https://www.faz.net/-gtm-7u5bh

0:0 gegen die Bayern : Achtbarer Einstieg von HSV-Motivator Zinnbauer

  • -Aktualisiert am

Räume eng machen als Erfolgsmodell: Joe Zinnbauer bringt dem HSV den zweiten Punkt Bild: dpa

Der Hamburger SV hat immer noch kein Tor geschossen diese Saison - aber der neue Trainer Zinnbauer peitscht das Team zu einem 0:0 gegen die von Guardiola verwirrten Bayern.

          Kicker, Finanzberater, Diskothekenbesitzer, Millionär – der neue HSV-Trainer mit der aufregenden Vita hat gleich zu seinem Einstand für mehr Schwung in Hamburg gesorgt. Und das gegen den eigentlich übermächtigen FC Bayern. Zu sehen war unter der Anleitung von Josef Zinnbauer ein neuer Geist, das Team zeigte beim 0:0 eine Leistung voller Leidenschaft und mit großem läuferischem Einsatz.

          Fast wichtiger als der zweite Saisonpunkt war an diesem sonnigen Nachmittag die Erkenntnis, dass da eine Hamburger Mannschaft entsteht, die mehr zustande bringen könnte als Abstiegskampf. Chefmotivator Zinnbauer jedenfalls dürfte einigermaßen ermutigt in sein zweites Spiel am Mittwoch in Gladbach gehen. Die Bayern verschliefen die erste Halbzeit, machten dann Druck und waren zu spät in bekannter Manier zur Stelle.

          Kopfzerbrechen bei Guardiola: seine Bayern konnten Zinnbauers HSV nicht gefährden

          Eine erste Halbzeit ohne Gegentor, das genügte den Hamburger Fans in der mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Arena, um den HSV mit donnerndem Applaus in die Kabine zu entlassen. Gegen eine Bayern-Mannschaft ohne Zug zum Tor konnte man den HSV sogar als das bessere Team bezeichnen. Einige gute Balleroberungen gelangen, dann fehlte es aber an Ruhe und Klarheit in der Aktion danach. Einige Male kam der HSV gefährlich vor das Tor der Bayern, aber Manuel Neuer musste nie richtig eingreifen, weil zumeist Zoltan Stieber über die linke Hamburger Seite zu hastig flankte oder passte. Auch war Pierre-Michel Lasogga von Dante oder Jerome Boateng gut abgedeckt.

          Die Bayern hatten Robert Lewandowski, Mario Götze, Mehdi Benatia und Xabi Alonso aus der Mannschaft vom Manchester-City-Spiel in der Champions League genommen. Arjen Robben, der hätte spielen sollen, hatte sich vor Spielbeginn verletzt, für ihn kam Thomas Müller. Auch Claudio Pizarro und Xherdan Shaqiri sowie Pierre-Emile Höjbjerg durften sich versuchen. Höjbjerg konnte den Nachweis seiner Klasse nie erbringen und wurde kurz nach der Pause durch Xabi Alonso ersetzt. Wenig später kam auch Mario Götze. Und in der 66. Minute durfte Lewandowski aufs Feld.

          Das, was Guardiola spielen ließ, verlangte den Bayern-Profis gedanklich wieder alles ab. Ständige Rochaden und Verschiebungen führten sie vor, doch das verwirrte den HSV zunächst wenig. Bei Hamburg standen Behrami und Arslan gut vor der Abwehr, hinten waren Djourou und Westermann auf der Höhe. Ob das am neuen Coach lag, ist natürlich reine Spekulation. Aber jeder einzelne Hamburger Spieler wirkte konzentrierter als am vergangenen Sonntag in Hannover.

          Zinnbauer hatte in seinem ersten Spiel als Profi-Trainer Heiko Westermann wieder auf den Posten des Innenverteidigers gestellt. Dafür blieb Cleber draußen. Auch Arslan kehrte zurück in die Startelf. Somit hatte Zinnbauer anders als Slomka eine Mischung aus Alt und Neu gebracht.

          Allerdings machten es die Bayern den Hamburgern auch ziemlich leicht, gut auszusehen. Bei ihnen spielte eher jeder für sich, als alle gemeinsam wie eine Mannschaft. Zinnbauer hatte in seinen wenigen Trainingseinheiten seit Jobbeginn am Dienstag vor allem Übungen zur Stärkung der Gemeinschaft angeboten und in einigen Ansprachen auch nicht davor zurückgeschreckt, bekannte Namen anzugreifen. So hatte er Valon Behrami in einer Einheit vorzeitig zum Duschen geschickt, weil ihm sein Einsatz nicht passte. Trotzdem stand der Schweizer am Samstag in der Startelf. Als guter Motivator gilt Zinnbauer ohnehin, und offenbar war es ihm gelungen, seine Mannschaft auf die große Aufgabe einzuschwören. In Sachen Kampf und Einsatz gab es nichts auszusetzen an den Hamburgern.

          Jede Grätsche begeistert gefeiert

          Die Bayern hatten sich gewissenhaft auf die Partie unter neuen Vorzeichen vorbereitet: Guardiola besorgte sich zwei DVDs mit Partien der von Zinnbauer trainierten Hamburger U23. Die ist Tabellenführer in der Regionalliga Nord und hat dort mit schnellem Vorwärtsfußball überzeugt.

          Die engagierte Leistung des HSV fand beim Publikum Gefallen – jede Grätsche, jeder gewonnene Zweikampf wurde begeistert beklatscht. Die Fehler in der Vorwärtsbewegung wurden hingenommen. Doch die Bayern machten nun viel mehr Druck als in der müden ersten Halbzeit, der HSV lief nur noch hinterher. Mit Glück und Geschick überstand Zinnbauer Team die brenzligen Momente und verdiente sich das torlose Remis.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spahns Notfallplan : Fast schon verdächtig viel Zustimmung

          Der Gesundheitsminister will Kassenärzte und Krankenhäuser zur Zusammenarbeit zwingen – und erhält dafür Lob von allen Seiten. Doch bei der Umsetzung sperren sich die Verantwortlichen noch.
          Hat sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato-Staaten bekannt: Annegret Kramp-Karrenbauer

          Akks Wehretat : Der Streit schwelt weiter

          Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftigt das Ziel der Nato, dass die Verteidigungsausgaben steigen sollen. Das provoziert Widerstand – in der Opposition und selbst beim Koalitionspartner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.