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Biathletin Hammerschmidt : Selfies vom Weltcup-Treppchen

Gute Stimmung: Laura Dahlmeier und Maren Hammerschmidt feiern ihren Doppelsieg in der Verfolgung am vergangenen Samstag. Bild: AP

Maren Hammerschmidt kann noch nicht lange auf große Erfolge zurückblicken. Doch im Biathlon-Weltcup hat sie den Weg aus dem Wald heraus nun gefunden. Es ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit – und vieler Rückschläge.

          Das musste einfach sein. Für sich – und für die Facebook-Gemeinde. Um zu dokumentieren, dass das kein Traum, sondern tatsächlich passiert war. Also zückte Maren Hammerschmidt nach der Pressekonferenz ihr Handy und bat Gabriela Soukalova zum Selfie. Arm in Arm mit der Biathlon-Prominenz – die 26 Jahre alte Tschechin hat immerhin schon zwei olympische Silbermedaillen und einen Weltmeistertitel in ihrer Sammlung, gehört seit drei Jahren zur Weltspitze und führt derzeit in der Gesamtwertung. Maren Hammerschmidt ist zwar neun Tage älter, aber was ihre Meriten im Weltcup angeht, kann sie die auf ein einziges Wochenende reduzieren. Auf das „Hammer-Wochenende“ in Hochfilzen, wie sie das selbst nennt: Zweite im Sprint, Zweite in der Verfolgung, Zweite mit der Staffel – stets vor Frau Soukalova. Da ist es schnell vorbei mit der Anonymität. Und man ist mit einem Mal gefragt. Aber genau das hat Maren Hammerschmidt ja gewollt. Darauf hat sie lange genug hingearbeitet.

          „Ich wusste, dass ich um einiges besser drauf bin als die Jahre zuvor. Dass es gleich so gut klappt, hätte ich nicht gedacht.“ Aber es wirkt wie ein Adrenalinschub. „Wenn man einmal gemerkt hat, man kann vorne mitlaufen, man kann so schießen wie die Superstars, das pusht unheimlich.“ Aber weil Maren Hammerschmidt trotzdem nicht recht erklären kann, warum es ausgerechnet jetzt so wunderbar läuft, muss Bundestrainer Gerald Hönig versuchen, die Frage zu beantworten, weshalb eine, die nie über sporadische Einsätze im Weltcup hinausgekommen ist, plötzlich förmlich explodiert. Wobei er zugibt, dass man nicht immer alles punktgenau erklären kann. Dennoch kommt dieser Auftritt für ihn nur insofern überraschend, als mit einem Spitzenplatz nicht unbedingt zu rechnen war. Mit einem Durchbruch schon.

          Familiäre Biathlon-Prägung

          Dass Maren Hammerschmidt Talent hat, weiß man spätestens seit 2010, als sie Junioren-Weltmeisterin im Sprint wurde. Dann kamen, vor drei Jahren, die ersten Einsätze im Weltcup, aber noch ehe die Karriere Fahrt aufnahm, setzte es Rückschläge: Krankheiten, Verletzungen. Die Folge: Stagnation, zwei Jahre lang, und jede Menge Frustration. „Eine schwere Zeit“, sagt Maren Hammerschmidt. Alpencup und IBU-Cup statt Weltcup und WM. Irgendwo im Wald statt auf der großen Fernsehbühne. Ein Motivationskiller. „Aber die Ergebnisse zeigen mir, dass es sich gelohnt hat, immer weiter am Ball zu bleiben.“ Von null auf hundert, das schaffen ohnehin nur ganz wenige. Die meisten müssen irgendwann durch ein Tief, um zu wachsen. „Ich finde das oft sogar wichtig, um bodenständig zu bleiben und solide, konsequent und professionell weiterzuarbeiten“, sagt Hönig. Aber viele geben auf.

          Maren Hammerschmidt kennt das aus ihrer eigenen Familie. Einst sind sie als die Hammerschmidt-Zwillinge durch die damals noch kleine Biathlon-Welt gezogen, sie und ihre Schwester Janin. Geboren im hessischen Städtchen Frankenberg, dann der besseren Bedingungen wegen ins Sauerland zum SK Winterberg und an den dortigen Stützpunkt gewechselt, und als der auch zu klein wurde, 2010 ins Chiemgau nach Ruhpolding, dorthin, wo die Elite trainiert. Janin hat 2013 aufgehört, weil sie nach einer schweren Knieoperation nicht mehr auf die Beine kam. Auch Marens Freund hat Biathlon gemacht, inzwischen studiert er. „Und jetzt ist er richtig stolz auf mich.“ Weil sie durchgehalten hat. Ganz auf Biathlon fokussiert – in der Wohngemeinschaft mit Teamkollegin Vanessa Hinz. Essen, schlafen, trainieren. Viel Freizeit bleibt da nicht. Mal ins Kino, mal mit ihrer Langlauf-Freundin Denise Herrmann zum Shoppen nach Salzburg, mal zusammen kochen.

          Zukunft zeigt, ob sich Erfolge bestätigen werden

          Aber jetzt erntet sie die Früchte ihrer Beharrlichkeit. Ohne im Training groß etwas zu verändern. Dennoch hat Disziplintrainer Tobias Reiter schon im Mai festgestellt. „Bei der Maren tut sich was.“ Und das lässt sich in einer Trainingsgruppe mit den Staffel-Weltmeisterinnen Franziska Preuß und Vanessa Hinz ja leicht beurteilen. Zuerst im Laufen, dann mit ein paar Monaten Verzögerung auch am Schießstand. Und sie hat sich einen der drei freien Plätze im Weltcup-Team erkämpft. Schon das war ein Erfolg. Zum Saisonstart in Östersund lief es noch durchwachsen, dann kam das „Hammer-Wochenende“. Was dem Bundestrainer besonders imponiert hat, ist ihre mentale Stärke. „So ein zweiter Platz im Sprint, der rutscht schon mal raus, aber das einen Tag später in dem schweren Verfolger mit viermal Schießen gegen die Weltspitze zu bestätigen war schon so eine Art Ritterschlag“, sagt er. Da sei nun in Hochfilzen wohl „ein kleiner Stern aufgegangen“.

          Maren Hammerschmidt – auf der Sonnenseite des Biathlons.

          Wie lange und wie intensiv er am Biathlon-Himmel leuchtet, wird sich zeigen. Maren Hammerschmidt ist jedenfalls erst einmal froh, dass „ich jetzt endlich dort angekommen bin, wo ich seit Jahren sein wollte“. Und sie will schon an diesem Freitag, wenn der Sprint im slowenischen Biathlonzentrum Pokljuka auf dem Programm steht, zeigen, dass ihr großer Auftritt in Hochfilzen kein Zufall war. Es klingt jedenfalls ziemlich selbstbewusst, wenn sie sagt: „Die Strecken hier sind sehr anspruchsvoll und taugen mir total.“ Maren Hammerschmidt kennt sie noch aus dem IBU- und Alpencup. Aber das Kapitel ist jetzt vorbei. Vorerst wenigstens.

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