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Formel 1 : Blondieren, basteln, beten

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Keine Zwillinge: Physiotherapeut Heikki Huovinen und Weltmeister Sebastian Vettel teilen trotzdem die Haarfarbe Bild: AFP

Die Formel 1 rotiert in Spa aus eigenem Antrieb. Sucht neben Red Bull und Ferrari auch McLaren einen neuen Piloten? Ruhe hat vor dem Qualifying an diesem Samstag (14 Uhr/ RTL und Sky) im Moment nur einer: Sebastian Vettel.

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          Auch Sebastian Vettel ist nicht ungeschoren aus der Sommerpause der Formel 1 zurückgekehrt. Im Nacken ist das Haupthaar kurz geworden, und es leuchtet nun wie eine leicht gedämpfte finnische Variante zum mitteleuropäischen Wasserstoff-Blond. Angeblich mokieren sich die Kollegen. Aber Vettel spaziert äußerlich unbeeindruckt durch das Fahrerlager der Rennstrecke von Spa-Francorchamps. Spott scheint das Einzige, was seine Rivalen dem dreimaligen Weltmeister entgegenschleudern können vor dem Start in die „zweite Halbzeit“ der Saison. „Wir schauen nur auf uns“, sagt Vettel, „das reicht.“ Vielleicht sogar schon an diesem Sonntag beim Großen Preis von Belgien für den fünften Sieg 2013, also für den nächsten Schritt zum vierten Titel in Serie. Mit 38 Punkten führt der Heppenheimer die Fahrerwertung an, der Bolide (Red Bull) macht kaum Zicken, seine Position ist gestärkter denn je. Vettel hatte im Urlaub, was seinen stärksten Gegnern fehlte: Ruhe.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Kimi Räikkönen? Der erste Verfolger tauchte an der Oberfläche des Internets schon als neuer Kollege an der Seite des Champions auf, eine Fehlkalkulation. Räikkönen ist noch immer auf der Suche nach Stabilität. Weil Lotus Schulden nachgesagt werden, die vielleicht die Entwicklung des Rennwagens bremsen könnten, sorgt er sich um sein Fortkommen. Nun soll der blitzschnelle Finne ein Kandidat bei McLaren sein, wo ihn einst die strengen Vorgaben des inzwischen vom Teamchefposten zurückgetretenen Ron Dennis in die Flucht trieben. Das Gerücht keimt, weil der Rennstall zögert, den Vertrag von Jenson Button zu bestätigen. Die Briten brauchen dringend einen Spezialisten für das Qualifying, einen Piloten, der ihr Auto in die vorderen Startreihen katapultiert. Räikkönen kann das. Zwar hat auch Ferrari einen Platz zu bieten für 2014; und das Tempo des Platzhirschens Fernando Alonso muss der Weltmeister von 2007 auch nicht fürchten. Aber Hackordnungen, zumal zementierte, lehnt er kategorisch ab.

          Auf der Suche nach Stabilität: Wechselt Kimi Räikkönen das Cockpit?
          Auf der Suche nach Stabilität: Wechselt Kimi Räikkönen das Cockpit? : Bild: dpa

          Die Nummer zwei soll ein anderer spielen. Sauber-Pilot Nico Hülkenberg ist wie im vergangenen Jahr im Gespräch. Aber warum nicht Button, der als Weltmeister der Saison 2009 an die Seite von McLarens Liebling Lewis Hamilton wechselte und sich in der Rolle des Nebenmannes profilierte? „Ich“, sagt der Gefragte, „möchte (bei McLaren) bleiben.“ So rotiert die Formel 1 in diesen Tagen aus eigenem Antrieb. Allerdings versucht Ferrari-Star Fernando Alonso, die Fliehkräfte seiner Kapriolen einzufangen. Er beschießt die Welt ja nicht nur mit Samurai-Weisheiten via Twitter, sondern verschickt auch schon mal Giftpfeile in die eigene Küche. Ein Sakrileg bei Ferrari. Weil er sich zum Geburtstag kurz nach dem jüngsten Rennen in Ungarn (5.) ein „neues Auto“ wünschte, schenkte ihm Ferraris stolzer Präsident Luca Montezemolo mächtig ein. Via Pressemeldung erinnerte der Boss seinen Chefpiloten an die Größenordnung im Hause: Niemand steht über der Scuderia! Prompt erklärte Alonso seine Kritik in Spa zu einem „Missverständnis“.

          Dabei ist der Fall eindeutig: Ferrari fährt, laut Statistik, im Titelrennen rückwärts. Denn nach Berechnungen des früheren Formel-1-Ingenieurs Gary Anderson ist Alonsos Punktedurchschnitt in den ersten zehn Rennen gesunken (-1,8), korrespondierend mit einem Rückfall in der Startaufstellung (3,8 Plätze). Laut BBC gibt es Ingenieure, die das Problem nicht am Front- oder Heckflügel, sondern in der Mitte des Autos lokalisiert haben. Dort, wo der Fahrer sitzt. Das wäre eine Überraschung, erklärt aber den Trubel.

          Trotz öffentlicher Kritik am Auto: Fernando Alonso bleibt die Nummer 1 bei Ferrari
          Trotz öffentlicher Kritik am Auto: Fernando Alonso bleibt die Nummer 1 bei Ferrari : Bild: dpa

          Bei Mercedes soll dagegen ganz sicher der Mensch zuletzt den kleinen Unterschied zwischen „schnell“ und „für alle zu schnell“ ausgemacht haben. Lewis Hamilton raste auf der heißen Piste von Ungarn zu seinem ersten, überraschend ungefährdeten Sieg im Silberpfeil. Nun präsentiert sich Mercedes mit Hamilton und Nico Rosberg an den Lenkrädern als Aufsteiger des Sommers: drei Siege in den vergangenen fünf Rennen, sieben Pole-Positionen in den vergangenen acht. „Hamilton“, behauptet Alonso, „ist ein Titelkandidat.“ Der Brite liegt zwar 48 Punkte hinter Vettel, ist aber guter Hoffnung, den Weltmeister bei der Vorbereitung auf das Rennen aus der Reserve locken zu können. Die Dominanz von Mercedes im Sprint beim Startplatzrennen könnte Vettels Red-Bull-Strategen dazu zwingen, bei der Abstimmung für den Dauerlauf in den Ardennen ein kleines Risiko einzugehen. Falls man beim Spiel mit den Flügeleinstellungen weniger Anpressdruck in Kauf nimmt, würde Vettel das Überholen im Rennen leichter fallen. So experimentierte Red Bull unter anderem im Training, ein Vabanquespiel auf rutschiger Piste. Deshalb erscheint der für Sonntag angekündigte Regen wie ein potentieller Unruhefaktor. Aber die ersten Vorläufer des Herbstes stören auch das Wohlbefinden Hamiltons. Er musste ohne Hund nach Belgien reisen. Roscoe muss sich von einer Lungenentzündung in Monaco erholen, twitterte Hamilton und bat auch seine Freunde, in Gedanken bei ihm zu sein: „Betet für meinen kleinen Freund.“

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