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Zuber kommt nach Frankfurt : Ein Mann für viele Fälle

  • -Aktualisiert am

Alles, nur kein Außenverteidiger: Steven Zuber hat klare Pläne. Bild: Jan Huebner

Mijat Gacinovic geht, Steven Zuber kommt: Die Eintracht verspricht sich vom Spielertausch mit Hoffenheim eine Verstärkung auf mehreren Positionen.

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          An den Bundesliga-Standorten Hoffenheim und Frankfurt passierte am Dienstag nach Auffassung von Alexander Rosen Ungewöhnliches. Die „Transaktion“ zwischen der TSG und der Eintracht, von der der Hoffenheimer Sportdirektor sprach, ordnete er als „eine Rarität in der Bundesliga“ ein. Auf beiden Seiten ist jeweils ein Fußballprofi gegangen und einer dazugekommen – unter dem Strich stand ein Spielertausch, den beide Klubs auf die Minute genau um 11 Uhr verkündeten. Die Eintracht verpflichtete den 28 Jahre alten Schweizer Nationalspieler Steven Zuber.

          Europa League

          Er erhielt einen Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2023. Im Gegenzug verließ Mijat Gacinovic nach fünf Jahren und 157 Pflichtspielen für die Hessen seinen Arbeitsplatz und schloss sich der Mannschaft aus dem Kraichgau an. Dort unterschrieb der 25 Jahre alte Offensivspieler, der zu den dienstältesten Profis in Frankfurt gehörte, einen Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2024. Gut möglich, dass die Eintracht eine kleine Ablöse bekommen hat, weil der Marktwert von Gacinovic im Vergleich zu Zuber höher eingeschätzt wird.

          „Schwierigste Entscheidung meines Lebens“

          „Die Eintracht zu verlassen ist wirklich die schwierigste Entscheidung meines Lebens“, sagte Gacinovic, nachdem er seinen bis 2022 gültigen Vertrag aufgelöst hatte. Der Serbe, der ein Publikumsliebling war und der mit seinem Sprinttor zum 3:1 im 2018 gewonnenen DFB-Pokalfinale gegen Bayern München Kultstatus erlangte, stellte in Aussicht, nach seiner Karriere in Frankfurt zu leben.

          Zuber, der Neuankömmling in Frankfurt, blickt in seiner sechsjährigen Zeit für die TSG auf 96 Bundesligaspiele zurück, in denen ihm neun Tore gelangen. Fünf Champions-League-Partien mit einem Treffer sowie vier Europa-League-Spiele werten seine Fußball-Vita international auf. „Wir verlieren eine echte Konstante in unserem Kader, gewinnen aber mit Mijat einen hochspannenden Spieler mit einem Profil dazu, das wir so zuletzt nicht hatten“, sagte Rosen. Die Eintracht sieht den Mehrwert, der für sie durch die Verpflichtung des 23-maligen Nationalspielers Zuber entstanden ist, vor allem in der Vielseitigkeit ihres Zugangs.

          „Mit Steven verstärken wir uns gleich auf mehreren Positionen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Zum einen erweitert er unsere Möglichkeiten auf beiden Außenbahnen.“ Zuber könne aber auch „in der Mittelfeldzentrale auflaufen“. Nur in einer Rolle sieht sich der gebürtige Winterthurer partout nicht, das stellte er bei seiner Präsentation in der WM-Arena deutlich klar: „Ich bin kein linker Verteidiger. Ich bin nicht zur Eintracht gekommen, um linker oder rechter Verteidiger zu lernen.“ Das Wichtigste sei ihm, „offensiv zu spielen. Da kann ich einer Mannschaft viel mehr helfen.“ In Hoffenheim hatte Zuber, der in der ersten Jahreshälfte 2019 an den VfB Stuttgart ausgeliehen war, vereinzelt auf der Linksverteidigerposition ausgeholfen. Dazu passen diese Worte, die Rosen zum Abschied von Zuber wählte: „Steven spielte bei uns zuletzt nicht mehr die offensive Rolle, in der er sich selbst sieht.“ Obwohl der Schweizer im Februar 2020 seinen Vertrag in Hoffenheim bis 2023 verlängert hatte, trennen sich nun die Wege.

          Große Ziele im kommenden Jahr

          In Frankfurt will Zuber auf dem Platz buchstäblich neu angreifen. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an der Europameisterschaft im kommenden Jahr. „Von Anfang an war für mich klar: Ich möchte zur Eintracht, oder ich bleibe in Hoffenheim“, sagte er. „In Frankfurt sehe ich die beste Chance, mich weiterzuentwickeln.“ Mit Zuber bekommt der Frankfurter Cheftrainer Adi Hütter einen Offensivspieler, der zielorientiert ist und von dem viel Eigeninitiative ausgeht.

          Der schnelle und bissige Außenbahnspieler bereitet sich selbst per Videostudium akribisch auf die Stärken und Schwächen seiner Gegenspieler vor. „Steven beschäftigt sich unfassbar viel mit Fußball, vertieft sich in die Materie und setzt sich mit jedem Spieler auseinander“ – so urteilte der ehemalige Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann über seinen einstigen Spieler. Zuber wiederum schätzte an der Arbeit von Nagelsmann dessen große Vielseitigkeit: „Er hat viele neue Dinge entwickelt, das war sehr speziell.“

          Spuren in Hoffenheim wird nach den Worten von Rosen auch Zuber „als Spieler und als Mensch hinterlassen. Die Einstellung, die Steven Tag für Tag auf und neben dem Platz gezeigt hat, war herausragend und vorbildlich“, lobte der Sportdirektor. Zuber wird bei der Eintracht in das Trikot mit der Rückennummer 11 schlüpfen – jenes von Gacinovic. Schweren Herzens – bei seiner Verabschiedung sind Tränen geflossen – kehrte der Serbe der Eintracht den Rücken, um eine „neue Herausforderung“ anzunehmen. „Die Spielweise in Hoffenheim passt hervorragend zu meinen Qualitäten“, sagte er.

          In Frankfurt hingegen war der Grübler Gacinovic, der sich zu oft selbst im Weg stand, sportlich an die Grenzen seiner Entwicklung gestoßen. „Nach intensiven und ehrlichen Gesprächen sind wir gemeinsam zu der Erkenntnis gelangt, dass Mijat vielleicht ein Tapetenwechsel helfen könnte, um die entscheidenden Prozente aus sich herauszuholen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner und wünschte dem in Frankfurt sehr geschätzten Gacinovic nur das Beste.

          Torro vor Abgang

          Lucas Torro steht vor einem Wechsel von Eintracht Frankfurt zum spanischen Erstligaklub CA Osasuna. Wie die Hessen am Dienstagabend bekannt gaben, hätten beide Vereine „Einigkeit über einen Transfer erzielt“. Der 26-Jährige werde „vorbehaltlich letzter Formalitäten, die zeitnah geklärt werden“, bei seinem früheren Klub einen Vertrag unterschreiben. Der Mittelfeldspieler war bei Osasuna von 2017 bis 2018 unter Vertrag. Die Eintracht verpflichtete Torro, der in der Nachwuchsabteilung von Real Madrid ausgebildet wurde, für 3,5 Millionen Euro. Er erhielt einen Fünfjahresvertrag, konnte sich aber nicht durchsetzen. (dpa)

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