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Dritte Liga : Ein Hauch von Aufschwung Ost

  • -Aktualisiert am

Süßer Derbysieg: Der Hallesche FC steht in der Dritten Liga gut da. Bild: Imago

Das Ost-West-Gefälle im deutschen Profifußball spiegelt die gesellschaftliche Realität. Traditionsklubs aus der DDR erleben zwar eine kleine Renaissance – doch die gemeinsame Basis ist fragil.

          5 Min.

          Es war ein umkämpftes Spiel zwischen Hansa Rostock und Energie Cottbus, das rund 20.000 Zuschauer ins Ostseestadion zog, und somit die Anziehungskraft der beiden ostdeutschen Traditionsklubs untermauerte. „Gerade Ostderbys haben immer einen speziellen Reiz“, sagt Robert Marien, Vorstandsvorsitzender von Hansa Rostock nach der 0:2-Niederlage seines Drittligaklubs. Und davon gab es am vergangenen Wochenende gleich zwei in der dritten Liga: Zeitgleich besiegte der Hallesche FC den FSV Zwickau ebenfalls mit 2:0.

          Der Spieltag mit den beiden Ostderbys fällt in eine Zeit, in der um die zukünftige Struktur der dritten Liga gerungen wird. Es geht in der Debatte vor allem um neue Regeln für die Aufsteiger aus den Regionalligen. Dabei schwingt, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, aber durchaus auch die Frage nach dem Verhältnis zwischen Ost und West mit. Die Diskussion könnte nämlich in eine Auflösung der Regionalliga Nordost münden, die das Gebiet der ehemaligen DDR-Oberliga umfasst.

          Ohnehin deutet eine Umfrage dieser Zeitung unter den fünf ostdeutschen Vereinen der dritten Liga auf eine im Profifußball bestehende Ungleichheit zwischen Ost und West hin. Dabei nutzen einige die Plattform, die ihnen die dritte Liga seit deren Einführung vor zehn Jahren bietet, um den Abstand zu potenten westdeutschen Klubs zu verringern.

          „Nach fast 30 Jahren sollte es in der Herangehensweise keine großen Differenzen zwischen Ost und West mehr geben“, sagt Rainer Milkoreit, der bis vor wenigen Tagen Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes war. Die Ost-West-Frage sei kein bestimmendes Thema im Verband. Milkoreit verweist darauf, dass von den 56 Vereinen der drei deutschen Profiligen immerhin elf aus dem Verband Nordost stammten. Allerdings relativiert sich diese Einschätzung, wenn man die beiden Erstligaklubs Hertha BSC Berlin und RB Leipzig, die über keine typisch ostdeutsche Vereinstradition verfügen beziehungsweise im Leipziger Fall erst in jüngerer Zeit investorengetrieben entwickelt wurden, in der Betrachtung hintanstellt. Dann fehlt es an Präsenz in der Spitze. Zudem räumt Milkoreit Nachteile bei den ökonomischen Voraussetzungen für die Profiklubs im Osten ein.

          Doch woraus resultiert dieses Gefälle? Nach der Wiedervereinigung, in der Saison 1991/92, integrierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die ostdeutschen Spitzenvereine in die Bundesliga. Für eine Runde wurde die Bundesliga dafür von 18 auf 20 Vereine aufgestockt. Die zwei Zusatzplätze gingen an Hansa Rostock und Dynamo Dresden. Während Rostock unmittelbar abstieg, setzte bei den Dresdnern wenig später ein sportlicher und wirtschaftlicher Zerfall ein. Gleichzeitig warben die finanzstarken westdeutschen Klubs viele Topfußballer aus der ehemaligen DDR-Oberliga an. Marien spricht aus der damaligen Sicht des Ostens vom „Ausverkauf der Spieler“. Die Startvoraussetzungen nach der Wiedervereinigung seien für ostdeutsche Klubs deutlich schlechter gewesen als die für westdeutsche, die in ihren bekannten Strukturen agiert hätten.

          „Kleine Renaissance bestimmter Vereine“

          Obwohl es dem heutigen Drittligaklub Rostock zwischenzeitlich gelungen sei, insgesamt zehn Jahre in der Bundesliga zu spielen, bleibt Marien bei dem Befund. Anfangs habe es für die ostdeutschen Vereine kaum die notwendige Zeit dafür gegeben, sich in den deutschen Profifußball und vor allem in das Wirtschaftssystem Bundesliga einzufinden. Erst heute sei erkennbar, dass der ostdeutsche Fußball den Rückstand aufhole. Dabei gebe es eine „kleine Renaissance bestimmter Vereine“. Union Berlin hat sich in der Zweiten Bundesliga etabliert, vor einem halben Jahr ist der 1. FC Magdeburg, der 2015 noch in der Regionalliga spielte, dorthin aufgestiegen. Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden spielen aktuell ebenfalls in der zweiten Liga.

          Hansa Rostock jubelte schon mal höher: Immerhin zehn Jahre Bundesliga-Fußball haben die Hanseaten vorzuweisen.

          Das Ost-West-Gefälle im deutschen Profifußball spiegelt die gesellschaftliche Realität. Zuletzt forderte die Ministerpräsidentenkonferenz Ost die Bundesregierung dazu auf, sich im Zuge der Debatte um gleichwertige Lebensverhältnisse stärker für Standortentscheidungen von Bundesbehörden und EU-Institutionen in den ostdeutschen Bundesländern einzusetzen. Mit Sport hat das nichts zu tun. Doch die Forderung nach einem strukturellen Ausgleich birgt durchaus Parallelen zum Fußball. Auf Nachfrage dieser Zeitung verweisen die Bosse ostdeutscher Drittligaklubs immer wieder darauf, dass sich die Zentralen vieler Großunternehmen eher in den westlichen Bundesländern befänden. Damit gehe, was etwa die Entscheidung für ein Sponsoring betreffe, eine gewisse Affinität zu westdeutschen Fußballmarken einher.

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