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Frauenfußball : Zeichen der neuen Zeit

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Hoch hinaus: Dzsenifer Marozsan (l.) will in Lyon noch besser werden - und besser verdienen Bild: dpa

Die Weltspitze spielt anderswo: Dzsenifer Marozsan verlässt den 1. FFC Frankfurt. In Lyon muss sie sich weiter entwickeln, wenn sie eine internationale Spitzenspielerin werden will.

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          Die Nachricht, dass Dzsenifer Marozsan den 1. FFC Frankfurt verlässt, hatte eigentlich keinen Neuigkeitswert mehr. Zu deutlich standen die Zeichen schon seit Wochen auf Trennung, zu wenig Geheimnistuerei machten Spielerinnen und Klub um die Entscheidung. Dzsenifer Marozsan wird sich nach Vertragsende im Spätsommer nach den Olympischen Spielen Olympique Lyon anschließen. Dem „Branchenprimus“, wie FFC-Manager Siegfried Dietrich sagt, dem Klub, dessen Frauensparte „zu den in allen Bereichen am besten aufgestellten gehört“.

          Der Verlust der Nationalspielerin nach sieben Jahren ist Teil der Entwicklung, dass der FFC mit seinem wirtschaftlichen und sportlichen Status quo nicht mehr die Stars und Sternchen des Weltfrauenfußballs anzulocken beziehungsweise zu halten vermag. Für Dzsenifer Marozsan ist es ein Wechsel zu ihrem Traumziel mit Verspätung. Schon im Sommer 2014 versuchte die Offensivspielerin mit der besonderen technischen Begabung auf äußerst plumpe Art und Weise - schlecht beraten und schlecht verhalten -, einen Wechsel zu einem der französischen Großklubs zu betreiben. Paris Saint-Germain bot damals, so heißt es aus informierten Kreisen, 75.000 Euro Ablöse. Doch Dietrich blieb stur und verwehrte Dzsenifer Marozsan, die er schon als Siebzehnjährige vom 1. FC Saarbrücken abgeworben hatte, die Freigabe.

          Auf dem Weg an die Spitze

          Der FFC-Manager konnte sich damals zugutehalten, dass er 2013 dem Supertalent des deutschen Frauenfußballs noch einmal einen Dreijahresvertrag zu ähnlichen Konditionen schmackhaft hatte machen können. Von unter 3000 Euro brutto im Monat ist die Rede - nebenbei ein Beispiel dafür, wie weit die besten Frauen vom Gehalt selbst von männlichen Drittligaspielern entfernt liegen. Beim Champions-League-Finalisten Lyon wird Dzsenifer Marozsan wohl im unteren fünfstelligen Bereich im Monat verdienen und damit zu einer des bestbezahlten Spielerinnen des Kontinents aufsteigen.

          Zu einer der besten Spielerinnen Europas im offensiven Mittelfeld hat sie sich beim FFC entwickelt. Dennoch sollen die zunächst zwei Jahre in Lyon für die 24-Jährige auch eine Zeit der Reife werden. Als Spielerpersönlichkeit den Schritt in die absolute Weltklasse zu gehen ist ihr zuzutrauen. Doch vorgezeichnet ist der Weg nicht. Zu wankelmütig gerieten in den vergangenen Jahren häufig ihre Leistungen in Bezug auf ihr immenses Potential, zu problembehaftet manche Phasen ihres Frankfurter Wirkens. Schwierigkeiten mit der Fitness, zu wenig Dominanz in den wirklich wichtigen Spielen, unzufrieden mit der Position, in der die wechselnden FFC-Trainer sie am besten aufgehoben sahen - Dzsenifer Marozsan stand sich nicht selten auch ein wenig selbst im Weg.

          Enorme Schusstechnik

          Dass in ihrer Frankfurter Ära, die nach dem Gewinn des Triples 2008 begann, kein einziger Meistertitel fiel (aber immerhin zwei Pokalsiege und der Champions-League-Triumph 2015), passt in gewisser Weise dazu. Andererseits hat Dzsenifer Marozsan, die in der Bundesliga mit dem FFC an diesem Mittwoch (18.15 Uhr, Brentanobad) auf den USV Jena trifft, mit ihrer enormen Schusstechnik und -kraft in 163 Einsätzen in allen Wettbewerben 50 Tore für den FFC erzielt. Ihre Spielweise hat an guten Tagen etwas tänzerisch leichtes, ihre Ballbehandlung ist sehenswert.

          70 Prozent des aktuellen Kaders werden auch in der neuen Saison für den FFC spielen, betonte Dietrich. Doch scheint es nicht unwahrscheinlich, dass mit Simone Laudehr und Saskia Bartusiak zwei weitere Auswahlspielerinnen und prägende Gesichter des Klubs ihre Verträge nicht verlängern werden. „Konkurrenzfähig sein auf bezahlbarem Niveau“ lautet Dietrichs Losung für die nähere Zukunft. „Wir werden uns nicht abhängig machen von zwei, drei Topnamen.“

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