CHIO in Aachen : „Ich will keine Pferde mehr fliegen sehen“

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter gewinnen beim CHIO in Aachen. Doch einen Monat nach dem Tod von Benjamin Winter trägt die Szene Trauer und diskutiert über Sicherheit. Dressurpferd Totilas siegt unterdessen zum achten Mal in Folge.
Wenn der CHIO in Aachen in die Schlusskurve einbiegt, taucht plötzlich ein ganz eigenes Völkchen auf in der Soers: die Vielseitigkeitsreiter. Sie sind drahtiger als ihre Kollegen von Dressur und Springen, ihre Pferde auch. In diesem Jahr gibt es noch einen Unterschied: Es scheint, als trüge die ganze Szene einen unsichtbaren Trauerflor. Erst gut einen Monat ist es her, dass einer von ihnen beim Geländeritt in Luhmühlen tödlich verunglückt ist: Benjamin Winter, erst 25 Jahre alt, ein sympathischer Kerl mit schwarzem Lockenkopf. Die Erinnerung an seinen schrecklichen Sturz begleitet sie überall hin, auch wenn sie sich auf ihren Wettbewerb konzentrieren müssen wie am Freitag und Samstag in der Soers, wo die Jagd über Hecken und Baumstämme, durch Wasser und das Eulenloch weiter ging. Aber wie groß die Nervosität derzeit ist, zeigte die Tatsache, dass nach einem harmlosen Sturz der Irin Jayne Doherty das betreffende Hindernis 18, ein Buschoxer, kurzerhand gestrichen wurde. Die deutsche Mannschaft (Michael Jung mit Sam, Sandra Auffarth mit Opgun Louvo, Dirk Schrade mit Hop and Skip und Peter Thomsen mit Barny) gewann in Aachen nach Dressur, Parcoursspringen und Geländeritt, Sandra Auffarth war zudem Erste in der Einzelwertung vor Ingrid Klimke mit Escada und Jung, die Aussichten bei den Weltmeisterschaften im Spätsommer in der Normandie sind also bestens, auch ohne Winter. Doch der Bundeswehrsoldat, der in der Reiterzentrale in Warendorf bekannt war wie ein bunter Hund, galt als Modellfall für die deutsche Talentförderung. Er war einer der Top-Kandidaten für Olympia 2016 in Rio.





