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Golf-Masters in Augusta : Der nette Mister Woods

  • -Aktualisiert am

Ungewohnt locker: Tiger Woods mit Caddy Bild: AP

Beim Comeback in Augusta präsentiert sich Tiger Woods locker wie nie zuvor. Auch wenn er vor der gegen Mitternacht endenden letzten Runde zehn Schläge Rückstand auf Spitzenreiter Jordan Spieth aufweist, widerlegt er die Zweifler.

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          Als Tiger Woods am Samstag seine Runde mit 68 Schlägen beendet hatte, verließen eine Menge Zuschauer den Platz des Augusta National Golf Club. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Spitzengruppe des 79. Masters gerade ihre zweite Schleife von neun Löchern begonnen. Diese Beobachtung sagt alles über das Faszinosum Woods. Für viele Fans ist Golf ohne den Superstar nicht sehenswert. Der Tiger ist noch immer der Mann, der nicht nur in seiner amerikanischen Heimat Golf zu einem Ereignis macht, der Einschaltquoten, aber auch die Schwarzmarktpreise für Tickets in die Höhe treibt.

          Die Preise für die Masters-Eintrittskarten stiegen, nachdem Woods seine Teilnahme am Freitag der Vorwoche angekündigt hatte, für das Tagesticket auf Summen zwischen 1200 und 1500 Dollar. Dabei kosten die nur einem seit Jahren geschlossenen Kreis zugänglichen Dauerkarten für alle vier Tage regulär nur 325 Dollar.

          Zehn Schläge zurück

          Immerhin war der einstige Dominator beim ersten Major des Jahres nach dem sogenannten „Moving Day“, dem Tag, an dem sich die Spieler für die letzten Runde in Stellung bringen, gemeinsam mit dem nordirischen Weltranglistenersten Rory McIlroy und drei weiteren Spielern auf den geteilten fünften Platz vorgerückt. Aber die beiden wiesen schon zehn Schläge Rückstand auf den souveränen Spitzenreiter Jordan Spieth auf, der mit vier Schlägen Vorsprung vor dem Engländer Justin Rose und fünf vor dem Amerikaner Phil Mickelson am Sonntag auf die Schlussrunde geht.

          Das größte Defizit, das je ein Golfer nach 54 Löchern beim Masters wettmachte, sind die acht Schläge, die der Amerikaner Jack Burke 1956 aufholte. Angesichts dieser Ausgangslage dürften die beiden sich kaum noch Chancen ausgerechnet haben, in den Kampf um das grellgrüne Siegerjackett eingreifen zu können.

          Manko bei den Abschlägen

          Und doch hat Woods in der Woche im Südstaat Georgia mehr erreicht, als ihm viele zutrauten. Der 39 Jahre alte Amerikaner widerlegte alle Zweifler, die ihn schon abgeschrieben hatten. Er belehrte ebenso alle Experten, die bei ihm die Golferkrankheit „Yips“, ein unwillkürliches Muskelzucken, bei kurzen Annäherungsschlägen (Chips und Pitches) diagnostiziert hatten, eines Besseren. Sein sogenanntes „kurzes Spiel“ rund um und auf den Grüns war an den ersten drei Tagen vorzüglich – und das auf einem Platz, der in diesem Bereich des Spiels die allerhöchsten Anforderungen stellt.

          Faszination Woods: Die Zuschauer kommen weiter wegen des Superstars
          Faszination Woods: Die Zuschauer kommen weiter wegen des Superstars : Bild: dpa

          Wenn bei Woods noch ein spielerisches Manko festzustellen war, dann, wie bei ihm fast schon gewohnt, bei den Abschlägen. Am Freitag spielte er die ersten neun Löcher mit vier unter Par so brillant wie an seinen besten Tagen und hatte fast an jedem Loch eine reelle Birdiechance. Erst einige verzogene Drives im zweiten Teil der Runde kosteten ihn ein noch besseres Ergebnis. „Mein Gefühl kehrt zurück. Dies ist einer der schwersten Plätze für ein Comeback, weil man bei fast keinem Schlag durch die vielen Wellen einen ebenen Stand hat“, bilanziert Woods seine Rückkehr nach einer zweimonatigen freiwilligen Zwangspause.

          Locker wie nie

          Aber nicht nur sportlich hat Woods überrascht. In der vergangenen Woche präsentierte sich ein ganz anderer Woods. Der verbissene Wettkämpfer, der jahrelang wie mit Scheuklappen über den Platz ging, der in Pressekonferenzen für seine einsilbigen Antworten gefürchtet war, schien auf einmal eine Charme-Offensive zu starten. Die Kollegen begrüßte er fast alle bei seiner Ankunft am Montag mit Umarmungen. Selbst auf der Runde ließ er sich auf kurze Wortwechsel mit den Fans ein, eine bei Woods noch nie erlebte Lockerheit.

          In der Pressekonferenz gab er sogar Privates preis, erzählte, wie seine Kinder, während er trainierte, Fangen spielten, wie er seine fußballerischen Fähigkeiten in den Kicks mit seinen acht und sechs Jahre alten Sprösslingen verbessert habe. Tochter Sam und Sohn Charlie durften dann beim Par-3-Wettbewerb am Mittwoch dem Herrn Papa unter Aufsicht der Lebensgefährtin, der Skirennläuferin Lindsey Vonn, als Caddies dienen. Es war das erste Mal seit 2004, dass Woods an diesem bei den Fans sehr beliebten Jux-Wettbewerb auf dem benachbarten Kurzplatz teilnahm.

          In den vergangenen Wochen hatten einige ehemalige Kollegen, die im Fernsehsender Golf Channel als sogenannte Analysten ihre Meinung zur Krise des Tigers äußerten, darauf hingewiesen, dass Woods mit der Annäherung an Konkurrenten – wie an den ebenfalls bei Nike unter Vertrag stehenden McIlroy oder Ryder-Cup-Kameraden – auch ein bisschen von seiner Aura verloren habe. In Augusta hat der nette Mr. Woods bewiesen: Man kann Nähe zu Fans und Konkurrenten zulassen und trotzdem gut spielen.

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