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Kruse kontert Aus in Wolfsburg : „Ich entscheide selbst, wann meine Zeit vorbei ist“

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Max Kruse hat keine Zukunft mehr beim VfL Wolfsburg. Bild: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Trainer Niko Kovac verkündet nach dem Wolfsburger Sieg in Frankfurt, dass Max Kruse nie mehr für den VfL spielen wird. Das will der Stürmer nicht so einfach hinnehmen – und meldet sich selbst zu Wort.

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          Beim ersten Hinhören klang es sehr kühl und emotionslos. Die Art und Weise, mit der Niko Kovac die Demission von Max Kruse verkündete, ließ fast ein wenig Mitleid aufkommen. „Max wird für uns kein Spiel mehr machen“, sagte der geradlinige Trainer über den eigenwilligen Spieler. Was genau nicht mehr zusammenpasst, darüber wird in den nächsten Tagen sicherlich noch gestritten.

          Bundesliga

          Im Trainingsalltag des VfL Wolfsburg soll Kruse noch willkommen sein. Als Profi der Bundesligamannschaft spielt er keine Rolle mehr. Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erahnen, dass der letzte große Knall im Beziehungsdreieck zwischen Verein, Trainer und Spieler erst noch ansteht. Am Sonntag jedenfalls meldete sich Kruse schon mal zu Wort und sorgte für das nächste Kapitel.

          Über den passenden Begriff lässt sich streiten. Hat sich der Arbeitnehmer Kruse selbst ins Abseits gestellt? Oder handelt es sich um eine fiese Suspendierung? In jedem Fall war es dem nach mehreren Wochen ohne Sieg unter Druck geratenen Kovac wichtig, ein öffentliches Zeichen zu setzen. Die Aussortierung von Kruse während eines Fernsehinterviews live zu verkünden und in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt noch einmal zu manifestieren, das sollte wohl auch ein Signal der Stärke sein. Kovac legt großen Wert auf Teamgeist, Disziplin und Fitness.

          Kruse liebt nach eigenem Bekunden Nutella, Shisha-Bars, Pokern, Rennautos und ein möglichst buntes Leben. Was zwischenmenschlich nicht funktionieren wollte, war auch firmenintern auf ziemlich dünnes Eis geraten. Die etwas andere Außenwirkung von Kruse, der sich im Internet auf vielfältigen Wegen inszeniert, passt überhaupt nicht zu den Werten des VfL Wolfsburg. Merkwürdig bleibt die Eigenwahrnehmung von Kruse. Auf dem Youtube-Kanal „Die Kruses“, der den 34-Jährigen und seine Ehefrau unterhaltsam in Szene setzt, stellt er sich als Fußballer im besten Alter dar. Die Wahrheit auf dem Platz war zuletzt eine andere.

          Kruse lief dem Ball, den Erwartungen und dem eigenen Anspruch hinterher. Nach fünf Spielen ohne Torvorlage oder eigenen Treffer hatte Kovac genauer hingesehen, was Kruse überhaupt noch liefern kann und mag. Der jüngste Meinungsaustausch zwischen Kovac und Kruse, den VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke als eine Art Mediation anberaumt hatte, zeigte nur kurz Wirkung.

          Die Vereinsführung wird sich nun überlegen müssen, wie es arbeitsrechtlich weitergeht. Denn Kruse hat laut seines Arbeitsvertrages noch Anspruch auf Gehaltszahlungen bis Sommer 2023. Und jeder weitere, öffentliche ausgetragene Streit bremst Verein und Mannschaft auf dem erhofften Weg nach oben.

          Zwischen Kruse und dem Rest des Kaders ist zuletzt kein Schulterschluss in Sicht gekommen. Nach dem Sieg in Frankfurt meldete sich Maximilian Arnold zu Wort. „Wir haben andere Probleme als Max Kruse“, sagte der Kapitän. In der vergangenen Saison war Kruse eine Stütze, weil er alle Aufmerksamkeit auf sich geladen hatte und vorangegangen war.

          Was unter dem früheren Trainer Florian Kohfeldt funktionierte, greift unter neuer Führung nicht mehr – oder ist nicht mehr gefragt. „Keine Impulse, kein konstruktives Miteinander“ – mit dieser Einschätzung über Kruse zog Kovac jetzt einen Schlussstrich. Aus seiner Sicht endet damit das Kapitel Kruse in der Bundesliga. Dass der gescholtene Spieler das klaglos hinnimmt, war nicht denkbar. Und so meldete er sich am Sonntag zu Wort.

          Dabei wies Kruse den Vorwurf mangelnder Identifikation mit dem Verein zurück und kündigte eine Fortsetzung seiner Karriere in der Fußball-Bundesliga an. In einem auf seinem Instagram-Account veröffentlichten Video erklärte der 34-Jährige, die Meinung von Trainer Kovac zu respektieren.

          „Aber ich glaube, jeder, der mich kennt, weiß, ich habe nicht nur beim VfL Wolfsburg, sondern in den letzten zehn, zwölf Jahren, in denen ich Profifußball spiele, wenn ich auf dem Platz stand, immer alles gegeben für den Verein, für den ich gespielt habe“, sagte der Offensivspieler. Das werde auch so bleiben, solange er trainieren und Fußball spielen dürfe.

          Auf die Nachfrage des Sky-Reporters an Kovac, ob damit eine große Bundesliga-Karriere zu Ende gehe, antwortete Kovac knapp: „Ja.“ Dem widersprach Kruse am Ende seines Videoclips. „Ich glaube, ich entscheide selber, wann meine Zeit in der Bundesliga vorbei ist. Das entscheidet niemand anderes für mich“, betonte er.

          Als Beleg für seine Identifikation mit dem VfL Wolfsburg führte er seinen Einsatz für den Klub nach dem Wechsel von Union Berlin in der Rückrunde der vorigen Saison an. „Ich kam im Januar nach Wolfsburg, um der Mannschaft zu helfen. Und ich glaube, das habe ich in der vergangenen Rückrunde auch getan“, erklärte er.

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