https://www.faz.net/-gtl-8f6me

Handball : Der Kieler Krösus muss kämpfen

  • -Aktualisiert am

Trainer Alfred Gislason hat alle Hände voll zu tun, die Kieler Konkurrenz klein zu halten. Bild: dpa

Die Zeiten, als der THW Kiel dominierte, sind vorbei. In der Champions League haben ausländische Klubs mehr Geld. Und auch in der Bundesliga haben die Kieler ein Problem.

          3 Min.

          16 Millionen Euro im Jahr - so viel Geld dürfen die Macher von Paris Saint-Germain (PSG) ausgeben, um das beste Handballteam Europas zu bauen. Wie das ungleich teurere Fußballteam um Zlatan Ibrahimovic haben die Handballspieler mit den Stars Mikkel Hansen und Nikola Karabatic dort volle Geldbörsen, weil die qatarischen Scheichs sie über das Unternehmen namens „Qatar Sports Investments“ großzügig entlohnen. Nichts ist zu teuer. Nur der Erfolg zählt - die Champions League. 16 Millionen Euro im Jahr sind die Summe, nach der sich nun alle europäischen Spitzenteams strecken.

          Dabei ist es ein relativ neuer Trend, dass neben dem traditionell vermögenden, weil vom Fußball quersubventionierten FC Barcelona auch Klubs aus Osteuropa die deutschen Spitzenvereine abhängen: Veszprem aus Ungarn leistet sich mit einer halbstaatlichen Bank als Sponsor eine Luxustruppe, in Polen konnte Kielce dank der Millionen eines niederländischen Textilunternehmers zum Spitzenteam reifen. Auch Vardar Skopje aus Mazedonien mit einem russischen Milliardär als Präsident fällt immer wieder durch spektakuläre Siege und Transfers auf. In einem Satz - der frühere Spaziergang deutscher Klubs bis in die Endrunde der Champions League ist beendet.

          „In der Champions League sind andere die Favoriten“, das hatte der Kieler Trainer Alfred Gislason schon vor der Saison gesagt. Neben klassischem Understatement des 56 Jahre alten Isländers steckte viel Wahrheit in diesem Satz. In einem packenden Spiel qualifizierte sich sein THW am Mittwochabend durch einen 36:29-Sieg über die Ungarn aus Szeged für das Viertelfinale. Dort wartet Ende April der FC Barcelona. Kiel erreichte zum zwölften Mal nacheinander die Runde der letzten acht. Eine stolze Bilanz, die noch dadurch aufgehübscht wurde, dass es neben dem Erfolg gegen Szeged eine zweite gute Nachricht vom THW gab.

          Am Dienstag hatte Geschäftsführer Thorsten Storm stolz den neuen Brustsponsor des THW vorgestellt. Seit 1979 hatte der Schriftzug einer norddeutschen Versicherung auf dem Kieler Trikot gestanden; zur neuen Saison wird der THW für eine polnische Tankstellenkette werben. Eine geschätzte Dreiviertelmillion Euro bringt das den Kieler pro Jahr ein - für hiesige Handballverhältnisse ist Storm ein dicker Fisch ins Netz gegangen. Erleichterung war bei ihm und dem THW zu spüren, denn der Haushaltplan für die Serie 2016/2017 dürfte wie in diesem Jahr bei 9,5 Millionen Euro stehen.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          In der Szene hatte man mit mehr spekuliert; es hielt sich das Gerücht, dass „Red Bull“ auf die Kieler Brust dränge. Dann wäre die Zehn-Millionen-Euro-Schallmauer sicher durchbrochen worden. „Wir haben uns finanziell deutlich verbessert“, sagte Storm schon jetzt und kündigte an, die schwarzweiße Gruppe um zwei Profis auf dann 16 Akteure zu vergrößern. Vier weitere junge Spieler werden den erweiterten Kader für die nächste Serie auf 20 Spieler erhöhen.

          Storm sagte: „Das machen wir allein schon aus gesundheitlichen Gründen.“ Mit dem für Kiel untypischen Hire-and-fire dieser Saison soll es dann auch ein Ende haben - zwölf Zugänge und acht Abgänge hat es in dieser Spielzeit gegeben. Oft mussten Storm und Gislason mit Nachverpflichtungen auf Verletzungen reagieren wie bei Wiencek, Klein und Weinhold. Aber auch eine schlechte Kaderplanung (Jicha, Lauge) und verfehltes Vertragsmanagement (Palmarsson) führten zu hoher Fluktuation. In Zukunft soll auf Ausfälle mit Spielern aus dem eigenen 20er-Kader reagiert werden.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Mit namhaften Bundesligaspielern wie Torwart Andreas Wolff und Linksaußen Raul Santos und internationalen Talenten wie dem 19 Jahre alten Nikola Bilyk und dem gleichaltrigen Lukas Nilsson wollen die beiden Kieler Macher vom Sommer an ein Team der Marke jung und erfolgreich bauen. In der kommenden Spielzeit wird aus der Mannschaft der perfekten Saison 2011/2012 nur noch Christian Sprenger übrig sein - damals holte der THW die Meisterschaft mit 68:0 Punkten.

          Aus dem Fokus der Kieler Einkäufer sind derweil die internationalen Topstars gerückt. Karabatic, Omeyer, Narcisse, Jicha, Palmarsson, Ilic - sie alle spielten mal beim THW und erlagen dann dem Lockruf des Geldes. In Kiel hat man sich mit den neuen Tatsachen abgefunden, und überhaupt: Was soll die nationale Konkurrenz sagen? Mit ihren jeweils etwa sechs Millionen Euro im Jahr machen es die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg dem THW vor, wie man mit deutlich weniger Geld erfolgreich sein kann. Die besten Aussichten im Kampf um den Titel haben vor dem Kieler Spiel in Hannover an diesem Sonntag (15.00 Uhr / Live bei Sport1 und im Handball-Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) die Löwen mit ihrem Mini-Kader.

          Weitere Themen

          Der VfB Stuttgart patzt wieder

          Zweite Liga : Der VfB Stuttgart patzt wieder

          Die nächste Pleite für den Aufstiegsfavoriten: Gegen Holstein Kiel verliert der VfB zu Hause und muss im nächsten Spiel zudem auf einen wichtigen Verteidiger verzichten. Der KSC indes zeigt eine spektakuläre Aufholjagd.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.