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Biathletin Franziska Preuß : Das unverzichtbare Sorgenkind

Eine, auf die man eigentlich nicht verzichten kann: Franziska Preuß. Bild: dpa

Franziska Preuß ist perspektivisch die Nummer zwei im deutschen Biathlonteam - sofern sie gesund bleibt und das Vertrauen in ihren Körper nicht verliert. Doch es gibt immer diese blöden Geschichten.

          Jetzt kann sie wieder lächeln. Ja klar, die Beine haben gezittert, die Lunge hat gebrannt auf der Strecke, und sie war „unheimlich aufgeregt“ bei ihrer Rückkehr in den Weltcup. Aber jetzt ist sie wieder mittendrin. Noch dazu beim Heimspiel in Ruhpolding. „Natürlich war das etwas Besonderes. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass mir die Trainer so vertrauen. Und dann auch noch der Staffelsieg - schöner könnte es nicht sein“, sagt Franziska Preuß.

          Die junge Biathletin aus Bayern war das Sorgenkind im deutschen Team. Eine, auf die man eigentlich nicht verzichten kann. Schon gar nicht bei einer Weltmeisterschaft. Eine, die perspektivisch hinter Laura Dahlmeier die Nummer zwei ist - sofern sie gesund bleibt: dreimal Gold bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2012, Junioren-Weltmeisterin 2013, ein Jahr nach dem missratenen Olympia-Debüt in Sotschi WM-Gold mit der Staffel, Silber im Massenstart, drei Podestplätze im Weltcup, silberne Kristallkugel für den Sieg in der Massenstart-Gesamtwertung. Und ihre Plazierungen im Gesamt-Weltcup (Neunte in der Saison 14/15, Zwölfte 15/16) geben ihr wahres Leistungsbild nur ungenügend wieder. „Weil halt immer wieder was ist“, wie Franziska Preuß es formuliert.

          Diesmal war es ein hartnäckiger grippaler Infekt, der sie ihrer Energie beraubte, sie nächtelang nicht richtig schlafen ließ, „weil ich keine Luft gekriegt habe“. Frustiert sei sie gewesen in den vergangenen Wochen, „schlecht drauf“. Weil auf jeden Hoffnungsschimmer prompt der Rückschlag folgte. „Mal geht es, dann liegst du wieder flach.“ Dann kam Biathlon auf Schalke, und Franziska Preuß, die dort mit ihrem Freund Simon Schempp antreten wollte, musste schweren Herzens verzichten.

          Immer diese blöden Geschichten

          Selbst beim Weltcup in Oberhof reichte es nicht einmal für die Minimallösung. „Ich wollte eigentlich noch zum Massenstart rauffahren, aber dann ist die Nase wieder zugegangen“, sagt sie - Start sinnlos. Wobei sie einräumt: „Vor zwei Jahren wäre ich wahrscheinlich gefahren, aber man wird ja vernünftiger mit der Zeit.“ Eine schöne Erkenntnis für eine, die mit 22 Jahren die Jüngste im deutschen Team ist. Es war ja nicht der grippale Infekt allein, der ihr die bisherige Saison verdorben hat.

          Schon beim Weltcup in Pokljuka hatten sie Magen-Darm-Probleme lahmgelegt. „Es ist hart, wenn man immer zuschauen muss“, sagt Franziska Preuß, die deshalb nur sechs von elf Saisonrennen bestreiten konnte. So etwas zehrt. Und das Schlimmste: „Man verliert das Vertrauen in seinen eigenen Körper.“ Es ist ja nicht das erste Mal, dass sie derart gebeutelt wird. Manchmal fragt sich Franziska Preuß deshalb ganz grundsätzlich, „was ich falsch mache im Leben“. Immer diese blöden Geschichten.

          Immer diese blöden Geschichten: Wegen einer Avocado konnte sie fünf Wochen nicht schießen.

          Besonders die Sache mit der Avocado findet sie „dumm und sinnlos“. Beim Aufschneiden ist sie mit dem Messer abgerutscht und hat - natürlich - die Daumensehne erwischt: Fünf Wochen war kein vernünftiges Schießtraining möglich. Das war im September 2015. Im Dezember erwischte es sie beim Weltcup-Auftakt in Östersund in einer Abfahrt. Die Diagnose - Haarriss im Steißbein - kam leider erst Wochen später. Da reichte es nicht einmal für Ruhpolding. Auch diesmal war es eine harte Zeit, eine Zeit, in der Franziska Preuß zumindest kurzzeitig ihre Felle in Richtung WM in vier Wochen wegschwimmen sah. „Aber meine Eltern haben mich aufgebaut. Und der Simon, der hat mir gut zugeredet.“

          Schempp, der beste deutsche Skijäger, ist bekanntlich auch nicht gerade mit einer eisernen Gesundheit gesegnet, obwohl er in dieser Saison seine Schwachstelle bislang im Griff hat und Trost spenden kann. „Das hat mir gutgetan, weil ich weiß, dass der Simon das auch an Leib und Seele durchgemacht hat und weiß, was das bedeutet. Das war schon aufbauend“, sagt Franziska Preuß. Aber natürlich gibt es auch Nachteile bei so einem Sportler-Paar, wenn die eine krank ist und der andere unbedingt gesund bleiben muss.

          Auf die Frage: Geht man sich dann aus dem Weg? antwortet Franziska Preuß mit traurigem Blick: „Ja, leider. Jeder Sportler weiß das auch. Und ich verstehe das auch.“ Diese Zeit ist vorbei, und nicht nur deshalb ist jetzt kein Platz mehr für düstere Gedanken. Natürlich hat sich Franziska Preuß den Kopf zerbrochen, „was ich in Zukunft tun kann, damit so etwas nicht wieder passiert“, aber jetzt geht der Blick erst mal in Richtung WM. „Natürlich ist es ein Traum, da zu starten, und es sind ja noch ein paar Rennen bis dahin“ sagt sie. Und was diese dummen Geschichten angeht, hat sie die Erfahrung gemacht: „Sobald es wieder läuft und der Alltag kommt, ist alles gleich wieder vergessen.“

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