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Weltklasse-Meeting in Götzis : Schmerzen aushalten ist die elfte Zehnkampf-Disziplin

  • -Aktualisiert am

Spitzenkönner am Speer: Zehnkämpfer Michael Schrader Bild: dpa

Am Ende des Wochenendes wird Michael Schrader völlig zerstört sein – aber glücklich. Der Zehnkämpfer zählt beim Weltklasse-Meeting in Götzis zu den Favoriten. Wenn sein Körper durchhält.

          Einmal konnte er nicht mal mehr aufstehen. Saß auf einer Bank neben der Sprungmatte und hatte seine Muskulatur nicht mehr unter Kontrolle. „Im Wettkampf hatte das Adrenalin die Schmerzen im Fuß noch unterdrückt“, erinnert sich Michael Schrader, und deshalb habe er eben weitergemacht. Doch nach drei Fehlversuchen im Stabhochsprung war er ausgeschieden. Und da bahnte sich der Schmerz seinen Weg. Ende. Aus. Feierabend. Die Kollegen mussten ihn wegtragen.

          Michael Schrader ist Zehnkämpfer und allein schon deshalb Schmerz-Experte. Oder besser gesagt: Experte im Schmerzenunterdrücken. Denn schon allzu oft kämpfte er in seiner von Siegen und längeren Zwangspausen geprägten Karriere zu lange weiter. Bis eben gar nichts mehr ging. „Bei mir kommen die Schmerzen immer so als schleichender Prozess“, sagt er wie zu seiner Entschuldigung. Doch mit Mitte 20 habe er gelernt, auch kleine Signale seines Körpers ernst zu nehmen: „Ich bin vernünftiger geworden.“

          „Irgendwann mal eine Kapsel gerissen“

          Lohn seiner neuen Lebensweisheit: Die Vorbereitung auf den ersten Höhepunkt des Jahres, das Weltklasse-Meeting an diesem Wochenende im österreichischen Ort Götzis, ist für den 27-Jährigen nahezu beschwerdefrei abgelaufen. Sieht man mal davon ab, dass ihm vier Wochen lang der Ellenbogen weh tat, weil er zwischendurch unbedingt Tennis spielen wollte, obwohl der Arm vorbelastet ist, seit ihm beim Speerwerfen „irgendwann mal eine Kapsel gerissen war“.

          Zum Glück kommt Speerwerfen beim Zehnkampf als vorletzte Disziplin dran. Danach muss er nur noch die ungeliebten 1500 Meter überstehen. „Hier muss man sich eben durchbeißen“, sagt Schrader, der meistens 500 Meter vor dem Ziel schon nicht mehr kann, aber dennoch durchzieht. Die Mittelstrecke sei für ihn schlimmer als der Langsprint über 400 Meter am Ende des ersten Tages: „Da muss ich nur auf den letzten 150 Metern kämpfen.“

          Der Schmerz. Sein ständiger Begleiter. Nach seinem fulminanten Einstieg in die Weltelite mit einem Sieg in Götzis 2009 mit hervorragenden 8522 Punkten verpasste Michael Schrader die Heim-WM im selben Jahr in Berlin wegen eines Ermüdungsbruchs. Auch danach konnte er wegen anhaltender Probleme am rechten Fuß zweieinhalb Jahre lang überhaupt keinen Zehnkampf mehr beenden. Erst 2013, bei der WM in Moskau, war er endlich wieder gesund - und gewann prompt Silber mit persönlicher Bestleistung (8670 Punkte). Doch schon die darauffolgende Saison war er wieder nur Fernsehexperte. Diesmal war seine Patellasehne entzündet.

          Ein Dreivierteljahr Aquajogging. Mehr ging nicht. Und das war hart. „Früher hab ich zwei- bis dreimal die Woche Fußball gespielt, das lass ich jetzt lieber“, meint Schrader, trotz allem mit fröhlichem Ton in der Stimme: „Auch mit Handball hab ich aufgehört.“ Für einen Bewegungsfanatiker wie ihn ist das eine echte Einschränkung. Wenn er nicht genug ausgepowert ist, kann er nachts nicht schlafen. Dann geht er noch mal in Fitnessstudio. Doch manchmal ist es eben auch zu viel.

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