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Eintracht Frankfurt : Mit gutem Gefühl an Grenzen gehen

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Parcourslauf: Eintracht Spieler wie Luc Castaignos werden von den Übungen des Frankfurter Fitnesstrainers Christian Kolodziej gefordert. Bild: Wonge Bergmann

Schnelligkeit, Ausdauer und Robustheit: Der Fitnesscoach der Frankfurter Eintracht, Christian Kolodziej, macht die Profis fit für die neue Saison.

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          „Man darf gar nicht so weit denken. Das wird dann schon kommen.“ Johannes Flum schätzt, dass bei ihm etwa zwei Wochen vergehen werden, bis der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht körperlich in ein Loch fallen könnte. Dann wird ihm die Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison bereits so in den Knochen stecken, „dass ich ein bisschen stärker kaputt bin. Es kommt das eine oder andere Spiel, wo man müde Beine hat“, sagt er.

          Der 27-Jährige wird also schon bald wieder seinen inneren Schweinehund überwinden müssen. Das ist so gewollt. Reiner Geyer, der Assistent von Cheftrainer Armin Veh, sagt: „Das braucht man auch mal für den Kopf. Dass jeder Spieler an die Grenze geht und sein Limit erlebt. Das gibt ein gutes Gefühl.“ Nur „richtig kaputt sein“ soll kein Fußballprofi – mag die Arbeit auch noch so hart und anstrengend sein. „Idealerweise umgehen wir das Loch bei einem Spieler.“

          Wie das geht? Mit individueller Trainingssteuerung unter Anleitung von Fitnesstrainer Christian Kolodziej.

          Schweißtreiber: Kolodziej trainiert die Kondition von Vehs Männern
          Schweißtreiber: Kolodziej trainiert die Kondition von Vehs Männern : Bild: Wonge Bergmann

          Für die Eintracht beginnt die Spielzeit diesmal am zweiten Augustwochenende mit dem DFB-Pokalspiel beim Bremer SV. Eine Woche später tritt sie in Wolfsburg am ersten Bundesliga-Spieltag an. Dann liegen sechs Wochen Vorbereitungszeit mit zwei Trainingslagern hinter der Mannschaft. Die gesunden Spieler, die keinen Sonderurlaub aufgrund internationaler Einsätze bekommen haben, bat Veh am ersten gemeinsamen Arbeitstag am Mittwoch zum Laktattest. Davor hatten die Profis rund vier Wochen Pause. Zwei davon mussten sie kaum etwas tun. In den anderen beiden standen dann Lauf- und Krafttraining auf dem Programm – täglich etwa eine Stunde mit Steigerungen nach individuellen Plänen.

          Außenbahnspieler Stefan Aigner sagte am Mittwoch, dass er nach der „Vorbereitung auf die Vorbereitung“ bei „70 Prozent“ seines körperlichen Leistungsvermögens sei. Die Ergebnisse des Laktattests, die Aufschluss über den Fitnesszustand von jedem Spieler gaben, lagen Kolodziej schon am Donnerstag vor. Sie behielt er aber für sich. „Anhand der individuellen Werte kann ich das Training des einzelnen Spielers viel besser steuern“, sagt er. Dem hohen Lauf- und Ausdaueranteil im Fußball müssen die Eintracht-Profis zu Beginn der Vorbereitung Tribut zollen.

          Training individuell an Spieler angepasst

          Im Rahmen des Ausdauertrainings werden zwischen drei und sechs Leistungsgruppen gebildet. Jede von ihnen muss bestimmte Strecken in einer bestimmten Zeit in unterschiedlichem Tempo zurücklegen – abhängig von den körperlichen Bedürfnissen der Spieler. „Man muss sich durch die sehr intensive Zeit durchbeißen“, sagt Flum. Außerdem wird die Mannschaft, die an diesem Samstag in ihr erstes Trainingslager nach Österreich aufbrechen wird, von Kolodziej mit koordinativen Übungen auf die Bewegungen vorbereitet, „die im Fußball gefragt sind“. Mit der Zeit wird das Ausdauertraining immer fußballspezifischer. Dabei werden die Intervalle kürzer und schneller.

          Die Schnelligkeit ist der zweite wichtige Baustein in der Vorbereitung. Auch für die Sprinttests erstellt Kolodziej ein individuelles Programm für die Profis, die wieder in mehrere Gruppen eingeteilt sind. Von den Spielformen her nimmt die Intensität des Trainings zu. „Das zweite Trainingslager wird dann explosiver und schneller“, sagt Geyer. Am 18. Juli wird die Eintracht für acht Tage abermals nach Österreich aufbrechen.

          Gleichzeitig stärkt Kolodziej mit einem „funktionellen Rumpfstabilisationstraining“ die Robustheit der Spieler. Nicht zu vergessen sei Regenerationstraining, zu dem auch Eisbäder und die Einnahme von Elektrolytgetränken gehören. In den abschließenden zwei Wochen der Vorbereitung soll die Mannschaft „voll im Spielmodus drin sein“ (Geyer). Veh will die Spieler voll belasten können.

          Zwischendurch vier Tage Urlaub bekommen wie die Darmstädter Profis werden ihre Frankfurter Kollegen nicht. „Viele Wege führen nach Rom“, sagt Kolodziej. Er stuft den „Regenerationseffekt“ durch die Unterbrechung der Vorbereitung als „nicht so hoch“ ein. Lieber sollte die Mannschaft eine Woche länger Urlaub machen. Der Aufsteiger aus Darmstadt war dafür früher in die Vorbereitung gestartet. Eintracht-Profi Aigner erinnert sich nicht gern an den Beginn seiner Ferien. Denn Ende Mai nach dem letzten Spieltag gegen Leverkusen war er körperlich in ein Loch gefallen. „Ich bin sofort krank geworden. Die Belastung und Anspannung sind weggefallen“, sagt er.

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