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Groteske Eisschnelllauf-Krise : Pechsteins Freund soll Präsident werden

  • Aktualisiert am

Will Verantwortung übernehmen, stößt aber auf Widerstand: Claudia Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große Bild: dpa

Eisschnellläuferin Pechstein gewinnt mit 47 Jahren ihren 38. deutschen Meistertitel und schlägt ihren Lebensgefährten als Verbands-Präsidenten vor. Bundestrainer Bouwman hält die Idee für absurd.

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          Claudia Pechstein hat ihren Rekord bei deutschen Meisterschaften mit Eisschnelllauf-Titel Nummer 38 ausgebaut. Die 47 Jahre alte Berlinerin kam an diesem Freitag beim nationalen Titelkampf in Inzell über 3000 Meter auf gute 4:05,57 Minuten und verwies Roxanne Dufter aus Inzell mit mehr als vier Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. „Die Zeit stimmt mich froh, denn ich war noch ein wenig schneller als beim Saisoneinstieg. Der 38. Titel macht mich einfach nur stolz“, meinte Pechstein, die drei weitere Starts am Wochenende plant.

          Ihr Lebensgefährte Matthias Große will unterdessen die von einer Krise in die nächste taumelnde Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) als Präsident „vor dem drohenden Untergang“ retten. Der Berliner Immobilien-Unternehmer erklärte: „Dieser Verband hat so viele Verbindlichkeiten. Man weiß nicht einmal, ob sie nicht schon hätten Insolvenz anmelden müssen. Es geht einfach nicht so weiter. Die leben wie die Fürsten und haben gar kein Geld. Ich will Flagge zeigen.“

          Der überraschende Rücktritt der Präsidentin Stefanie Teeuwen hatte einen Tag vor den deutschen Meisterschaften ein düsteres Bild auf den nach dem Rückzug des Hauptsponsors DKB finanziell am Boden liegenden Verband geworfen. „Die Finanzsituation ist schwierig, aber wir stehen nicht vor der Pleite. Aber 400.000 Euro zu ersetzen, ist nicht einfach“, erklärte DESG-Schatzmeister Dieter Wallisch. Der Pensionär aus München ist neben Vizepräsident Uwe Rietzke das einzig noch verbliebene Präsidiums-Mitglied, nachdem vor einigen Wochen auch Vizepräsident Hubert Graf aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte.

          Überraschend zurückgetreten: Eisschnelllauf-Präsidentin Stefanie Teeuwen

          „Ein Rücktritt der Präsidentin einen Tag vor der Eisschnelllauf-Saison ist so was von unprofessionell. Es sei denn, es ist ihr persönliches Leid widerfahren“, kritisierte Große. Teeuwen hat bisher keine Gründe für ihren Rückzug genannt. Neben den akuten Finanzproblemen könnte auch die fehlende Rückendeckung durch Präsidium und Trainerteam den Ausschlag gegeben haben. „Sie hatte einfach keine Standing im Verband“, sagte der Berliner Stützpunkt-Trainer Uwe Hüttenrauch.

          Dem überraschenden Rücktritt der Verbandspräsidentin war prompt der Vorschlag von Claudia Pechstein gefolgt. Via Facebook machte sie sich für ihren Freund stark, den Berliner Unternehmer Große, und verkaufte ihn als einzig logischen Kandidaten. Große kündigte schon einmal an, wenn er Verantwortung übernähme, würde er den Verband „komplett durchrütteln“. Man müsse jetzt handeln, sonst werde „es den Verband 2022 nicht mehr geben“, prognostizierte er.

          „Die Situation destabilisiert die aktuelle Verbandssituation weiter“, konstatierte auch Teeuwens Amts-Vorgänger Gerd Heinze aus Berlin. Er hält personelle Diskussionen aber für verfrüht. „Mit zwei Präsidiumsmitgliedern sind wir noch geschäftsfähig“, sagte auch Schatzmeister Wallisch. Er hält es für möglich, dass eines der Präsidiumsmitglieder kommissarisch bis zur nächsten Wahl das Chef-Amt übernimmt.

          DESG-Sportdirektor Matthias Kulik gibt sich diplomatisch. „Es geht hier um politische Entscheidungen im Sinne des Verbandes. Deshalb will ich ganz zurückhaltend reagieren.“ Pechsteins Vorschlag hatte unter den Trainern Kopfschütteln ausgelöst. „Das kann ich nicht ernst nehmen. Das ist genau so unrealistisch, als würde ich meine Frau für das Präsidentenamt vorschlagen“, sagte Bundestrainer Erik Bouwman.

          Der Niederländer war zuvor von Pechstein wegen ihrer Ausbootung aus seiner Trainingsgruppe hart kritisiert worden. Pechstein hatte von ihm eine Entschuldigung verlangt, die er aber ablehnte: „Wofür? Ich habe keine Probleme mit Claudia.“

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