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Machtkamp in der Formel 1 : Will Ecclestone eine eigene Rennserie aufziehen?

  • -Aktualisiert am

Klagender Spielmacher: Bernie Ecclestone (links) Bild: AFP

In der Formel 1 wird heftig um das neue Regelwerk gestritten. Hinter dem Konflikt steckt ein Machtkampf. Will Bernie Ecclestone etwa eine eigene Rennserie aufziehen? Es ist ein höchst riskantes Unternehmen.

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          Die Formel 1 ist aus den Fugen geraten. Die einen kritisieren das neue Rennformat, die anderen verteidigen es. Jeder hat seine eigene Agenda. Der vielzitierte Krisengipfel zwischen Chefmanager Bernie Ecclestone, Jean Todt, dem Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo fand in mehreren Etappen statt. Ecclestone mit Montezemolo, Todt mit Ecclestone, Mercedes-Mann Niki Lauda als Katalysator dazwischen.

          Todt wollte mit Montezemolo nur unter einer Bedingung sprechen: „Dass er sich vorher bei seinen Ingenieuren erkundigt.“ Man kann das auch so übersetzen: Der Fia-Chef zweifelt an der Fachkompetenz seines früheren Arbeitgebers.

          Die Formel 1 stand schon unter Beschuss, da hatte das erste Rennen dieser Saison noch gar nicht stattgefunden. Bernie Ecclestone legte die Lunte, Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz und di Montezemolo zündelten eifrig mit. Es ist kein Zufall, dass die Kritiker sportlich derzeit in der zweiten Reihe stehen. Mercedes macht das Rennen, weil man den besten Motor und dazu noch ein gutes Auto baut.

          Red Bull muss sich nach vier WM-Titeln in Serie mit der Rolle des Jägers erst wieder anfreunden. Todt sagt bissig: „Hat sich irgendeiner beschwert, als Vettel neun Rennen in Folge gewonnen hat? Red Bull und Ferrari müssen akzeptieren, dass Mercedes die Aufgabe besser gelöst hat. So etwas kommt vor im Motorsport.“

          Der Motor ist nun ein Schlüsselelement

          Bei Ferrari greift die Verzweiflung um sich, man könnte zum siebten Mal seit 2007 am WM-Titel vorbeifahren. Diesmal nicht wegen des Autos, sondern wegen des Motors. Dahinter steckt eine gewisse Ironie, denn Montezemolo hatte gehofft, mit der Aufwertung des Motors das Diktat der Aerodynamik zu brechen.

          Gleichzeitig tut sich Red Bull schwer zu akzeptieren, dass nun der Motor ein Schlüsselelement für die Leistungsfähigkeit der Boliden bildet. Diese Verlagerung weg von der Aerodynamik entwertet die Arbeit von Star-Designer Adrian Newey, dem Herrn des Luftflusses rund um die Autos.

          83 Prozent Ablehnung bei Ferrari

          Die Gegner von Mercedes setzen ihre Nadelstiche ganz bewusst. Red Bull riskierte beim Saisonauftakt in Australien eine Disqualifikation von Daniel Ricciardo, um die Unsinnigkeit der reglementierten Benzindurchflussmenge öffentlich anzuprangern. Manche meinen: Um die neue Formel 1 im Ganzen zu diskreditieren.

          Ferrari stellte schon nach dem zweiten Rennen eine Fan-Umfrage auf die eigene Website und verbreitete das niederschmetternde Ergebnis mit 83 Prozent Ablehnung offensiv in einer Pressemitteilung. Als Hauptgrund gaben die Fans das Herumschleichen und Benzinsparen an. Und natürlich den fehlenden Sound. Doch danach war gar nicht gefragt worden.

          Sowohl Renault als auch Ferrari haben Defizite bei der Motorleistung, und sie brauchen mehr Benzin als die Mercedes-Motoren. Das hat auch konstruktive Gründe, die bis zum Ende der Saison nicht zu beheben sind, weil die Homologation der Motoren (zur Vermeidung von weiteren Kosten) jeden Eingriff verbietet, der die Leistung steigert.

          Es sind nur Modifikationen unter dem Deckmantel der Zuverlässigkeit und Kostenersparnis erlaubt. Wenn Red Bull Front gegen die Benzinmengensensoren macht und Montezemolo fordert, das Spritlimit von 100 Kilogramm für eine Renndistanz anzuheben, dann steckt dahinter ein Plan: Die Langsameren hoffen, auf diesem Weg die Probleme leichter lösen zu können.

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