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Skifahrer Baumann : Aus dem Nichts zu Silber

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich in Cortina: Romed Baumann jubelt nach dem Super G. Bild: EPA

Für die österreichische Ski-Nation war Romed Baumann vor zwei Jahren nicht mehr gut genug – und im deutschen Team musste er nahezu von vorne anfangen. Nun ist er wieder fast ganz oben.

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          Als der Erfolg unter dem gewaltigen Dolomitenmassiv langsam zur Gewissheit wurde, übermannten Romed Baumann die Gefühle. Tränen flossen an einem Tag, der in seiner schon sehr langen Ski-Karriere vielleicht der schönste war, auf jeden Fall aber zu den Höhepunkten zählte. „Ich war ganz unten, jetzt bin ich fast ganz oben“, sagt der Skirennläufer aus Kiefersfelden.

          Sieben Hundertstelsekunden fehlten ihm am Ende zum Titel im Super-G bei der Ski-WM in Cortina d‘Ampezzo, aber damit haderte Baumann nicht. Die Silbermedaille hinter dem neuen Weltmeister Vincent Kriechmayr aus Österreich war nicht weniger wert als ein Sieg. Für den Deutschen Skiverband, aber vor allem für ihn persönlich.

          Vor zwei Jahren war Romed Baumann schließlich vom österreichischen Skiverband aus dem Kader geworfen worden nach einer Saison, die nicht gut verlaufen für ihn. „Viele haben gesagt, der ist zu alt, der traut sich nicht mehr, der attackiert nicht mehr“, sagt er. Mit 33 Jahren wollte er aber nicht aufgeben, und seine deutsche Ehefrau überredete ihn, es mit einem Nationenwechsel zu probieren.

          Baumann ist eine Bereicherung

          Bei den Deutschen rannte er zunächst keine offenen Türen ein, denn da entstand gerade eine junge Mannschaft mit dem Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen als Leitwolf. Alpinchef Wolfgang Maier sah es zwar als falsches Signal, einen 33-Jährigen aufzunehmen und wollte sich eigentlich auch nicht „die Lästereien aus Österreich“ anhören, gab dann aber Baumann trotzdem eine Chance. Die nutzte der, überzeugte sehr schnell Maier, die Trainer und die neuen Kollegen.

          Er sei „eine Bereicherung“, stellte der zunächst skeptische Alpinchef fest, „weil er als Typ gut zu uns passt“. Baumann teilte seine Erfahrung mit der Mannschaft, und die Mannschaft sorgte für das Wohlfühlklima, für die Nestwärme, die der gebürtige Tiroler in Österreich mit den hart umkämpften Startplätzen vermisst hatte. „Ich habe in Deutschland die Hilfe bekommen, die ich gebraucht habe, damit ich wieder dahin komme, wo schon einmal war.“

          Romed Baumann staunt über seine Karriere: „Ich war ganz unten, sportlich gesehen, jetzt bin ich fast ganz oben.“
          Romed Baumann staunt über seine Karriere: „Ich war ganz unten, sportlich gesehen, jetzt bin ich fast ganz oben.“ : Bild: AFP

          Als Baumann vor 15 Jahren im österreichischen Rennanzug in die ersten Erfolge gefeiert hatte, war er als kommender Gesamtweltcupsieger bezeichnet worden, weil er für alle Disziplinen gleich talentiert schien. Vielleicht war es aber diese Vielseitigkeit, überall vorne dabei aber deshalb in keiner Disziplin überragend zu sein, weshalb ihn andere überholten. Seine beide Weltcup-Siege gelangen Baumann in der Superkombination, die bis Donnerstag einzige Einzelmedaille holte er auch in diesem Wettkampf, bei der WM 2013 in Schladming.

          Zwei Jahre zuvor hatte er im Teamevent Silber gewonnen. Beim ÖSV schwand die Wertschätzung für ihn. „Er war oft der Buhmann der Nation“, erinnert sich der ehemalige Kollege Kriechmayr, ohne den Grund dafür nennen zu können. Als Baumann in der vergangenen Saison zum ersten Mal den weißen Skianzug mit den schwarzen Streifen trug und für Deutschland seine ersten Rennen bestritt, musste er fast wieder ganz von vorne anfangen. Im Super-G startete er mit der Nummer 52, in der Abfahrt mit der 32.

          In der schnellsten Disziplin schaffte er schnell den Sprung unter die besten 30, im Super-G erst in dieser Saison. In Val d’Isere belegte er mit der Startnummer 42 den 35. Rang, in Gröden eine Woche später war er schon Rang 16, es folgten die Plätze sieben in Bormio, elf in Kitzbühel und zehn am vergangenen Wochenende in Garmisch-Partenkirchen. Eine beachtliche Leistungssteigerung innerhalb von wenigen Monaten, „und das spricht auch für das Trainerteam“, sagt Maier. Aber selbst zum erweiterten Favoritenkreis hatte Baumann bei weitem nicht gezählt.

          Dass er nun bei WM in Cortina das beste Super-G-Resultat seiner Karriere schaffte, hatte wohl nur er geahnt. Er habe sich selten so gut gefühlt im Starthaus, erzählte er. „Da denkt man nicht nach, da hat man keine Zweifel. Man weiß genau, was man macht.“ Er wusste auch genau, wie die Klippe im oberen Teil der Strecke am besten zu bewältigen ist. „Da hat es Taktik gebraucht“, sagte Baumann. Er drosselte das Tempo vor dem Sprung und musste deshalb vor dem folgenden Tor keine Bremsschwung einlegen wie viele andere Athleten.

          Noch besser gelang die Passage nur Kriechmayr, der aber im unteren Teil dafür Zeit verlor. Der Rückstand von Baumann auf den Führenden war immer kleiner geworden. „Es ist so locker gegangen. Ich habe überhaupt nicht schnaufen müssen im Ziel“, sagte der WM-Zweite. Die Luft ist da anderen weggeblieben. Dem Österreicher Kriechmayr zum Beispiel.

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