https://www.faz.net/-gtl-9810l

Reaktionen auf Mertesacker : „Absolut legitim, auch die negativen Seiten zu benennen“

  • Aktualisiert am

Andres Iniesta litt unter dem Tod seines Freundes Dani Jarque – und traf danach mit Widmung im WM-Finale 2010. Bild: Reuters

Nachdem Per Mertesacker über den extremen Druck im Fußball sprach, berichten auch andere prominente Spieler über ihre Erfahrungen. Darunter ist auch der Torschütze in einem WM-Finale.

          2 Min.

          In Spanien und Portugal haben mehrere Fußballstars in ihren Profikarrieren ähnliche leidvolle Erfahrungen gemacht wie der 104-malige deutsche Nationalspieler Per Mertesacker. Unter dem Titel „Wenn der Fußball zum Albtraum wird“ zitierte das Madrider Sportblatt „Marca“ am Montag unter anderem den früheren Weltmeister Andrés Iniesta, den früheren Mainzer Bojan Krkic oder den Portugiesen André Gomes, der 2016 mit seiner Nationalelf die EM gewann.

          „Manchmal wollen die Bilder von einem Spiel ein oder zwei Tage später nicht aus dem Kopf verschwinden“, sagte Mittelfeldspieler Gomes, der beim FC Barcelona unter Vertrag steht. „Ich wollte nicht aus dem Haus auf die Straße zu gehen, weil ich Angst hatte, dass mich jemand erkennen würde.“ Gomes’ Landsmann Fábio Coentrão berichtete von seiner Zeit bei Real Madrid: „Ich habe mich als das hässliche Entlein gefühlt, weil die Leute meine Leistungen nicht anerkannt haben. Dabei macht Vertrauen für einen Fußballer 50 Prozent (der Leistungsfähigkeit) aus.“

          Der Barça-Regisseur Iniesta geriet nach dem Tod seines Freundes Dani Jarque von Espanyol Barcelona im Jahr 2009 in eine schwere Krise. „Das Schlimmste war, dass man nicht wusste, was mit mir los war“, berichtete Iniesta in einem autobiografischen Buch. „Die Verbindung zwischen Geist und Körper funktionierte nicht mehr.“ Bojan Krkic, der in der vorigen Saison von seinem Klub Stoke City an den Bundesligaverein FSV Mainz 05 ausgeliehen worden war, hatte laut „Marca“ 2008 als damaliges Talent beim FC Barcelona aus Angst auf die Teilnahme an der EM verzichtet. „Ich habe nicht die Kraft“, sagte der Angreifer dem damaligen Nationaltrainer Luis Aragonés. „Es ging mir sehr dreckig. Mir war fünf Monate lang jeden Tag schwindelig.“

          Auch aus Deutschland gibt es noch immer aktuelle Reaktionen auf Mertesackers Aussagen. Der ehemalige Fußballprofi Marcell Jansen bezeichnet die Statements des Weltmeisters als authentisch und ehrlich. „Ich habe großen Respekt vor den Aussagen, die Per geäußert hat“, sagte Jansen der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag). „Per ist ein echter Führungsspieler, der auch eine Vorbildfunktion für junge Fußballer hat.“ Es sei absolut legitim, auch die negativen Seiten des Sports zu benennen. „Sonst bist du kein gutes Vorbild“, sagte Jansen.

          Mertesacker hatte am Wochenende dem „Spiegel“ erzählt, dass er noch heute vor jedem Spiel Durchfall und Brechreiz verspüre. Über das „Sommermärchen“ von 2006 äußerte sich der Verteidiger des FC Arsenal so: „Der Druck hat mich aufgefressen. Dieses ständige Horrorszenario, einen Fehler zu machen, aus dem dann ein Tor entsteht.“ Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hatte ihn daraufhin scharf kritisiert und ihm seine Vorbildfunktion abgesprochen. „Wie will er nach diesen Aussagen weiter im Profifußball tätig sein? Er hat doch die Idee, im Nachwuchs zu arbeiten. Wie will er einem jungen Spieler diese Professionalität vermitteln, wenn er sagt, dass da zu viel Druck ist? Das geht nicht“, sagte Matthäus. Mertesacker wird seine Karriere am Ende der Saison beenden und bei seinem derzeitigen Verein FC Arsenal die Leitung der Nachwuchsakademie übernehmen.

          Der ehemalige Fußballprofi Marcell Jansen bezeichnete die Aussagen von Mertesacker als authentisch und ehrlich. „Ich habe großen Respekt vor den Aussagen, die Per geäußert hat“, sagte Jansen der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Per ist ein echter Führungsspieler, der auch eine Vorbildfunktion für junge Fußballer hat.“ Es sei absolut legitim, auch die negativen Seiten des Sports zu benennen. „Sonst bist du kein gutes Vorbild“, sagte Jansen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.
          Im Wahlkampf: Der Kanzlerkandidat der Union und CDU-Vorsitzende Armin Laschet

          Wahlprogramm der Union : Adenauer reicht nicht mehr

          Vielleicht wäre es Armin Laschet am liebsten gewesen, einfach Wahlkampfplakate mit den Worten „Keine Experimente!“ zu bedrucken – und abzuwarten, wie sich die Konkurrenz um Kopf und Kragen redet. Tatsächlich muss er mehr tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.