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Nordische Kombinierer : Unerreichbar für die Konkurrenz

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Grüße an Usain Bolt: Die deutschen Kombinierer. Bild: dpa

Der Mannschaftswettbewerb ist für die Deutschen beinahe schon entspannt bei den Olympischen Winterspielen. Mühelos enteilten die Nordischen Kombinierer auf der Loipe ihren Verfolgern. Mit dieser Goldmedaille stellen sie einen Rekord auf.

          Die letzten 300 Meter waren der pure Genuss. Ein Physiotherapeut hatte Johannes Rydzek vor der letzten Kurve bereits eine Deutschland-Fahne gereicht. Noch eine letzte kleine Kuppe, dann konnte der Oberstdorfer gemütlich ins Ziel laufen, seinen bereits jubelnden Teamkollegen Vinzenz Geiger, Fabian Rießle und Eric Frenzel entgegen. Er konnte es sich erlauben, denn die Konkurrenz quälte sich da immer noch den letzten Berg hinauf.

          Einen kleinen Schreckmoment gab es noch, als er plötzlich ein wenig ins Stolpern geriet. „Es ist ja nicht alltäglich, mit der Fahne auf die Zielgerade zu gehen“, erklärte Rydzek seine Schwierigkeiten, Flagge und Stöcke zu koordinieren. Im Telemark beendete er seine Olympia-Mission. Der Vorsprung im Teamwettbewerb der Nordischen Kombination war bereits zur Hälfte dieses Rennens über 4 x 5 Kilometer groß gewesen, am Ende kamen die Deutschen 52,7 Sekunden früher ins Ziel als Norwegen, ein fabelhafter Vorsprung, und gewannen die erste Mannschaftsmedaille bei Olympia seit 1988. Noch einmal 15 Sekunden später dran als der Norweger Joergen Graabak war Österreichs Schlussläufer Mario Seidl.

          Das deutsche Quartett hat am Donnerstag mit dem dritten Sieg im dritten Wettbewerb noch einmal ein Glanzlicht gesetzt. Frenzel sprach von einer „traumhaften Bilanz“ und Bundestrainer Hermann Weinbuch nannte den Auftritt seiner Kombinierer „eine wirkliche Demonstration“. Sie hatten ihm nun auch noch jenen Titel beschert, der in seiner großen Sammlung bisher fehlte. 49 Medaillen, darunter 18 aus Gold, bei Großereignissen gab es unter Weinbuchs Regie seit 1996. „Das, was jetzt noch kommt, sind alles noch Geschenke“, gab er zu – und beschrieb gleich seine nächsten Aufgaben. Die Mannschaft sei im Zenit ihres Schaffens, sagte er. „Wir werden zwar noch das eine oder andere schöne Jahr miteinander erleben dürfen, aber wir müssen wieder frisches Blut zuführen.“ Ein wenig Sorge bereitet ihm im Moment des großen Triumphes, dass es im Nachwuchs derzeit nicht ganz rosig aussieht. Dennoch weiß er: „Ich muss niemanden mehr etwas beweisen, ich habe bewiesen, dass ich gut bin.“

          Daran gibt es keine Zweifel. „Hermann ist der Baumeister dieser Geschichte“, sagte Frenzel. Fünf von sieben möglichen Medaillen haben die deutschen Kombinierer in Pyeongchang gewonnen und ganz nebenbei die Kräfteverhältnisse zurechtgerückt, nachdem sie in dieser Saison ihre Souveränität ein wenig eingebüßt hatten. Während die Deutschen im vergangenen Winter von einem Sieg zum nächsten geeilt waren, dominierten jetzt Norweger und der Japaner Akito Watabe, Führender im Gesamtweltcup, die Nordische Kombination. „Aber diese kleine Delle“, sagte der Bundestrainer, „hat uns wieder zusammengebracht und gemeinsam stärker gemacht.“

          Nach dem ersten Gold von Frenzel und dem Dreifacherfolg mit Sieger Rydzek in den Einzelwettbewerben fühlten sich die Deutschen mental stark genug, auch im Team zu triumphieren. „Wir wussten, dass wir die Form haben“, sagte Frenzel. Dabei hatte Weinbuch vor allem die Niederlagen im Teamwettbewerb in dieser Weltcup-Saison im Kopf, aber auch ein bisschen noch das knapp verpasste Gold vor vier Jahren in Sotschi. „Norwegen hat uns jedes Mal geschlagen, von daher hatten wir noch eine Rechnung offen“, sagte der Bundestrainer.

          Olympische Winterspiele 2018

          Schon nach dem Springen hatten die vier deutschen Kombinierer eine gute Ausgangsposition, aber keine glänzende, wie Weinbuch fand. „Wir sind nicht ganz das gesprungen, was wir drin haben. Die Favoritenrolle war zu spüren“, sagte er. Das traf aber höchstens auf den jungen Geiger zu, aber ganz sicher nicht auf die beiden Olympiasieger in den Einzelrennen, Frenzel und Rydzek. Sie gewannen nämlich jeweils ihre Durchgänge. Mit sechs Sekunden Rückstand auf die traditionell stark springenden Österreicher mit ihrem ersten Starter, Wilhelm Denifl, war Geiger in die Loipe gegangen. Mit einem kleinen Abstand starteten zunächst die Japaner und dann knapp dahinter die Norweger.

          Geiger lief wie mit den Trainern besprochen zunächst im Windschatten des Führenden Denifl, „um die Kräfte zu sparen“, sagte Weinbuch. „Es lief alles nach Plan.“ Nach der Hälfte seines Rennens sollte er vorbei spurten, und auch diese taktische Vorgabe erfüllte der 20 Jahre alte Oberstdorfer glänzend. Sein Vorsprung beim Wechsel betrug zwölf Sekunden. Rießle hatte nun die Aufgabe, den Vorsprung auszubauen, und auch der Schwarzwälder erfüllte sie perfekt. Als Frenzel in die Loipe ging, hatte der erste Verfolger, die Mannschaft aus Österreich, bereits 42 Sekunden Rückstand. Und der wuchs nun weiter an. „Da haben die Gegner schon aufgegeben und nur noch auf Silber geschaut“, sagte Weinbuch. Rydzek war vor den beiden Schlussrunden eine Minute voraus.

          Frenzel jubelte im Ziel bereits seiner Familie auf der Tribüne zu. „Jeder hat getan, was zu tun war.“ Die Trainer verfolgten die letzten fünf Kilometer „ziemlich entspannt“, wie Weinbuch zugab. „Es war immer ein komfortabler Vorsprung.“ Nur einmal sei er nervös gewesen an diesem Tag im Alpensia Nordic Park. „Uns ist vor dem Start eingefallen, dass wir keine Ersatzski an der Strecke haben.“ Im Gegensatz zum Einzelrennen sind die im Wettbewerb zugelassen, falls ein Ski kaputt geht. Im letzten Moment wurden die noch herbeigeschafft. Es war aber auch die einzige Panne der Kombinierer in diesen Tagen in Pyeongchang.

          Momentaufnahme: Nach dem Springen ging Deutschland mit Vincenc Geiger (links) „nur“ als Zweiter hinter Österreich (mit Wilhelm Denifl) in die Loipe Bilderstrecke

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