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Bahnradsprinterin Miriam Welte : „Ich habe im Wettkampf meinen Kopf ausgeschaltet“

Golden Girls 2012: Miriam Welte (l.) und Kristina Vogel Bild: dpa

Auch sie wurde schon „abgeräumt“, erlitt aber nur „Kinkerlitzchen“ im Vergleich. Kristina Vogels langjährige Teamsprint-Partnerin Miriam Welte über Gefahren des Radsports und warum sie weiter fährt.

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          Miriam Welte ist Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin im Bahnradsport. Ihre Spezialdisziplinen sind Keirin und Sprint. Gemeinsam mit Kristina Vogel siegte sie bei den Olympischen Spielen in London 2012 im Teamsprint. 2016 holten die beiden Olympia-Bronze. Zudem gewannen Welte/Vogel gemeinsam mehrere Weltmeistertitel.

          Können Sie nach dem Sturz und der schweren Verletzung von Ihrer langjährigen Partnerin Kristina Vogel noch ungezwungen Bahnradfahren?

          Ja. Für mich hat sich beim Fahren nicht viel geändert. Ich habe im Wettkampf meinen Kopf ausgeschaltet. Ich hatte ja auch schon wieder einige Sprintrennen, unter anderem die EM, und ich fahre, wie vor dem Unfall auch.

          Nicht ein bisschen vorsichtiger?

          Das einzige, das sich geändert hat, ist, dass ich im Training aufmerksamer bin. Ich schaue mehr, was um mich herum passiert, wer von den anderen Sportlern welche Programme fährt.

          Ist es also normal, wie auch beim Sturz von Kristina, dass sich immer mehrere Trainingsgruppen die Bahn teilen?

          Ja. Und bei Weltcups ist es noch krasser als bei den Grand Prix in Deutschland. Da sind noch mehr Sportler aus verschiedenen Disziplinen auf der Bahn. Und die fahren ganz viele verschiedene Programme.

          Und dann dreht jeder so seine Runden?

          Normal ist es so, dass sich die Trainer vorher besprechen, wer wie was macht, damit man sich nicht in die Quere kommt. Warum es bei Kristina zu dem Unfall kam, weiß ich nicht, ich war nicht dabei.

          War es bei Ihnen denn schon mal ähnlich knapp oder brenzlig?

          Brenzlig war es noch nie. Es ist immer mal ein bisschen eng. Da guckst Du dann, wie du vorbeikommst. Oder du fährst eine blöde Linie, die du sonst nie fahren würden, weil dir einer in den Weg fährt.

          Ist Ihnen also noch nie was passiert?

          Doch. Einmal hab ich eine Lungenprellung und eine Gehirnerschütterung davon getragen, da bin ich auf den Brustkorb gefallen. Und einmal hatte ich eine Beckenprellung. Aber das sind ja Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, was Kristina jetzt passiert ist.

          Wie sind Ihre Stürze zustande gekommen?

          Beim Keirin bin ich zwei Mal abgeräumt worden. Da sind jeweils vor mir welche gestürzt und ich hatte keine Chance, auszuweichen und bin drüber geflogen.

          Was könnte unternommen werden, um Gefahren noch mehr zu minimieren?

          Ich denke, dass in Ruhe aufgearbeitet werden muss, wie es zu dem Unfall in Cottbus kommen konnte. Man kann auch im Trainingsbetrieb noch etwas tun, um es sicherer zu machen. Es gibt ja auch schon erste Lösungen, dass Sportler, die Antritte üben, nur noch auf der Zielgeraden losfahren und nicht auf der Gegengeraden. Das macht es schon übersichtlicher.

          Hatten Sie im Nachhinein Angst um Ihre Gesundheit?

          Bei uns passiert extrem wenig im Vergleich zu anderen Disziplinen wie BMX oder im Straßenradsport. Wenn man sieht, wie die mit 90 Sachen die Berge runter knallen oder sich die Sprünge der BMX-Fahrer anguckt: Also, da passiert deutlich mehr und es gibt auch mehr schlimme Stürze. Ich glaube nicht, dass wir Angst haben müssen. Es ist extrem bitter und sehr traurig, was mit Kristina passiert ist, aber dennoch ist der Bahnradsport noch der mit der geringsten Verletzungsgefahr.

          Selfie 2017: Miriam Welte (l) und Kristina Vogel waren nicht nur außerordentlich erfolgreich, sondern hatten auch ihren Spaß.

          Würden Airbags helfen?

          Keine Ahnung. Man könnte es freigeben wie im Skirennsport. Ich glaube aber nicht, dass sich der Airbag durchsetzt. Bei uns Sprintern wird getüftelt um tausendstel Sekunden, da wird so viel gefeilt. Und dann hättest du ja wieder zusätzlichen Ballast. Bei uns passiert normalerweise ja extrem wenig und wenn, dann hast du mal das Schlüsselbein gebrochen. Ich glaube, dass es einen Sturz wie ihn Kristina hatte, nicht mehr so oft geben wird.

          Haben Sie Kontakt mit Kristina?

          Ja, wir haben geschrieben und telefoniert und viel miteinander gesprochen. Sie ist sehr stark und es tut mir gut, zu wissen, dass sie positiv denkt und nach vorne schaut. Natürlich ist ihre Verletzung sehr schlimm. Aber sie weiß, es gibt keinen Ausweg, die Situation ist, wie sie ist. Es macht mich stolz, zu wissen, dass sie so stark ist und sie mich auch darin bestärkt, weiter zu machen.

          Sie müssen also kein schlechtes Gewissen haben, dass Sie weiter mit Leidenschaft Ihrem Sport nachgehen?

          Nein.

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