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Corona-Fall bei Golfturnier : „Absoluter Zoo“

  • Aktualisiert am

Darf als ehemaliger Sieger auch mit 62 Jahren noch gegen die Weltelite antreten: Bernhard Langer Bild: USA TODAY Sports

Beim Golfturnier in Hilton Head Island wird Nick Watney wegen Corona isoliert. Kollege Justin Thomas kritisiert, dass die Menschen im Urlaubsparadies die Gefahr scheinbar nicht ernst nehmen.

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          Bernhard Langer spielte gerade wieder Turniergolf. Der Routinier aus Anhausen, der in Boca Raton in Florida lebt, war bei der RBC Heritage der PGA Tour auf den Harbour Town Links in Hilton Head Island aktiv. Langer durfte, weil er dieses Turnier 1985 in der Woche nach seinem ersten Masters-Erfolg gewonnen hatte, als ehemaliger Sieger gegen die wieder fast komplett versammelte Weltelite antreten. Allerdings war er nach drei Runden nur an Position 63 gelegen.

          Zu diesem Zeitpunkt war der Amerikaner Nick Watney schon nicht mehr dabei – er wurde bei der RBC Heritage laut Mitteilung der US-Tour positiv auf das Coronavirus getestet. Er trat nicht mehr zur zweiten Runde an und muss sich nun nach den Regeln der PGA Tour mindestens zehn Tage selbst isolieren. Der fünfmalige PGA-Tour-Sieger war bei der Ankunft noch negativ getestet worden. Am Freitag hatte er dann Symptome gespürt und einen Arzt konsultiert. Die Personen, die engen Kontakt zu dem Kalifornier hatten, wurden untersucht. Am Samstag teilte die PGA-Tour mit, dass alle elf Tests negativ ausgefallen seien.

          Watney hatte die erste Runde mit seinen Landsleuten Vaughn Taylor und Luke List bestritten. „Ich war ein wenig schockiert, um ehrlich zu sein“, sagte Taylor, nachdem er von dem positiven Ergebnis seines Kollegen erfahren hatte. „Das Herz begann zu rasen, und ich wurde etwas nervös.“ Der Weltranglisten-Dritte Justin Thomas kritisierte, dass die Menschen im Urlaubsparadies Hilton Head Island die Corona-Gefahr „nicht sehr ernst“ zu nehmen scheinen. „Es ist ein absoluter Zoo hier. Überall sind Menschen. Die Strände sind absolut voll. Jedes Restaurant, an dem ich vorbeigefahren bin, ist absolut überfüllt.“

          Positiv auf Corona getestet: Nick Watney.
          Positiv auf Corona getestet: Nick Watney. : Bild: AP

          Der beste deutsche Golfer, Martin Kaymer, muss sich – anders als Langer oder Thomas – dagegen weiter damit begnügen, für seinen nächsten Auftritt zu trainieren, und der liegt noch in einiger Ferne. Da der frühere Primus der Branche 2010 die PGA Championship gewann, ist er auch in diesem Jahr für dieses Major qualifiziert, das wegen der Covid-19-Pandemie vom ursprünglich geplanten Termin im Mai auf Anfang August verlegt wurde. Auf dem Platz von TPC Harding Park in San Francisco trifft sich die Weltelite Anfang August, allerdings ohne Zuschauer.

          Als Profisportler darf Kaymer zwar im Gegensatz zu Touristen in die Vereinigten Staaten einreisen, muss sich aber nach der Ankunft in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. „Ich muss deshalb spätestens zweieinhalb Wochen vor Turnierbeginn nach Amerika fliegen, damit ich wenigstens noch ein paar Tage vor dem Start trainieren kann“, sagte Kaymer.

          Ob und welches Turnier Kaymer nach seiner Rückkehr aus Amerika spielt, will er spontan entscheiden, zumal nach derzeitigem Stand auch nach der Einreise ins Vereinigte Königreich, in dem bis Mitte Oktober alle Veranstaltungen der European Tour ausgetragen werden, eine zweiwöchige Quarantäne verlangt wird. Sicher ist: Kaymer wird auch bei den US Open vom 17. bis 20. September im Winged Foot Golf Club in Mamaroneck im Bundesstaat New York mit von der Partie sein.

          Durch seinen überlegenen Sieg im Jahre 2014 – der bisher letzte seiner Karriere – erwarb er eine zehnjährige Startberechtigung für das zweitälteste Major. Zuletzt spielte Kaymer beim Qatar Masters Anfang März, bei dem er den Cut verpasste und danach in seinen Wohnort Düsseldorf reiste. Als wegen des Lockdowns am 23. März auch die Golfplätze schlossen, ließ es er sich einen TrackMan-Simulator in seinem Heim einrichten. So konnte Kaymer alle Golfschläge üben. Nachdem die Golfplätze wieder öffneten, erwarb er eine Mitgliedschaft im Golf Club Gut Lärchenhof in Pulheim, um die Übungseinrichtungen dieses Platzes nutzen zu können. In Zeiten der Pandemie nahm Kaymer auch an einer virtuellen Turnierserie teil – er wurde Vierter. Danach spendete er 50.000 Euro für die arg betroffenen italienischen Regionen und startete im Internet eine Sammelaktion, bei der noch einmal 17.000 Euro zusammenkamen.

          Das Geld überbrachte er persönlich, fuhr die rund tausend Kilometer mit dem Auto nach Bergamo und in die Toskana – zu einer Zeit, als er in Österreich keinen Stopp einlegen durfte. Immerhin: Er wird sich demnächst wieder dem Wettbewerb stellen können. Auch wenn die Szene durch die Causa Watney aufgerüttelt wurde. Der Weltranglisten-Erste Rory McIlroy sagte dazu: „Es ist ein Fall. Und solange es dabei bleibt, können wir weiterspielen.“

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