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Wenn die Kraft schwindet : Die Probleme alternder Fußball-Stars

Spät erblondet: Werder-Profi Claudio Pizarro Bild: dpa

Claudio Pizarro ist 41 und spielt noch immer in der Fußball-Bundesliga. Auch in anderen Ländern sorgen in die Jahre gekommene Stars für Aufsehen. Doch im Fall Pizarro wird es so langsam ein wenig peinlich.

          2 Min.

          Ist Claudio Pizarro am Ende dann doch aus der Zeit gefallen? Der mit 41 Jahren spät erblondete Peruaner, der letzte aktive Fußballer, der schon im 20. Jahrhundert in der Bundesliga spielte, hat am Sonntag mit Werder Bremen nicht nur die Partie gegen Paderborn verloren. Er verlor auch einen seiner Altersrekorde.

          Dafür kann er natürlich nichts – dass der Spanier Joaquin beim 3:2-Sieg mit Betis Sevilla gegen Athletic Bilbao gleich in den ersten zwanzig Minuten dreimal traf und nun der erste Spieler in einer der großen europäischen Ligen ist, dem im Alter von 38 Jahren ein Hattrick gelang. Ein Hattrick zumal nicht nur nach der angelsächsischen Definition: drei Tore in einem Spiel, sondern sogar nach der deutschen, meist „lupenrein“ titulierten Lesart: drei in einer Halbzeit ohne Unterbrechung durch andere.

          Alter schützt vor Toren nicht

          Damit löste Joaquin in den spanischen Rekordbüchern den unvergleichlichen Alfredo di Stéfano ab – und in den europäischen den auf seine Art ebenfalls einmaligen Pizarro. Zuvor war der Bremer mit 37 Jahren und 151 Tagen ältester Dreifach-Schütze in den großen Ligen, knapp vor dem englischen Zeitgenossen Teddy Sheringham (37 und 146).

          Alter schützt vor Toren nicht, das zeigen auch die aktuellen Torjägerlisten, fest im Griff der Ü-30-Knipser. In England hat Jamie Vardy, 32 Jahre alt, mit 16 in 16 Spielen Leicester auf Platz zwei geführt. In Spanien schraubte Lionel Messi, auch mit 32 nichts von seiner Klasse einbüßend, sein Konto mit drei Toren gegen Mallorca auf zwölf in zehn Einsätzen. In der Bundesliga zeigt sich Robert Lewandowski mit 31 trotz der jüngsten Bayern-Flaute mit 16 in 14 trefflich wie nie. Und vermutlich werden auch die Top-Torjäger in Italien, Ciro Immobile (17 in 15), und Frankreich, Wissam Ben Yedder (11 in 14), noch gefährlicher, wenn auch sie in wenigen Monaten endlich ihren Dreißigsten hinter sich haben.

          Mit dem Vierzigsten ist das anders. Pizarro schien den Alterseffekt vergangene Saison mit fünf Toren und zwei Vorlagen noch zu widerlegen. Nun stößt wohl selbst er an eine biologische Grenze. Bisherige Bilanz: zehn Kurzeinsätze, null Tore, null Torvorlagen. Der Effekt, wenn seine Einwechslung im Weserstadion einen kollektiven Energieschub zu bringen schien, die Erwartung eines magischen Moments durch die Kraft des Alters, ist geschwunden.

          Auch manche Bestmarke, die dieser Glücksfall von einem Fußballprofi durch seine unbändige Lust und Langlebigkeit aufgestellt hat, dürfte im Laufe der Jahre auf der Strecke bleiben. Das ist nicht ehrenrührig – aber irgendwann vielleicht doch auch ein wenig peinlich. Dann, wenn man anfängt, Altersrekorde an Jüngere (wie nun Joaquin) zu verlieren – und immer noch nicht aufgehört hat.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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