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Testspiel gegen Dreieich : Missratener Freundschaftsdienst

  • -Aktualisiert am

Kein Zugriff: Für Marc Stendera und die Eintracht bleibt in Dreieich überraschend oft die Beobachterrolle. Bild: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Die Frankfurter Eintracht erschreckt ihre Fans beim Testspiel in Dreieich. Statt sich Selbstbewusstsein zu holen, liefert das Team beim 1:2 Gründe für Selbstzweifel.

          3 Min.

          Die sportliche Bedeutung von Testspielen gegen Amateurmannschaften kann mittlerweile nicht mehr tief genug angesetzt werden. Mehr als Bewegungstherapie bedeutet es selten für einen Fußball-Bundesligaklub, wenn er in Kleinstädten auftritt, mit Rückschlüssen auf die aktuelle Form sollte man sich zurückhalten. Eines gilt jedoch festzuhalten: Im Privatspiel gegen den befreundeten Fünftligaklub SC Hessen Dreieich gelang es der Frankfurter Eintracht nicht, ihr angeknackstes Selbstbewusstsein durch ein Torfestival aufzupolieren. Nicht nur das – die Frankfurter lieferten viele Gründe, noch tiefer in Selbstzweifel zu verfallen. Sie verloren gegen den Hessenligaverein 1:2 – und die Niederlage kam nicht zufällig zustande. Die Eintracht hatte sich auf das Niveau der Dreieicher hinab begeben. Nach Treffern von Marco di Maria (39.) und Loris Weiss (60.) führten die Dreieicher 2:0, dann verkürzte Mijat Gacinovic (69.) und die Eintracht bekam endlich Oberwasser. Aber das Ausgleichstor blieb ihnen versagt.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das Dreieicher Publikum reagierte nicht jubelnd auf den unerwarteten Erfolg ihrer Mannschaft, sondern eher mit leichtem Entsetzen. Die allermeisten Fans des SC Hessen sind auch Eintracht-Fans. Das Positive für Trainer Niko Kovac: Marc Stendera gab ein ordentliches einstündiges Comeback nach seinem Kreuzbandriss, den er am 23. Mai 2016 im Relegationsspiel gegen den 1. FC Nürnberg erlitten hatte. Und auch Marco Russ bestätigte seine Fortschritte nach seiner Pause wegen einer Krebserkrankung. Für den spielstarken SC Hessen Dreieich bedeutete die Auseinandersetzung mit der Frankfurter Eintracht eine Begegnung mit der Zukunft. Zum ersten Mal in der noch jungen Vereinsgeschichte war der Sportpark ausverkauft. Innerhalb von dreieinhalb Stunden gingen 1500 Karten weg, bis die restlichen 500 Tickets verkauft wurden, dauerte es nur weitere drei Tage.

          Körbel packt in Dreieich kräftig mit an

          „Wir hätten 5000 Zuschauer unterbringen können, wenn wir nur über die Kapazität verfügen würden“, sagte Karl-Heinz Körbel. Der Rekordbundesligaspieler der Eintracht ist mittlerweile auch Vizepräsident des SC Hessen und Berater des Geldgebers Hans Nolte. Nolte, Besitzer der Hahn Air, hat in seiner Heimatstadt Dreieich kräftig in den Fußball investiert. Die erste Mannschaft ist mittlerweile in der Hessenliga angekommen, die sie derzeit mit neun Punkten Vorsprung anführt. Die Vorbereitung und die Organisation des Privatspiels boten einen Vorgeschmack auf die künftigen Anforderungen der Regionalliga. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat für die vierte Liga hohe Standards bei der Infrastruktur und Abwicklung der Punktspiele gesetzt. Die Erfüllung bringt den aufstrebenden Klub an Grenzen.

          Der von Nolte erstellte Sportpark, der erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde, könnte nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand den Anforderungen entsprechend umgebaut werden, deshalb schaut sich der Klub, unter Mitwirkung von Körbel, derzeit nach Alternativen um.  Das Stadion des FSV Frankfurt und das Stadion am Brentanobad, wo die Fußballfrauen des FFC Frankfurt ihre Bundesliga-Heimspiele austragen, kämen in Frage. Körbel ist Nolte schon lange freundschaftlich verbunden und begleitet dessen Idee von einem starken Dreieicher Fußballklub seit den Anfängen. Mittlerweile übernimmt das Eintracht-Idol Verantwortung. Als Vizepräsident und Berater schlug er Nolte in einem Moment der sportlichen Stagnation seine alten Mannschaftskollegen Rudi Bommer (Chef) und Ralf Weber (Assistent) als Trainer vor. Und er überzeugte diese davon, in Dreieich mitzumachen, obwohl sie eigentlich für die damals sechste Liga überqualifiziert waren.

          Freundschaftlich verbunden

          Bommer war beim MSV Duisburg Bundesligatrainer und in Cottbus Zweitligatrainer. „Als ich Rudi fragte, sagte er spontan, ich würde spinnen. Einen Tag später war er davon überzeugt, dass es eine tolle Sache werden könnte“, erinnert sich Körbel. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Bei Bommer nicht und bei Körbel nicht, sie sind fasziniert von der Aufgabe, einen Klub aufzubauen. Körbel hat sich dafür von der Eintracht die Freigabe geholt, der er als Vereinsbotschafter, Mitglied der Prominentenmannschaft und Leiter der Eintracht-Fußballschule noch offiziell verbunden ist. „Ich wollte klare Verhältnisse und kein Getuschel“, sagt Körbel, der in der Zwischenzeit auch mit dem von ihm gegründeten Jugendfußballklub Frankfurt beim SC Hessen Dreieich gelandet ist.

          Die Eintracht verfolgt das Projekt mit Wohlwollen. Sportvorstand Bobic und Trainer Kovac zeigten sich beeindruckt, als Körbel sie vor ein paar Wochen über das Gelände des Sportparks führte. Und als der Eintracht-Cheftrainer auf die Schnelle einen Partner und Austragungsort für ein Testspiel suchte, sprach er Körbel an. „Ich kann mir vorstellen, dass die Klubs noch häufiger zusammenarbeiten werden. Hans Nolte ist ein glühender Eintracht-Fan, und die Eintracht findet auch nicht schlecht, was wir machen“, so Körbel. Das gilt auch für einige Fans des Bundesligaklubs. Die Arbeit der alten Eintracht-Helden in Dreieich hat Aufmerksamkeit erregt, wie Körbel bemerkt: „Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Eintracht-Fans unseren SC Hessen sogar zu Auswärtsspielen begleiten.“

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