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Eishockey : Bei der DEG wird wieder gelacht

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Auf Kurs: Die Düsseldorfer EG spielt oben mit. Bild: dpa

Ein Serienmeister früherer Jahre ist wieder da: Die Düsseldorfer EG gehört in dieser Saison zu den Spitzenteams der Deutschen Eishockey Liga – nicht zuletzt dank Trainer Harold Kreis.

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          Das vergangene Frühjahr war kein einfaches für die Düsseldorfer EG. Während der Großteil der Deutschen Eishockey Liga gerade dabei war, der olympischen Silbermedaille mehr Ticketverkäufe folgen zu lassen, schauten die Rheinländer vom Sofa aus zu. Zum zweiten Mal in Folge hatten sie die Play-offs verpasst. Die Laune war entsprechend. Also lud der Klub seine Fans zur großen Aussprache mit Geschäftsführer Stefan Adam und Manager Niki Mondt. Man wolle „jede Menge Erläuterungen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ liefern, hieß es. Und das taten Adam und Mondt dann auch. Frei nach dem Motto: Auch wir sind nicht zufrieden, aber vertraut uns, bald wird alles besser.

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          Vor einigen Wochen hat sich der Geschäftsführer wieder zur Lage geäußert. Dieses Mal musste er nicht um Entschuldigung bitten, vielmehr versuchte Adam, die Begeisterung nicht zu groß werden zu lassen. Zwar hat der ehemalige Handballprofi und -manager kein Problem damit, dass der Zuschauerschnitt auf mehr als 8000 pro Spiel gestiegen ist und er fast wöchentlich neue Sponsoren vorstellen kann, aber ganz geheuer ist dem 45-Jährigen der Höhenflug bis auf Rang drei nicht. „Wir sind kein Überteam“, sagte Adam, der vermeiden will, dass die Erwartungen zu sehr steigen. Nicht, dass hinterher von einer Enttäuschung gesprochen wird, wenn in den Play-offs früh Schluss ist. Allein das Erreichen der Endrunde sei nach den erfolglosen Vorjahren viel wert.

          Die Tabelle aber führt die Düsseldorfer EG als Spitzenteam mit guten Perspektiven an. Der 1:0-Erfolg am Mittwoch in Schwenningen war der 21. Sieg im 34. Saisonspiel – genauso viele hatten die Düsseldorfer nach der kompletten Vorsaison (52 Spiele). Und am Wochenende können sie ihre gute Form wieder beweisen: An diesem Freitag (19.30 Uhr) kommt Spitzenreiter Adler Mannheim zum Topspiel an den Rhein, am Sonntag (14 Uhr) geht es zum Tabellenvierten Augsburger Panther. Knapp 1000 DEG-Fans fahren mit, der Gästeblock ist seit Wochen ausverkauft.

          Günstige Fügung

          Hauptverantwortlich für die Begeisterung ist Manager Niki Mondt, gebürtiger Düsseldorfer und früher selbst jahrelang für die DEG auf dem Eis. Als er im Sommer 2017 verpflichtet wurde, wirkte er wie eine billige Notlösung für den tief gefallenen Serienmeister der 1990er Jahre. Er tat zunächst wenig dafür, den Eindruck zu korrigieren. Viele Spieler wirkten satt, in der Mannschaft gab es Grüppchen, der Trainer passte nicht. Mondts Schuld war das allerdings kaum, weil der Kader größtenteils feststand, als er die Planungen übernahm. Erst in seinem zweiten Sommer als Sportlicher Leiter konnte der 40-Jährige frei walten – und verpflichtete zahlreiche Topspieler, ohne mehr auszugeben als im Vorjahr.

          Dabei half ihm günstige Fügung: Der Norweger Ken-André Olimb und der Schwede Calle Ridderwall hatten bereits früher in Düsseldorf gespielt und kehrten aus alter Verbundenheit zurück. Ehemalige deutsche Nationalspieler wie Philip Gogulla (Köln) und Jerome Flaake (München) wurden von ihren Klubs trotz laufender Verträge aussortiert. Mondt konnte sie für relativ wenig Geld verpflichten, weil sie teilweise noch von ihren alten Arbeitgebern bezahlt werden.

          Der Mann hinter der Bande: Harold macht der DEG als Trainer Beine.

          Hinzu kommen Glückstreffer wie die Nordamerikaner Jaedon Descheneau und Ryan McKiernan, die aus der Schweiz sowie aus Österreich kamen. Zudem sind die wenigen Lichtblicke der vergangenen Jahre weiter in Form: Kapitän Alexander Barta, Torhüter Mathias Niederberger, Verteidiger Bernhard Ebner.

          Der größte Coup der DEG-Verantwortlichen war aber die Verpflichtung von Trainer Harold Kreis. Auch der 59-Jährige hat eine Düsseldorfer Vergangenheit. Kreis hat die DEG nicht nur sportlich voran gebracht, er hat auch den Geist des Teams geändert. Es wird wieder viel gelacht im und ums Team, zudem geben die Düsseldorfer nie auf. Ihre große Stärke ist das letzte Drittel, da drehen sie verlorengeglaubte Spiele. 47:19 lautet ihre Torbilanz in den entscheidenden 20 Minuten. Der mit Abstand beste Wert der Liga.

          Kreis selbst sieht sich eher als Teil des Teams statt als klaren Chef. Natürlich hat er im Zweifel das letzte Wort, aber die Spieler sollen zur Lösungsfindung beitragen. Es gehe darum, „sie glauben zu lassen, dass es ihr eigenes System ist“, sagt er. Dann würden sie der Taktik mehr vertrauen und den Extraschritt gehen.

          Nicht umsonst hatte der Deutsche Eishockey Bund erwogen, Kreis zu verpflichten, als der Wechsel von Bundestrainer Marco Sturm nach Los Angeles feststand. Doch die DEG lehnte ab, sie braucht Kreis selbst. Dieses Jahr will sie die Play-offs nicht auf dem Sofa erleben, sondern auf dem Eis.

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