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Mainz 05 : Minimalziel erreicht

  • -Aktualisiert am

Hindernisse überwinden: Giulio Donati klettert nach seiner Hinausstellung auf die Tribüne Bild: dpa

Mainz 05 wahrt mit dem 1:1 ihren Vorsprung vor Köln. Doch es wäre viel mehr möglich gewesen. Aber ein Spieler verliert die Nerven.

          2 Min.

          Giulio Donati muss sich nicht wundern, wenn andere ihn für leicht neben der Spur halten. Mit seinem Theater in der zweiten Minute der Nachspielzeit der Partie beim 1. FC Köln hat der Verteidiger des FSV Mainz 05 diese Einschätzung sogar noch untermauert. Nach einem Foul an Leonardo Bittencourt, völlig zu Recht mit der Gelben Karte bedacht, redete er anschließend mit ausladender Gestik auf den Kölner wie auf Schiedsrichter Benjamin Cortus ein – bis Letzterer ihm Gelb-Rot zeigte. Sandro Schwarz mochte das Ganze auf der Pressekonferenz noch nicht kommentieren. „Ich muss mir das erst noch mal angucken“, sagte der Trainer, „geredet haben Giulio und ich noch nicht darüber.“

          Auf den Ausgang des Spiels wirkte sich der Platzverweis nicht mehr aus. Die Mainzer hätten das Duell beim Tabellenvorletzten angesichts der Torchancen in der Schlussphase letztlich sogar gewinnen müssen. So erreichten sie nur ihr Minimalziel. Mit dem 1:1 wahrten sie die sechs Punkte Vorsprung vor den Kölnern, deren Hoffnung, sich noch auf den Relegationsplatz zu retten, damit einen weiteren Dämpfer erhielt.

          „Mit der Leistung und der Mentalität bin ich zufrieden“, sagte Sandro Schwarz. Der Trainer bedauerte aber, „dass uns der Lucky Punch gefehlt hat“. An Gelegenheiten dazu hatte es nicht gemangelt. Gleich dreimal hatten die Mainzer Fans in der 84. Minute zum Torschrei angesetzt: Erst lenkte FC-Torwart Timo Horn einen gefühlvollen Schrägschuss von Levin Öztunali an die Latte, Pablo De Blasis’ scharfe Hereingabe von links verpasste Robin Quaison nur hauchdünn, und dann setzte Danny Latza den Ball mit einem Drehschuss aus 16 Metern an die Latte.

          Widerstandskämpfer: Pablo de Blasis rechtfertigt mit dem Ausgleichstreffer seine Beförderung zum Stammspieler
          Widerstandskämpfer: Pablo de Blasis rechtfertigt mit dem Ausgleichstreffer seine Beförderung zum Stammspieler : Bild: dpa

          Nach Ablauf der regulären Spielzeit vergab De Blasis eine sehr gute Konterchance. Und in der letzten Szene der Partie schoss Quaison den Schlussmann aus kurzer Distanz an. Pech für den Schweden: In der 72. Minute war er nach einem schönen Dribbling bereits am Pfosten gescheitert.

          An der Umsetzung hapert es

          Begonnen hatte die Partie für die Mainzer mit zwei Ecken und einer Großchance, bei der Levin Öztunali zu zögerlich abschloss und an Horn scheiterte. Doch der Tiefschlag ließ nicht lange auf sich warten. Nach knapp sieben Minuten gerieten die 05er in Rückstand. Weil Donati auf der rechten Abwehrseite Bittencourt ungehindert flanken ließ und weil seine Kollegen im Zentrum wirkten, als wären sie nicht darauf eingestellt, dass dort plötzlich Linksverteidiger Jonas Hector auftauchen würde. Waren sie aber, wie der Trainer später berichtete: „Wir haben uns in der Vorbereitung die Anfangsphase des Kölner Spiels in Hoffenheim angeschaut, da war Hector auch ganz vorne dabei.“ An der Umsetzung dieses Wissens aber haperte es. Zwischen Leon Balogun, der eine Art Alibisprung vollführte, und Alexander Hack kam der Kölner Kapitän unbedrängt zum Kopfball und drückte die Kugel unhaltbar für Torwart René Adler ins lange Eck.

          Zur Ehrenrettung der Mainzer Innenverteidiger muss gesagt werden, dass dies ihr einziger Fehler war. Danach lieferte das Duo, das in dieser Konstellation noch nie auf dem Platz stand, zu dem es aber angesichts des Ausfalls von Stefan Bell und Abdou Diallo kaum eine Alternative gab, gute Arbeit ab. Bei Kölner Pässen in die Spitze war meist einer der beiden vor Simon Terodde am Ball, Flanken des FC köpften sie aus der Gefahrenzone.

          Chance vergeben: Robin Quaison trauert nach Schlusspfiff der Chance auf den „Lucky Punch“ nach
          Chance vergeben: Robin Quaison trauert nach Schlusspfiff der Chance auf den „Lucky Punch“ nach : Bild: dpa

          Mit dem Rückstand ging die gesamte Mannschaft vernünftig um. Nach ein paar wackligen Minuten bekamen die Mainzer wieder die Spielkontrolle. Das Offensivspiel geriet zwar nicht befriedigend, defensiv aber waren sie Herr des Geschehens; eine Zweikampfquote von 65 Prozent unterstrich dies. Nach dem Seitenwechsel fanden sie jedoch zunehmend spielerische Lösungen, so wie beim Ausgleich. Vom linken Flügel verlagerten sie das Spiel über Danny Latza auf Donati, der flankte vor den Fünfmeterraum, und der einlaufende De Blasis köpfte den Ball ins rechte Toreck (50.). Sonderlich beeindruckt zeigten sich die Rheinländer nicht, stattdessen entwickelte sich in der Folgezeit ein offener Schlagabtausch, bei dem Adler eine Großchance des ehemaligen Mainzers Jhon Cordoba vereitelte.

          Giulio Donati, der sich nach seinem Platzverweis als Unschuldslamm gerierte und kaum zu bewegen war, den Rasen zu verlassen, verfolgte die Schlussphase aus ungewohnter Perspektive: Der Italiener hatte die Tribüne erklommen. Die Pöbeleien einiger Kölner Fans ließ er erstaunlich souverän an sich abperlen.

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