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Tennisprofi Marterer : Ein Versprechen für die Zukunft

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Respekt für den Neuen: Rafael Nadal (rechts) nimmt Maximilian Marterer zum Abschied in den Arm. Bild: AP

Im dritten Satz stellt Maximilian Marterer den Sandplatzkönig Rafael Nadal vor Schwierigkeiten. Doch mehr als Respekt kann der Tennis-Neuling nicht gewinnen.

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          Irgendwie kommt es einem vor, als sei das nicht erst vier Monate her. Ende Januar saß Maximilian Marterer in Melbourne in einem schicken, nagelneuen Interviewraum mit schönem Blick auf die Rod Laver Arena und berichtete, wie es ihm bei den Australian Open und davor in seinem Leben als Tennisprofi ergangen war. Er wirkte ein bisschen schüchtern und schien sich jede Antwort genau zu überlegen. Alles in allem machte er seine Sache gut, und gefasst ertrug er auch Nachfragen zu einem Thema, das nichts mit Tennis zu tun hatte. Wieso er, der in Nürnberg geborene Franke, ausgerechnet Fan der TSG Hoffenheim sei und nicht des traditionsreichen Klubs vor seiner Haustür? Das habe sich so ergeben, und jetzt sei er froh darüber, sagte er. In Hoffenheim wurden die Worte wohlwollend vernommen; vor dem Spiel der dritten Runde der Australian Open meldete sich der Fußball-Bundesligaklub und lud Marterer zu einem Heimspiel ein.

          Die ersten beiden Siege seiner Karriere im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers zeigten Maximilian Marterer in Melbourne, dass er sich im Herbst 2017 richtig entschieden hatte, als er nach einer Serie von 14 Erstrunden-Niederlagen auf der ATP-Tour und zum Abschluss bei den US Open beschlossen hatte, es erst mal wieder bei Turnieren eine Ebene tiefer zu versuchen, um dort irgendwie das Gefühl fürs Gewinnen wieder zu finden. Manchmal müsse man einfach einen Schritt zurückgehen, meinte er.

          In den folgenden Wochen gewann er drei Challengerturniere, sammelte reichlich Siege, und auf der Basis der so gewonnenen Sicherheit kam er schneller voran als gedacht. Sein Ziel für 2018, einen Platz unter den besten 70 der Welt zu erobern, hatte er schon vor Beginn der French Open erreicht, und nach den Siegen in den ersten drei Runden stand fest, dass er nach dem Ende des Turniers zu den besten 50 gehören wird. Das Ganze mit Zufriedenheit und Freude auch von Michael Kohlmann verfolgt, der nicht nur Chef des deutschen Davis-Cup-Teams ist, sondern sich auch als Coach um Marterer kümmert.

          Immerhin hat er Nadal in den Tiebreak gezwungen: Maximilian Marterer

          Ohne die Bereitschaft, die Dinge im Herbst 2017 in Ruhe zu sortieren, wäre der junge Franke vermutlich auch nicht am Montag im Achtelfinale mit Rafael Nadal gelandet. Mit dem Sieg zwei Tage zuvor gegen den hochtalentierten Kanadier Denis Shapovalov hatte er Aufmerksamkeit gewonnen, und wie stark und druckvoll er spielen kann, das sahen die Leute auch in der Partie gegen den Spanier. „Es spricht vielleicht nicht viel für mich“, hatte Marterer vor der Partie gesagt, „das ist einfach eine ganz andere Herausforderung. Ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen.“

          Und dieses Beste sah nicht nur zu Beginn des Spiels ziemlich gut aus. Die Zuschauer hatten kaum Platz genommen, da hatte er sich schon Nadals erstes Aufschlagspiel geschnappt, und der selbstbewussten Linie blieb er auch dann treu, als der Titelverteidiger Betriebstemperatur erreichte. In einem Interview mit der englischen Tageszeitung Telegraph hatte der Schwede Robin Söderling kürzlich gesagt, um Spieler wie Nadal oder Roger Federer besiegen zu können, müsse man überzeugt an seine Chancen glauben, und das müsse man ihnen vom ersten Moment an zeigen. Söderling, den eine Krankheit zum frühen Rückzug vom Tennis zwang, weiß, wovon er spricht; er ist neben Novak Djokovic der einzige Spieler, der im Stade Roland Garros je gegen den Spanier gewann, damals im Achtelfinale anno 2009.

          Marterer spielte entschlossen mit. Er ließ auch nach zwei verlorenen Sätzen nicht locker und zwang den großen Favoriten sogar in den Tiebreak des dritten. Dass er schließlich 3:6, 2:6, 6:7 verlor ändert nichts an der Feststellung, dass Maximilian Marterer im bisher größten Spiel seiner Karriere einen starken Eindruck hinterließ, der ihm für alles weitere Zuversicht geben wird. Nadal gab ihm beim Händedruck am Netz noch ein paar lobende Worte mit. „Der dritte Satz war wirklich hart. Maximilian ist ein sehr guter Spieler. Ich wünsche ihm alles Gute für die Zukunft.“ Und irgendwie wirkten diese Sätze und der Händedruck wie ein Versprechen.

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