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Österreichs Marko Arnautovic : Ein „absolutes Mentalitätsviech“

Im ersten EM-Spiel legte sich Marko Arnautovic (links) mit Ezgjan Alioski an. Bild: Reuters

Marko Arnautovic ist ein Fußballprofi, der es liebt, zu provozieren – und dadurch polarisiert er wie keiner in Österreichs Team. Seine Emotionen brachten ihm bei dieser EM gar schon eine Sperre ein.

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          Als Randfigur sieht er sich nicht, das passt weder zu seinem Talent noch dem Temperament. Marko Arnautovic ist ein Fußballprofi, der es liebt, zu provozieren – und dadurch polarisiert er wie sonst keiner in der Auswahl des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB). Der Stürmer nutzte die Trainingseinheiten im Teamquartier in Seefeld, um nach den Schlagzeilen, für die er nach seinem verbalen Aussetzer zu Turnierbeginn gesorgt hatte, nun auch noch Bilder zu liefern, die kaum anschaulicher sein konnten. Arnautovic war seine kurze Hose nicht knapp genug. So wickelte er den Stoff an beiden Beinen, so hoch es ging, um seine prallen und großflächig tätowierten Oberschenkel zur Schau zu stellen.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Er wollte mit seiner modisch zweifelhaften Aktion vor dem Betreten des Rasens natürlich seine körperliche Stärke veranschaulichen. Dem 32-Jährigen ging es ganz bewusst darum, vor dem dritten Spiel in der Gruppe C bei dieser EM die Muskeln spielen zu lassen. Als Zeichen nach innen in die eigenen Reihen und besonders im Hinblick auf Trainer Franco Foda, der nicht umhinkam, vorab anzukündigen, dass er Arnautovic an diesem Montag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) gegen die Ukraine in die Startformation berufen wird; aber eben auch als Versuch, den Gegner vor dem kommenden Duell zu beeindrucken.

          Seine Mannschaftskollegen sehen in der Rückkehr von Arnautovic einen entscheidenden Pluspunkt, der im Wettstreit um die Qualifikation für das Achtelfinale den Unterschied ausmachen kann. Zum Auftakt, beim Sieg über Nordmazedonien, erzielte Arnautovic kurz vor dem Abpfiff den Treffer zum 3:1. Anschließend hatte er es – mal wieder – nicht geschafft, seine Emotionen zu zügeln.

          Ein „absolutes Mentalitätsviech“

          Statt sich ausschließlich über den wichtigen Treffer zu freuen, ließ er zusätzlich eine Wort-Tirade folgen, die Kapitän David Alaba noch vergeblich zu verhindern suchte, als er Arnautovic den Mund zuhalten wollte. Nach Dafürhalten der UEFA-Sportrichter, die sich die Szenen anschließend zu Gemüte führten, äußerte sich Arnautovic diffamierend gegenüber einem Gegenspieler – was ihm die Sperre für die Begegnung mit den Niederländern (0:2) bescherte.

          Für Christoph Baumgartner, einer von 17 Bundesliga-Legionären im ÖFB-Ensemble, handelt es sich bei dem Enfant terrible mit der Rückennummer 7 um ein „absolutes Mentalitätsviech“. Arnautovic setze alles daran, zu gewinnen. Wobei ihn mutmaßlich seine Kindheit auf den Bolzplätzen in Wien-Florisdorf geprägt habe, was auf seinen Charakter bis heute abfärbe. Dort sei er als Straßenfußballer sozialisiert worden. „Wer dort verliert, muss vom Platz gehen“, sagt Baumgartner, „Marko will auf keinen Fall vom Platz gehen.“

          Baumgartner, der im Alltag für die TSG Hoffenheim antritt, machte keinen Hehl daraus, dass er es begrüßt, dass Foda den seit 2019 bei Schanghai SIPG in der chinesischen Super League beschäftigten Arnautovic erstmals in diesem Jahr für die Anfangself nominierte. Den Routinier zeichne in Eins-gegen-eins-Situationen eine besondere Klasse aus.

          „Du kannst ihm immer den Ball zuspielen, selbst wenn er drei Gegner um sich hat“, sagte Baumgartner. Den ersten würde Arnautovic mit der Hand wegdrücken, den zweiten mit dem Po – „und den dritten macht er einfach mit den Füßen weg“. Was die Auseinandersetzung mit dem osteuropäischen Konkurrenten speziell macht, ist die Konstellation vor dem Abschluss der ersten EM-Phase: Sowohl die Ukrainer als auch die Österreicher müssen nicht gewinnen; um weiterzukommen, würde beiden ein Unentschieden genügen.

          Doch ein „Ballgeschiebe von Bukarest“ werde es nicht geben, kündigte Baumgartner in Erinnerung an die „Schande von Gijón“ an, als Deutsche und Österreicher bei der WM 1982 dank eines Nichtangriffspakts zusammen in die nächste Runde einzogen: „Das geht gar nicht“, legte sich der 21-Jährige fest und verknüpfte seine Erwartungen unter anderem mit dem Comeback Arnautovics. Im bislang letzten Duell mit den Ukrainern war der damalige Bremer mit zwei Toren 2012 der Matchwinner.

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