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Rebensburg bei alpiner Ski-WM : In der Rolle der Jägerin

  • -Aktualisiert am

Viktoria Rebensburg spricht von einer „coolen Ausgangslage“ bei der Ski-WM Bild: dpa

Viktoria Rebensburg gehört vor der alpinen Ski-WM in keiner Disziplin zu den Favoritinnen und fühlt sich wohl in ihrer Rolle: „Das ist eine coole Ausgangslage.“

          Das Jämtland, Mittelpunkt der alpinen Ski-Welt in den nächsten knapp zwei Wochen, liegt eine Flugstunde entfernt von Stockholm – eigentlich gut erreichbar für den Tross, der vor den Weltmeisterschaften noch in Garmisch-Partenkirchen unterwegs gewesen ist. Aber statt wie üblich einen halben Tag inklusive Bustransfer in den WM-Ort Are dauerte die Anreise für einige Skirennläufer einen Tag und eine Nacht, weil sowohl in Deutschland als auch in Schweden die Flughäfen mit dem Neuschnee zu kämpfen hatten.

          Kitzbühel-Sieger Josef Ferstl saß am Sonntag zunächst am Münchner Flughafen fest, er vertrieb sich mit seinen Mannschaftskollegen die Zeit mit Schafkopfen. Als sie dann am späten Abend endlich in Stockholm landeten, war das Gepäck nicht dabei. Es hieß wieder warten. Ein Flugzeug nach Östersund gab es dann ohnehin nicht mehr, also versuchten die Verantwortlichen der betroffenen Teams ein alternatives Transportmittel zu organisieren. Kurz vor vier Uhr morgens stiegen die deutschen Abfahrer schließlich gemeinsam mit den Franzosen in den Zug. Sie erreichten Are rund 24 Stunden nach dem ursprünglichen Abflugtermin und waren ziemlich müde, aber gut gelaunt, wie ein von Ferstl gepostetes Video auf Instagram zeigt. So etwas, sagte Alpinchef Wolfgang Maier, habe er noch nie erlebt. „Dass man uns am Flughafen liegen lässt und nicht mal Notbetten hat, das habe ich etwas daneben gefunden.“

          Rebensburgs Reise mit dem Privatjet

          Viktoria Rebensburg war bei Ferstls Ankunft bereits auf dem Weg zum ersten Abfahrtstraining. Sie hatte den WM-Ort bereits zwei Tage zuvor erreicht, ganz bequem im Privatjet eines Sponsors zusammen mit Lindsey Vonn und Olympiasiegerin Sofia Goggia. Auch die drei deutschen Kolleginnen, die wie Viktoria Rebensburg den Super-G an diesem Dienstag (12.30 Uhr / live in ARD und Eurosport) bestreiten werden, waren rechtzeitig vor dem Schneechaos in Are angekommen – mit einem Linienflugzeug.

          Vier Starterinnen vom Deutschen Skiverband in den schnellen Disziplinen bei einem Großereignis – das hat es schon lange nicht mehr gegeben, noch länger ist es her, dass gleich zwei Frauen dabei sind, die mit der Empfehlung von mindestens einem Podestplatz anreisten. Wie Viktoria Rebensburg oder Kira Weidle. Favoritin auf eine Medaille sei aber weder die eine noch die andere, sagt Maier.

          Bilderstrecke

          Auf den ersten Blick mag die Situation sogar ein wenig an jene bei der letzten WM in Are erinnern. 2007 hatte es vor den Titelkämpfen in dem schwedischen Skiort zwar ein paar respektable Ergebnisse gegeben, aber auch keinen Athleten, der entweder bereits die Klasse oder die aktuelle Form gehabt hatte, um auf dem Siegerpodest zu landen – am Ende reiste das Team tatsächlich ohne Medaille nach Hause. Es waren die bisher letzten medaillenlosen Weltmeisterschaften für die deutschen Alpinen. Seitdem hat sich viel getan, vor allem in den beiden schnellen Disziplinen. Deshalb, findet Maier, sei man dieses Mal schon besser aufgestellt, trotz der Ausfälle von Spitzenfahrern wie Thomas Dreßen und Andreas Sander oder des Trainingsrückstands von Felix Neureuther und Stefan Luitz. „Wir haben immer wieder gezeigt, dass man uns nie ganz abschreiben darf.“

          Viktoria Rebensburg fühlt sich ganz wohl in der Rolle, anders als vor den Olympischen Spielen in keiner Disziplin zu den Favoritinnen zu gehören. „Das ist eine coole Ausgangslage, weil man die jagende Position einnimmt. Ich habe in der Vergangenheit daraus schon oft was ganz Gutes gemacht“, sagt sie. Es könnte nun das letzte Großereignis für die Deutsche sein.

          Während sie aber auf jeden Fall wenigstens noch eine Saison weiterfahren will, ist Are für andere Athleten die große Abschiedsveranstaltung. Sowohl für Lindsey Vonn als auch für Aksel Lund Svindal schließt sich in Schweden ein Kreis. Die Amerikanerin hatte 2007 ihre erste WM-Medaille gewonnen, der Norweger seinen ersten Titel. Hoch gehandelt wird jetzt aber nur Svindal, der zuletzt pausierte, um sein lädiertes Knie für sein finales Ziel, das sechste WM-Gold, zu schonen. Lindsey Vonn scheint aus ihrem lädierten Körper wenigstens noch einmal alles herausholen zu wollen in den vermutlich letzten beiden Rennen ihrer Karriere. „Ich freue mich und schaue, was passiert.“

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