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Arbeitsprotokoll Tim Wiese : Die Schießbude darf jubeln

Zwei Gegentore, aber drei Punkte: Hoffenheim-Torwart Tim Wiese Bild: dpa

Tim Wiese ist die Schießbude der Liga. Trotz der Gegentreffer 22 und 23 ist er beim 3:2-Sieg der TSG Hoffenheim gegen Schalke aber der Matchwinner. FAZ.NET hat 90 Minuten hingeschaut und sogar ein Show-Fausten beobachtet.

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          Der Beginn von Tim Wieses Arbeitstag beim 3:2-Sieg seines Arbeit- und Geldgebers TSG Hoffenheim über Schalke 04 beinhaltete gleich mehrere wichtige Aufgaben. Denn der Torhüter ist nicht nur der in letzter Reihe positionierte Handwerker seines Teams, sondern auch der Kapitän.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das wundert zwar im Umfeld des Teams recht viele, da Wiese für den verantwortungsvollen und eigentlich integrativen Job als bekennender Einzelgänger nicht eben sonderlich geeignet scheint. Aber sein Trainer „Markus Babbel wird sich schon etwas dabei gedacht haben“ (O-Ton Wiese), als er den Neuzugang Wiese im Sommer nach dessen Wechsel aus Bremen ins Kraichgau zum Spielführer ernannt hat.

          Also darf Wiese schon schnell den ersten kleinen Erfolg feiern. Er gewinnt im Duell mit Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes die von Schiedsrichter Deniz Aytekin per Münzwurf durchgeführte Seitenwahl und entscheidet sich zunächst dafür, nahe des Schalker Fanblocks seine Arbeit aufzunehmen. Die Anhänger aus Gelsenkirchen freuen sich vermutlich, da Wiese zuletzt dank 21 Gegentoren in nur sechs Pflichtspieleinsätzen den wenig rühmlichen Titel „Schießbude der Liga“ verliehen bekommen hat.

          Den 30.000 Zuschauern in der Sinsheimer Arena ruft Wiese, der vor dem Anpfiff erst noch seinen Kaugummi aus dem Mund elegant auf den Spann des rechten Fußes fallen und dann in hohem Bogen durch den Strafraum fliegen lässt,  in den folgenden 90 Minuten freilich bei insgesamt 22 gegnerischen Torschüssen recht oft seine Klasse in Erinnerung. Er ist zwar einer der umstrittensten, aber eben auch einer der besten deutschen Torhüter der vergangenen Jahre. Dafür hat er übrigens extra ein neues Trikot aus dem Schrank geholt. Statt eines hellgrauen Shirts mit blauem Streifen wie bei allen vorangegangenen Bundesligaspielen zieht sich Wiese gegen Schalke ein ebenso unauffälliges dunkelgraues mit neongrünem Streifen über (wir hatten insgeheim auf Wieses legendäre rosa Geschmacklosigkeit aus Bremer Champions-League-Tagen gehofft).

          In der 14. Minute - kurz zuvor war Hoffenheim durch Kevin Volland in Führung gegangen - zeichnet sich der sechsmalige deutsche Nationalspieler a.D. (der am Samstag als Zuschauer in Hoffenheim weilende Bundestrainer Joachim Löw will ihn zumindest vorerst zugunsten jüngerer Berufskollegen nicht für die DFB-Auswahl berücksichtigen) erstmals aus. In klassischer Wiese-Manier wirft er sich dem einschussbereiten Klaas-Jan Huntelaar entgegen und verhindert somit den schnellen Ausgleich.

          Wegweisend: Wiese nimmt nicht nur seine Aufgaben als Handwerker ernst

          Bei zwei Distanzschüssen von Jermaine Jones (23.) und Roman Neustädter muss Wiese nicht eingreifen, weil sie das Ziel knapp verfehlen. Dafür begeht er in der 37. Minute seinen einzigen folgenschweren Fehler: Beim Schalker Eckball von Jefferson Farfan lässt er den langen Pfosten ungedeckt. Neustädter köpft den Ball unbedrängt genau dorthin, wo eine Absicherung den Ausgleich verhindert hätte.

          Wiese macht seinen Fehler bis zur Halbzeit noch mehrfach wieder gut. In der 42. Minute hält er einen Volleyschuss von Jones bravourös und ist umgehend auch beim Nachschuss von Farfan zur Stelle, den er zur Ecke blockt. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff verkürzt er durch geschicktes Herauslaufen schließlich gegen Ibrahim Afellay den Winkel.

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