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Neururer bei Wattenscheid 09 : „Zurück in die Vergangenheit“

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Alter Bekannter mit neuem Job: Peter Neururer wird Sportdirektor bei Wattenscheid 09 Bild: dpa

Peter Neururer ist wieder im Fußball-Geschäft: Das „Kind der Ruhrgebiets“ soll dem einstigen Bundesligaklub Wattenscheid 09 als Sportdirektor zu neuem Glanz verhelfen – und sich selbst wohl auch.

          Von Bochum nach Wattenscheid wechseln, das geht im Ruhrgebiet eigentlich nicht. „In Bochum darf man nicht sagen, dass Wattenscheid ein Teil der Stadt ist. Umgekehrt auch nicht“, sagt Peter Neururer, ein „Kind des Reviers“, das noch immer mitten im Pott wohnt. Neururer geht den Weg dennoch. Fast fünf Jahre nach seiner Entlassung beim VfL soll der 63-Jährige dem alten Rivalen und Nachbarn Wattenscheid 09 zu neuem, altem Glanz verhelfen.

          „Wattenscheid ist noch immer eine großer Name. Der Klub muss zurück in die Vergangenheit“, sagt Neururer, der am Donnerstag als neuer Sportdirektor vorgestellt wurde, dem Sport-Informations-Diest (sid). Von 1990 bis 1994 spielte die SG in der Bundesliga, durfte sich Heimat der „besten Stadionwurst Deutschlands“ nennen. Inzwischen kämpft der Klub gegen den 1. FC Kaan-Marienborn und TV Herkenrath um den Klassenerhalt in der Regionalliga West. Nach 24 Spieltagen steht Wattenscheid 09 auf Rang 14, nur drei Punkte entfernt vom Abgrund Oberliga.

          Das soll sich ändern. „Es geht darum, zunächst die Liga zu halten und dann etwas aufzubauen – so schnell wie möglich“, sagt Neururer, der ebenso wie sein neuer Verein einen halbwegs klangvollen Namen in der Branche trägt, allerdings leicht ramponiert – und die größeren Zeiten liegen auch ein paar Jährchen zurück.

          Den VfL Bochum in den Uefa-Cup geführt

          Peter Neururer, der selbst nur in der Amateur-Oberliga kickte, trainierte viele namhafte Vereine in der ersten und zweiten Bundesliga, erwarb sich dabei zunächst den Ruf des „Feuerwehrmanns“, der nur kurzfristig Erfolg hat. Bei Rot-Weiß Essen und Alemannia fing der bekennende Schalke-Fan Ende der 80er Jahre an, selbst seinen königsblauen Lieblingsverein trainierte er ein gutes Jahr lang. Es folgten Episoden unter anderem bei Hertha BSC Berlin, dem 1. FC Saarbrücken und Hannover 96 sowie beim 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf. Längerfristigen Erfolg hatte Neururer vor allem mit mit dem VfL Bochum, den er 2004 in den Uefa-Cup führte.

          Neururer kennt auch die Begebenheiten in Wattenscheid bestens, auch wenn er „früher nie in schwarz-weißer Bettwäsche geschlafen hat“. Mit Trainer Farat Toku versteht er sich seit gemeinsamen Bochumer Tagen, und auch Josef Schnusenberg ist für Neururer ein bekanntes Gesicht. Der ehemalige Schalke-Präsident will sich am 29. März den SG-Mitgliedern zur Wahl stellen. Schnusenberg war es auch, der Neururer den Job anbot.

          „Ich habe hier eine Position einnehmen dürfen, mit der ich eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechnet habe“, sagt Neururer: „Ich hatte das Ziel, in Deutschland zu arbeiten, mehr oder weniger aufgegeben. Ich wollte ins Ausland gehen, weil ich Deutschland keine Perspektive für mich selber und keine interessierte Gesellschaft um mich herum vorgefunden habe.“ Das Angebot aus Wattenscheid ließ Neururer umschwenken.

          Leicht wird die Aufgabe nicht. Im vergangenen Sommer waren Wattenscheids hochfliegende Pläne, als „digitalisiertester Verein Europas“ Millionen zu verdienen, geplatzt. Im Januar wendete der Klub das finanzielle Aus mit Mühe und Not ab. „Ich habe das mit Schrecken verfolgt. Die finanziellen Probleme sind zum Glück überwunden. Der Verein hat die Zeichen der Zeit erkannt. Ich will hier meine Erfahrung von mehr als 600 Bundesligaspielen einbringen“, sagt Neururer.

          Und so wird er künftig wieder von seinem Wohnsitz in Gelsenkirchen zur Arbeit nach Wattenscheid fahren, dem Bochumer „Stadtbezirk 2“, wie der Ort seit der Gebietsreform 1975 formell bezeichnet wird. „Umziehen muss ich also nicht“, sagt Neururer, dem folglich auch die in Wattenscheid durchaus heikle Wahl des Autokennzeichens zwischen „BO“ und „WAT“ erspart bleibt.

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