Motor und Sport“ schrieb von einer „getrübten Wahrnehmung“. Die Bilder sprechen für einen partiellen Knick in der Optik. Auf einem Video des Crashs in China lässt sich erkennen, dass Vettel bis zum Aufprall nichts ahnte, ihn jedenfalls nicht verhindern konnte. In Japan aber wusste Verstappen, was auf ihn zukam, als er nur noch mit der Vorderachse vor dem Ferrari lag: „Ich habe ihm so viel Platz wie möglich gelassen.“ Vettel behauptete das Gegenteil. Die Cockpitkamera zeigt das Einlenken Verstappens auf der Außenbahn. Bis zum ersten Kontakt mit den Vorderrädern bleibt das Lenkrad unverändert eingeschlagen. Da fuhr Vettel schon auf dem Randstein neben der Grasnabe.

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