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Spaß im Sport : „Gut gemacht, Sackgesicht!“

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Bedeutet Spaß zu haben, dass man keine Disziplin hat und nur halbe Sachen macht? Bild: Jan Bazing

Humor ist, wenn man trotzdem Sport macht: Jonathan Briefs hat als „Humorberater“ den österreichischen Skispringern das Fliegen erleichtert und Felix Neureuther den Spaß am Skifahren zurückgegeben. Ein Gespräch über gute Laune, gute Leistung und gezielte Provokation.

          Herr Briefs, ich bin ein schwerer Fall. Als Tennisspieler beginne ich oft mit Wind, Wetter und Gegner zu hadern, bis ich verkrampfe und verliere. Wie können Sie mir helfen?

          Spielen Sie denn gerne Tennis? Wenn ja, dann ist zu überlegen: Wo liegen Ihre Stärken, und worin besteht Ihre Motivation?

          Mich motivieren vor allem die Freude an schönen Schlägen und die Lust, sich mit dem Gegner zu großen Leistungen und zu tollen Ballwechseln emporzuschwingen.

          Damit sind wir schon nah dran am Thema. Nämlich nicht auf die Gedankenflüsterer zu achten oder darüber nachzudenken, ob man vielleicht Fehler macht, sondern sich auf den Prozess zu orientieren. Wie der österreichische Skispringer Thomas Morgenstern, der sich irgendwann vorgenommen hat, dass er wegwolle von der Ergebnisorientierung. Er will jetzt schöne Sprünge machen. Bei Felix Neureuther war es ähnlich. Entscheidend für ihn war, zu sagen: „Ich habe die schönsten Schwünge der Welt, und ich mache sie für mich! Welche Plazierung am Ende herauskommt, ist mir erst mal egal.“ Das hat etwas von loslassen. Damit ist er im „Flow“, in der Prozessorientierung.

          Das „Flow-Prinzip“ haben Sie den österreichischen Skispringern als sogenannter Humorberater beigebracht, seit 2011 arbeiten Sie als Coach auch mit den deutschen Skirennfahrern. In dieser Saison ist Felix Neureuther so erfolgreich wie nie gewesen, hat neulich WM-Silber im Slalom gewonnen. Wird man durch Humor vom Supertalent zum Siegertypen?

          In meinen Gesprächen bei den alpinen Männern habe ich mitbekommen, dass die Atmosphäre in der deutschen Mannschaft freudlos war: rein leistungsorientiert, nur auf Fehlervermeidung gerichtet. Weil Erfolge fehlten, herrschte eine negative Grundenergie. Da habe ich geschaut, was man verändern kann im Umgang der Fahrer untereinander. Felix Neureuther ist darauf angesprungen, er bekam sofort ein Leuchten in den Augen, als er hörte, dass ich „Humorberater“ hieß und nicht „Mentaltrainer“ oder „Sportpsychologe“. Von solchen hatte er schon einige, und alle wollten mit ihm über seine Eltern sprechen.

          Hasst Fehler und liebt Siege: Felix Neureuther

          Und wie haben Sie Neureuther angepackt?

          Das Wichtigste war diese ständige Fehlerorientierung. Bei den Skirennfahrern wurden im Training Videos gezeigt, auf denen zu sehen war, was nicht funktioniert. Was zur Folge hatte, dass Felix, der Fehler hasst, nur an deren Vermeidung dachte, wenn er am Start stand. Dazu kam bei Felix eine hohe Erwartungshaltung. Die WM 2011 daheim in Garmisch-Partenkirchen war ja das Trauma schlechthin für ihn.

          Mittlerweile wirkt Neureuther lockerer - und ist erfolgreicher.

          Als neulich in Schladming die Pause zwischen dem ersten und zweiten Lauf so lang war, ist Felix auf Leute zugegangen und hat sie gefragt, ob sie Lust hätten, sich mit ihm fotografieren zu lassen. Das ist eine konstruktive Art, um abzuschalten und Energie zu tanken. Er hat ja neulich sogar ein Video gepostet, wo er in seinem Wohnzimmer in verschiedenen Verkleidungen den Harlem Shake macht. Das ist der Burner! Ich habe ihm vor kurzem einen Satz geschrieben, der hieß: „Du hast so oft versucht, normal zu sein. Das wurde langweilig. Jetzt bist du endlich wieder du selbst!“

          In Deutschland herrscht oft die Devise: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Da klingt Ihr Konzept „Gewinner sind Spaßarbeiter“ etwas seltsam.

          Es führt tatsächlich immer wieder zu Diskussionen, weil Humor und Leistungsgesellschaft etwas zu sein scheint, das sich widerspricht. Ich habe gehört, dass die ehemalige schwedische Siebenkämpferin Carolina Klüft sich immer Spaßarbeiterin genannt hat und deswegen als unseriös bezeichnet wurde. Weil Spaß angeblich bedeutet, dass man keine Disziplin hat, nicht mit dem Herzen dabei ist und nur halbe Sachen macht.

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