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German Ladies’ Series : „Im nächsten Jahr sieht hoffentlich alles wieder anders aus“

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich: Laura Siegemund siegt in der Zwischenrunde. Bild: dpa

Talente und nicht ganz so finanzstarke Profis können bei der vom Deutschen Tennis-Bund initiierten German Ladies’ Series Spielpraxis sammeln – und Preisgeld verdienen. Laura Siegemund gelingt das. Und die Veranstalter der TC Bessungen hoffen nun sogar auf Zuschauer in den Halbfinals.

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          Es war eine lange Woche, und sie war anstrengender, als sich Laura Siegemund das vorgestellt hatte. Die Stuttgarterin, Nummer 65 der Tennis-Weltrangliste, hatte in Darmstadt ordentlich zu kämpfen, um sich im Zwischenrunden-Finale der German Ladies Series gegen Jule Niemeier 5:7, 6:3, 6:4 durchzusetzen. Es war ein Duell auf Augenhöhe zwischen der 32 Jahre alten Schwäbin und der zwölf Jahre jüngeren Dortmunderin, die seit vergangenem Jahr auf der WTA-Tour spielt und aktuell an Position 297 der Weltrangliste geführt wird. Letztlich machte die größere Erfahrung, das größere taktische Repertoire den Unterschied in einem spannenden Duell vor 30 Zuschauern – mehr waren wegen der Corona-Beschränkungen nicht erlaubt. Beide Spielerinnen waren schon in der Vorrunde aufeinandergetroffen, auch da hatte Siegemund das bessere Ende für sich gehabt: 6:4, 6:4.

          Womöglich wird Jule Niemeier demnächst noch eine dritte Chance bekommen, ihr erstes Match gegen Siegemund zu gewinnen. Für das Halbfinale der mit 370.000 Euro dotierten Turnierserie haben sich beide qualifiziert, es wird vom 15. bis 18. Juli wieder in Darmstadt auf der Anlage des TC Bessungen stattfinden. Ausgerichtet wird die Serie vom Deutschen Tennis-Bund, der einheimischen Profis und Talenten (24 Damen, 32 Herren) in Zeiten von Corona Spielpraxis verschaffen will – und die Möglichkeit, Preisgeld zu gewinnen.

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          Für Laura Siegemund hatte die Darmstädter Tenniswoche am vergangenen Montag mit einem Training und einer prominenten Trainingspartnerin begonnen. Andrea Petkovic, die seit Monaten auf der Anlage des TEC Darmstadt, ihres Heimatvereins, trainiert, hatte sich mit ihrer ehemaligen Fed-Cup-Kollegin für ein Stündchen verabredet, als Hitting-Partner der besonderen Art. Beide spielten das gesamte Repertoire durch, Aufschläge, erste, zweite, verschiedene Winkel, Returns, Crossbälle, Stops, immer wieder Stops, und sie waren es, mit denen Laura Siegemund auch im Finale die hart schlagende, aber nicht besonders schnelle Jule Niemeier immer wieder aus dem Rhythmus brachte.

          Comeback von Petkovic in Berlin

          Dass Andrea Petkovic beim Turnier in Bessungen nicht aufschlug, begründete sie mit den Folgen ihrer Knieoperation, die sie noch einige Tage zur Vorsicht zwängen. Beim Halbfinale Mitte Juli stünde in Darmstadt eine Wildcard für sie bereit, die sie allerdings nicht nutzen wird. Sie schlägt stattdessen bei einem sportlich wertvolleren und ungleich höher dotierten Einladungsturnier in Berlin auf. Sechs Damen (darunter Elina Svitolina/Nummer 5 der Weltrangliste sowie Kiki Bertens/7) und sechs Herren treten dort zwischen dem 13. und 19. Juli zunächst im Steffi-Graf-Stadion auf Rasen und dann auf Hartplatz in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tegel gegeneinander an. 800 Zuschauer pro Tag sind für diese Veranstaltung zugelassen, und auch in Darmstadt wird die Atmosphäre beim Halbfinale wohl weniger trostlos sein als in der Zwischenrunde. Nachdem Hessen am Freitag die Zuschauerbeschränkungen für Sportveranstaltungen gelockert hat, geht Roland Ohnacker, der Organisator der Darmstädter Turniertage, davon aus, dass er zum Halbfinale mit täglich rund 150 Zuschauern rechnen kann, 50 Sponsoren und 100 Tickets, deren Verkauf ein wenig Geld in die Kasse bringen soll. Geld, das die Darmstädter gut gebrauchen können.

          Ohnacker hatte ursprünglich mit einem einzigen Turnier-Termin in Darmstadt gerechnet und sich mit dem TC Bessungen für gleich drei beworben, um die Chancen zu erhöhen, einen zu bekommen. Der dreifache Zuschlag überraschte die Darmstädter, die die Herausforderung dankend annahmen. 44.000 Euro kostet sie der Spaß, etwa die Hälfte des Gesamtetats des 25.000-Dollar-Damenturniers, das sie traditionell im Juli auf ihrer Anlage ausrichten, finanziert von Sponsoren und den Einnahmen aus Speis und Trank auf einer großen Festwiese, die in Corona-Zeiten nun traurig da liegt und nichts ist als eine einsame grüne Wiese.

          Das traditionelle Bessunger Damen-Turnier wird es auch im nächsten Jahr geben – sofern Corona es zulässt. Der Verein hat sich über die Jahre einen treuen Kreis an ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren aufgebaut. Auch bei den Turnieren in diesen Wochen waren die Werbebanner mit den Aufdrucken der unterstützenden Firmen prall gefüllt. Alles schien wie immer, wie jedes Jahr, und doch war es anders. Denn es sind nicht nur viele Spielerinnen, die in Corona-Zeiten um ihr finanzielles Auskommen bangen, sondern auch viele Sponsoren und damit auch viele kleinere Turniere. Auch in Darmstadt gab es jetzt Unterstützer, die mit Bedauern abwinkten, als es darum ging, den Etat für die drei Turniere zusammenzubekommen. Wo Umsätze einbrechen, keiner so recht weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht, müssen viele sparen. Ohnacker hat darauf solidarisch reagiert. Kein Unternehmen verlor seinen Werbeplatz, auch wenn es in der Krise nicht helfen konnte. „Wir können auch mal etwas zurück geben“, sagt Ohnacker. „Im nächsten Jahr sieht hoffentlich wieder alles anders aus.“ So wie vor Corona.

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