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Andreas Bechmann : König der Junioren

  • -Aktualisiert am

Andreas Bechmann zeigt bei seiner Rückkehr seine Goldmedaille. Bild: Imago

Plötzlich blond und Titelträger: Andreas Bechmann siegt bei der U-23-Europameisterschaft im Zehnkampf. Dabei war er ursprünglich für den Start in Estland gar nicht qualifiziert.

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          Die Haarfarbe war das Resultat einer verlorenen Wette. Den Deal hatte Andreas Bechmann mit seinem Zehnkampf-Kollegen Kai Kazmirek ausgemacht. Der langsamere 400-Meter-Läufer beim Meeting in Ratingen sollte beim nächsten internationalen Großeinsatz als Blondschopf antreten. Trotz einer neuen Bestleistung von 47,68 Sekunden verlor der 21 Jahre alte Frankfurter die Abmachung. Zu dem Zeitpunkt wusste der Eintracht-Leichtathlet noch nicht, dass der neue Look bei den U-23-Europameisterschaften in Tallinn fällig werden und er mit diesem den Titel des Junior-Königs der Leichtathleten antreten würde.

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          Ursprünglich war Bechmann für den Start in Estland gar nicht qualifiziert. Als er die Norm dafür Ende Juni erfüllte, war die Frist abgelaufen. Eine Woche lang wartete der nationale Hallenmeister auf ein Okay des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, ohne sein Training zu vernachlässigen. „Sonst hätte ich irgendwo noch einen anderen Zehnkampf gemacht“, erklärt der Sportler von Coach Jürgen Sammert. Jetzt darf er in den Urlaub fahren und die Verletzung auskurieren, die er sich Ende Mai beim Traditions-Event in Götzis zuzog.

          Das Knochenödem am linken Fuß bereitete Bechmann am Wochenende starke Schmerzen, „es war schlimmer denn je“, sagt er. Das medizinische Team kümmerte sich intensiv um das Problem; dennoch stand der Athlet mehrmals vor der Aufgabe. „Ich habe nicht daran geglaubt, den Wettkampf beenden zu können“, sagt er. Doch Sammert habe ihm immer wieder Mut zugesprochen, sodass er auf die Zähne biss. Die Aussicht war zudem verlockend: 2016 hatte er sich noch gar nicht für die EM seiner Altersklasse qualifiziert, zwei Jahre später war er Achter geworden. Bei der nun letzten Teilnahme galt der zweimalige Hallen-EM-Teilnehmer als Favorit. Das waren ihm die Qualen wert.

          „Zu viel Stress gemacht“

          Am Ende stand für den Goldmedaillengewinner mit 8142 Punkten eine neue Bestleistung zu Buche, zudem gab es in drei Einzeldisziplinen individuelle Rekorde: im Weitsprung, wo er bei seinem einzigen gültigen Versuch im dritten Durchgang nach 7,72 Metern landete, im Kugelstoßen mit 15,81 Metern sowie im Diskuswurf mit 42,51 Metern. Am Tag danach gab sich Bechmann dennoch gewohnt selbstkritisch.

          Die Hürden, wo es von Beginn an nicht wie geplant lief, bleiben seine Problemdisziplin, im Stabhochsprung, wo seine Bestleistung bei 5,10 Metern steht, schaffte er nur die Einstiegshöhe von 4,80 Metern. Könnte man beides auf die „höllischen Schmerzen“ schieben, doch Bechmann zeigt sich vor allem mit seiner Einstellung nicht zufrieden. „Ich habe mir wieder zu viel Stress gemacht“, er müsse im Wettkampf ruhiger werden.

          Das Erreichte lässt den Management-Studenten und Start-up-Gründer, der bei der Deutschen Sporthilfe zu den Kandidaten für die Auszeichnung „Sportstipendiat des Jahres“ zählt, nicht abheben. Im nächsten Jahr strebt er die Teilnahmen an der EM in München und den Welttitelkämpfen in Eugene im amerikanischen Bundesstaat Oregon an. Mit dem jetzt erzielten Endergebnis könne man da nicht viel ausrichten. Zum Vergleich: Sein Vorgänger als U23-Europameister, Niklas Kaul, sicherte sich die Krone 2019 mit 8572 Punkten. Drei Monate später war der Mainzer bei den Männern Weltmeister.

          Allzu viel Ruhe will Bechmann sich deshalb nicht gönnen und das Training bald wiederaufnehmen. Die Hoffnung auf eine deutliche Leistungssteigerung in naher Zukunft dürfte ein Blick auf die abgelaufene Saison schüren. Zahlreiche Hindernisse galt es in dieser Zeit zu überwinden. Im Februar organisierte sein Verein eigens für ihn einen Wettkampf, damit er sich für die Hallen-EM empfehlen konnte.

          Dort, in Torun, verlor der Sechstplatzierte beim Start zum abschließenden Tausend-Meter-Lauf einen Schuh und absolvierte das Rennen ohne diesen. Nach dreiwöchiger Corona-Erkrankung – das Virus hatte er aus Polen mitgebracht – kam in Götzis die Fußverletzung dazu, die ihn nach der Hälfte des Wettbewerbs stoppte. Diese Aufs und Abs, nicht nur in jedem Wettkampf, sagt Bechmann dazu, „das ist eben Zehnkampf“.

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