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Rhein-Neckar Löwen : Bundesliga-Handball in Hochgeschwindigkeit

  • -Aktualisiert am

Gut gebrüllt, Trainer: Sebastian Hinze drückt aufs Tempo. Bild: dpa

Die Rhein-Neckar Löwen melden sich mit neuem Trainer und einer neuen Spielidee in der Bundesliga-Spitze zurück – auch wenn das Spiel in Kiel verloren geht. Die nächste Meisterschaft ist in Planung.

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          Das Lob kam aus berufenem Munde. „Die Rhein-Neckar Löwen sind wieder zu einer Spitzenmannschaft gereift“, sagte Filip Jicha. Der Trainer des THW Kiel wirkte erfreut, dass der alte Rivale zurück ist – aber natürlich noch mehr darüber, dass seine Mannschaft die Löwen im Topspiel der Handball-Bundesliga am Sonntagnachmittag 32:29 bezwungen hatte.

          Nach starker erster Halbzeit scheiterte das Team des neuen Coaches Sebastian Hinze am Kieler Torwart Niklas Landin. Der Däne wehrte 16 Würfe ab und bescherte den Mannheimern die erste Saisonniederlage. Trotzdem wirkte Hinze zufrieden: „Wir haben ein Riesenspiel gemacht, aber zu viele freie Bälle liegen gelassen.“

          Der positiven Sichtweise schloss sich Patrick Groetzki an: „Wir sind auf einem guten Weg. Wir versuchen, unser Spiel gegen jeden Gegner 60 Minuten durchzuziehen. Wir haben wieder das Gefühl, gegen alle gewinnen zu können“, sagte der Rechtsaußen, der seit 15 Jahren für die Löwen spielt.

          Übergang wird zur Krise

          In der vergangenen Saison waren sie nämlich zu Kätzchen geschrumpft. 17 Niederlagen, darunter peinliche Pleiten, keine Trainerhandschrift, insgesamt eine Saison zum Vergessen: die schlechte Kaderplanung der vergangenen Jahre rächte sich, und die Mannheimer stürzten ab auf Rang zehn. Das war mehr als eine Warnung für den Meister von 2016 und 2017.

          Eigentlich hatte die Saison 2021/22 ein Übergangsjahr werden sollen, ehe der neue Cheftrainer übernehmen würde. Daraus wurde eine handfeste Krise. Hinze hatte schon im Frühjahr 2021 seine Zusage für den Sommer 2022 gegeben – nach zehn Jahren als Coach des Bergischen HC. Mit ihm soll das Experimentieren auf der Trainerbank ein Ende haben; das ist der Plan von Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

          Jennifer Kettemann ist die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen.
          Jennifer Kettemann ist die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen. : Bild: dpa

          Denn seit dem Abgang von Meistercoach Nikolaj Jacobsen lief nur noch wenig zusammen, was auch an den Trainer-Fehlgriffen lag, die sich Kettemann und Sportkoordinator Oliver Roggisch leisteten. Roggisch geriet unter Druck, denn auch von der Kaderstärke zählten die Löwen nicht mehr zu den Spitzenteams – trotz ihres Etats, der zu den höchsten der Liga gehört. Hauptkritiker des Missstands war ihr langjähriges „Gehirn“, der Schweizer Spielmacher Andy Schmid. Es knirschte vor Unzufriedenheit.

          Trotz der Niederlage im Duell mit Kiel: Fürs Erste scheint der Plan mit Hinze aufgegangen zu sein: Sieben Siege aus den ersten sieben Spielen bis zum Sonntag, darunter das 28:27 gegen die SG Flensburg und ein Hochgeschwindigkeitshandball, wie ihn die Liga selten sah.

          Neues Markenzeichen

          Das ist der Weg: „Wir hatten zu wenig Spieler, die das Tempospiel aus der Abwehr heraus initiieren und mitgehen können“, sagt Hinze. Also holte er sich Olle Forsell Schefvert und Halil Jaganjac für das Abwehrzentrum. Beide können vorn und hinten spielen, das Spiel antreiben – was durch die neue Anwurfregel, die den Handball noch schneller macht, unverzichtbar geworden ist. Dabei läuft vieles im Abschluss über Nationalspieler Jannik Kohlbacher am Kreis, eher wenig über die bekannte Flügelzange Groetzki und Gensheimer.

          In Kiel zeigte Hinzes Sieben einige Male dieses neue Markenzeichen; der THW kam gar nicht hinterher. Hinze hat noch einen anderen Grund genannt, warum die Löwen so aufs Tempo drücken – „im Positionsangriff fehlt uns im Vergleich zu den absoluten Spitzenmannschaften noch die individuelle Qualität“, sagt er.

          Davon war in der ausverkauften Arena zunächst wenig zu sehen. Zum einen lenkte Andy Schmids Nachfolger Juri Knorr das Spiel mutig und umsichtig, zum anderen fielen durchaus Tore der Rückraumspieler – allerdings meist im Durchbruch, nicht aus zehn, elf Metern. Die Löwen erweckten 30 Minuten lang den Eindruck, genau zu wissen, was sie tun müssen, um den Rekordmeister zu ärgern.

          16:12 führten sie in der 21. Minute. Joel Birlehm im Tor wehrte Würfe aus allen Positionen ab, und wäre Uwe Gensheimer nicht vier Mal an Landin gescheitert, hätten die Südwestdeutschen der Halle Stille verordnet. So aber kam der THW in bekannter Manier zum 18:18 zur Halbzeit, was die Fans goutierten, wenn auch weniger begeistert als das Detail kurz vor dem Anwurf, als der Verein verkündete, den Vertrag mit dem formstarken Abwehrchef Patrick Wiencek (33) bis 2025 verlängert zu haben.

          Dass der Jubel am Ende umso größer war, lag an Landin, an Eric Johannsons neun Toren und Rhein-Neckar Löwen, die ihr Tempo verloren. Trotzdem konnten sie dem Nachmittag mehrheitlich Gutes abgewinnen: „Wir haben verloren, aber von der ganzen Art und Weise, wie wir uns präsentieren, passt das schon“, sagte Patrick ­Groetzki bezogen auf Gegenwart und Zukunft: Die Stützen sind langfristig unter Vertrag, der Trainer genießt Vertrauen, und ein Fünf-Jahres-Plan ist ausgerollt, an dessen Ende wieder die Meisterschaft stehen soll.

          SC Magdeburg ist wieder Vereinsweltmeister

          Der deutsche Handball-Meister SC Magdeburg hat bei der Vereins-WM im saudi-arabischen Dammam seinen Titel erfolgreich verteidigt. Das Team von Trainer Bennet Wiegert gewann am Sonntag das Finale gegen den FC Barcelona mit 41:39 (35:35/21:17) nach Verlängerung. Beste Magdeburger Werfer waren Omar Ingi Magnusson mit zwölf Treffern sowie Lukas Mertens, Gisli Kristjansson und Daniel Pettersson mit jeweils sechs Toren. 

          Der SCM startete gut in die Partie, ließ aber auch einige Chancen liegen. Dennoch legten die Elbestädter zunächst immer zwei Tore vor. Nachdem Torhüter Nikola Portner gleich zwei Siebenmeter hintereinander entschärfte, gelang die erste Drei-Tore-Führung (12:9/19.) Zwar kämpften sich die Katalanen wieder heran, doch der SCM erkämpfte sich in der Abwehr immer wieder gekonnt die Bälle und konnte dank Lukas Mertens auf 14:11 (22.) davonziehen. Als Portner wieder zwei Hundertprozentige abwehrte, gelang Kreisläufer Magnus Saugstrup erstmals eine Vier-Tore-Führung (16:12/24.), die der SCM bis zur Halbzeit verteidigte. 

          Nach dem Wechsel spielte der SCM seine Schnelligkeitsvorteile und seine Variabilität im Spielaufbau aus und hielt den komfortablen Fünf-Tore-Vorsprung bis zur 38. Minute. Als Tim Hornke auf 26:20 erhöhte, nahm Barcelona eine Auszeit und stellte auf eine offensivere 5:1-Abwehrvariante um. Das zeigte Wirkung, Barcelona verkürzte auf zwei Tore (25:27/44.) und erzielte den 28:28-Ausgleich, weil der dänische Barca-Keeper Emil Nielsen plötzlich alles hielt. So wurde die Endphase nochmal spannend. Auch in der zehnminütigen Verlängerung war es zunächst ausgeglichen, bis Portner einen Siebenmeter von Wanne parierte und den 41:39-Endstand markierte. (dpa)

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